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Kissing Spines im Röntgenbild: was ein Befund über Schmerzen aussagt und was er nicht vorhersagt

Unter 100 Springpferden im Turniereinsatz hatte kein einziges einen unauffälligen Rücken: was ein Kissing-Spines-Befund aussagt und was er nicht vorhersagt.

Redaktion ForschungPferd Redaktion
Fachliche GegenlesungPosition noch nicht besetzt, offen ausgewiesen.

10 Min. Lesezeit Zuletzt fachlich geprüft Freier Zugang

Stilisiertes 3D-Modell eines Wirbelsäulenabschnitts: sechs schlanke Dornfortsätze, die beiden rechten fast aneinander, darunter türkise Muskelschichten.

Zusammenfassung

Ein Kissing-Spines-Befund beschreibt enge, berührende oder überlappende Dornfortsätze im Röntgenbild. Er ist bei Pferden ohne Rückenbeschwerden häufig: Unter 33 beschwerdefreien Reitpferden waren nur sieben völlig unauffällig, unter 100 Springpferden im Turniereinsatz kein einziges. Ein höherer Befundgrad geht bei vorgestellten Pferden zwar mit Rückenschmerz einher, doch die Messung hängt von der Körperhaltung beim Röntgen ab, und in einer Operationsserie sagte kein Bildparameter das Ergebnis voraus.

20Primärquellen
30 %davon Stufe 1 bis 2
2untersuchte Arten
2004–2025Publikationsjahre

Das Wesentliche

  • Enge oder berührende Dornfortsätze sind bei Pferden ohne wahrgenommene Rückenschmerzen die Regel: von 33 beschwerdefreien Reitpferden waren sieben völlig unauffällig, von 100 Springpferden im Turniereinsatz kein einziges.
  • Schon bei 47 nie angerittenen Jährlingen war rund ein Drittel der Zwischenräume verengt oder in Kontakt, und ihre Befunde unterschieden sich nicht von denen 55 trainierter Pferde.
  • Der Befund ist trotzdem nicht leer: An 582 wegen Rückenschmerz oder Leistungsabfall vorgestellten Pferden war ein höherer Röntgengrad mit thorakolumbalem Schmerz verbunden, am stärksten zusammen mit Veränderungen der kleinen Wirbelgelenke.
  • Die gemessene Enge hängt von der Aufnahme ab: Eine von Hand herbeigeführte Beugung vergrösserte den Abstand um bis zu 3,1 Millimeter, bei einer Schwelle von vier Millimetern.
  • In der einzigen Serie, die es geprüft hat, sagte weder der Röntgen- noch der Szintigrafiegrad noch die Zahl betroffener Zwischenräume die Rückkehr zur Leistung nach dem Eingriff voraus.

Was ein Kissing-Spines-Befund beschreibt

Auf dem Rücken jedes Pferdes stehen die Dornfortsätze der Brust- und Lendenwirbel wie eine Reihe knöcherner Segel nach oben. Von Kissing Spines spricht man, wenn benachbarte Dornfortsätze einander sehr nahe kommen, sich berühren oder überlappen. Als Schwelle gilt üblicherweise ein Zwischenraum von weniger als vier Millimetern mit Kontakt oder Überlappung. Betroffen ist meist die mittlere und hintere Brustwirbelsäule, seltener die Lendenwirbelsäule. Der Begriff beschreibt damit eine Form von Knochen, nicht einen Zustand des Pferdes.

Eine Übersichtsarbeit von 2025 fasst den Forschungsstand ungewöhnlich offen zusammen: Wie häufig Schmerzen tatsächlich auf berührende Dornfortsätze zurückgehen, bleibe spekulativ, zwischen Bildbefund und klinischen Zeichen liess sich keine belastbare Übereinstimmung zeigen, und die Entstehung ist trotz jahrzehntelang angebotener Behandlungen schlecht verstanden. Es handelt sich um eine erzählende, nicht um eine systematische Übersicht: Sie ordnet den Wissensstand, sie misst ihn nicht.

Ist Kissing Spines eine Diagnose?

Nein. Der Befund beschreibt, was auf dem Röntgenbild zu sehen ist. Ob ein Pferd Schmerzen hat und ob diese Schmerzen von den Dornfortsätzen ausgehen, entscheidet die klinische Untersuchung, in der Regel unter Einbezug einer diagnostischen Anästhesie. Bild und Beschwerden sind zwei getrennte Informationen, die erst zusammengeführt werden müssen.

Wie häufig der Befund bei Pferden ohne Beschwerden ist

Eine schwedische Untersuchung röntgte und szintigrafierte 33 Reitpferde ohne klinische Zeichen von Rückenproblemen. Nur sieben davon waren in beiden Verfahren völlig unauffällig, elf hatten überall einen normalen Abstand von mehr als vier Millimetern. Bei 26 Pferden fand sich mindestens eine Auffälligkeit, meist geringgradig und meist zwischen dem dreizehnten und dem achtzehnten Brustwirbel. Der Schluss der Arbeit ist scharf: Die Bandbreite dessen, was bei beschwerdefreien Pferden zu sehen ist, sei so gross, dass Befunde innerhalb dieser Bandbreite bei erkrankten Pferden nicht als klinisch bedeutsam gelesen werden dürfen.

Zwanzig Jahre später wurde dieselbe Frage an einer ganz anderen Population gestellt: 100 Warmblut-Springpferde im Turniereinsatz, mittlere Sprunghöhe 1,35 Meter, ohne beobachtete Lahmheit. Kein einziges dieser Pferde hatte einen röntgenologisch unauffälligen Rücken. Verengung und Knochenverdichtung lagen vor allem zwischen dem fünfzehnten Brust- und dem ersten Lendenwirbel, Veränderungen am Sehnenansatz vor allem im Widerristbereich.

Das unerwartetste Ergebnis dieser Arbeit betrifft die Richtung: Das höchste je erreichte Karriereniveau war schwach, aber positiv mit der Verengung der Zwischenräume und mit der Knochenverdichtung verbunden. Als Vorteil darf man das nicht lesen. Untersucht wurden Pferde, die im Sport bestanden haben; wer daran gescheitert ist, kommt in dieser Stichprobe nicht vor, und allein das kann einen solchen Zusammenhang erzeugen.

Woher die Veränderungen stammen, ist offen. Eine Untersuchung verglich 47 nie angerittene Jährlinge mit 55 trainierten Vollblütern ohne wahrgenommene Rückenschmerzen. Häufigkeit, Anzahl und Punktwert der Befunde unterschieden sich zwischen den Gruppen nicht. Bereits bei den Jährlingen war rund ein Drittel der untersuchten Zwischenräume verengt oder in Kontakt, und mehr als die Hälfte zeigte Verdichtungen, Aufhellungen oder Umbau. Die Autorinnen und Autoren lesen das als Hinweis auf eine entwicklungsbedingte Entstehung. Vereinbar mit den Daten ist diese Deutung; bewiesen ist sie durch die blosse Gleichheit zweier Gruppen nicht.

Warum der Befund trotzdem nicht bedeutungslos ist

Die grösste Arbeit zu dieser Frage untersuchte 582 Pferde, die wegen wahrgenommener Rückenschmerzen oder Leistungsabfall vorgestellt worden waren. Alle durchliefen eine diagnostische Anästhesie der Gliedmassen, des Rückens und der Kreuz-Darmbein-Gelenke. Sowohl der höchste als auch der Gesamtgrad der Dornfortsatzveränderungen war bedeutsam mit thorakolumbalem Schmerz verbunden, ebenso eine vermehrte Anreicherung in der Szintigrafie. Wer sagt, der Röntgenbefund sage gar nichts aus, widerspricht dieser Arbeit.

Zwei Einschränkungen aus derselben Untersuchung wiegen ebenso schwer. Erstens war die Arthrose der kleinen Wirbelgelenke stärker mit Schmerz verbunden als die Dornfortsätze allein, und am höchsten lag die Wahrscheinlichkeit, wenn beides zusammen vorlag. Zweitens können eine Lahmheit der Vorder- oder Hintergliedmassen und ein Schmerz im Kreuz-Darmbein-Gelenk einen primären Rückenschmerz nachahmen. Genau deshalb bleibt die diagnostische Anästhesie unverzichtbar. Und weil alle Pferde wegen Beschwerden überwiesen wurden, lässt sich aus dieser Arbeit keine Häufigkeit für die allgemeine Pferdepopulation ableiten.

Eine französische Untersuchung verglich 102 Traber mit Zeichen von Rückenschmerz und 16 Traber ohne solche Zeichen. Bei 10 der 16 beschwerdefreien Pferde fanden sich Veränderungen, bei den symptomatischen bei 98 von 102. Die Läsionen waren bei den beschwerdefreien Tieren weniger schwer und örtlich begrenzter. Für den blossen Kontakt der Dornfortsätze unterschied sich die Zahl betroffener Pferde zwischen den Gruppen jedoch nicht bedeutsam: Verschieden waren nur die Anzahl betroffener Zwischenräume und der Schweregrad. Die Vergleichsgruppe umfasste 16 Tiere, was jede Aussage über kleine Unterschiede unsicher macht.

Eine dritte Arbeit an 223 Warmblütern zeigt dasselbe zweigeteilte Muster. Die Gesamtgrade in Röntgen und Szintigrafie lagen bei Pferden mit thorakolumbalem Schmerz höher. Die genauer gerechneten Anreicherungsverhältnisse unterschieden sich dagegen nicht zwischen Pferden mit und ohne Schmerz, und die Übereinstimmung zwischen den szintigrafischen Verfahren und dem Röntgenbefund war nur gering.

Wie stark der Befund von der Aufnahme selbst abhängt

Ein Röntgenbild ist keine Messung, sondern eine Projektion. An sechs Wirbelsäulen aus der Sektion wurden 49 Zwischenräume 274-mal vermessen und mit Schnittbildern verglichen. Bei den Rücken, die als Kissing Spines eingestuft waren, erschienen die Zwischenräume im Röntgenbild klar schmaler als in der sagittalen Rekonstruktion. Die Projektion übertreibt also genau jene Enge, die den Befund ausmacht, und das unter Laborbedingungen: Am stehenden Pferd ist die Geometrie schlechter beherrschbar, nicht besser.

Auch die Haltung des Pferdes verschiebt das Ergebnis. Bei sieben Pferden mit bereits diagnostiziertem Kontakt wurde die Brustwirbelsäule von Hand in eine Beugung gebracht und in beiden Haltungen geröntgt. Der Abstand nahm auf jeder Ebene vom fünften bis zum achtzehnten Brustwirbel zu, im Median am stärksten mit 3,1 und 3,0 Millimetern, am wenigsten mit 0,7 Millimetern. Zur Erinnerung: Die Schwelle, ab der ein Raum als eng gilt, liegt bei vier Millimetern.

Eine zweite, unabhängige Arbeit weist in dieselbe Richtung: Bei sieben gesunden Pferden verbreiterte ein Zug am Bauch die Zwischenräume vom elften Brust- bis zum zweiten Lendenwirbel. Beide Untersuchungen umfassen sieben Pferde. Sie zeigen eine Richtung, keinen Korrekturfaktor.

Beobachtete Verschiebung der gemessenen Zwischenraumbreite, wenn sich an der Aufnahme etwas ändert und am Pferd nichts.
Geänderte BedingungWirkung auf die gemessene BreiteUntersuchte Tiere
Beugung der Brustwirbelsäule von HandZunahme auf allen Ebenen vom fünften bis achtzehnten Brustwirbel, im Median 0,7 bis 3,1 Millimeter7 Pferde mit diagnostiziertem Kontakt
Zug am Bauch mit breitem GurtVerbreiterung vom elften Brust- bis zum zweiten Lendenwirbel, mit einer einzigen Ausnahme; Betrag nicht beziffert7 gesunde, sedierte Pferde
Winkel des StrahlengangsVeränderte gemessene Breite, ohne gleichbleibendes Muster über die Abweichungen6 Wirbelsäulen aus der Sektion
Projektion statt SchnittbildIm Röntgen klar schmaler gemessen als in der sagittalen Rekonstruktion6 Wirbelsäulen, als Kissing Spines eingestuft

Wie einheitlich Fachleute dasselbe Bild lesen

Bilder werden von Menschen gelesen, und diese Menschen stimmen unterschiedlich gut überein. An 100 gesunden Pferden beurteilten drei erfahrene Personen die Röntgenbilder der Brust- und Lendenwirbelsäule unabhängig voneinander. Gut übereinstimmend waren einzelne Parameter: die Breite des Zwischenraums, isolierte Verdichtungen am oberen Rand, schnabelförmige Anbauten vorn oben und Umbau vorn unten. Nur mässig übereinstimmend war die Gesamtzahl der Auffälligkeiten pro Rücken, also genau jene Zusammenfassung, auf die sich am Ende eine Kaufentscheidung stützt.

Auch die Springpferde-Arbeit berichtet nur eine mässige bis gute Übereinstimmung zwischen vier Beurteilenden. Beide Zahlen stammen aus Studienbedingungen, mit erfahrenen Lesenden und standardisierten Bildern. Im Praxisalltag, zwischen Betrieben mit unterschiedlicher Ausrüstung und Ausbildung, ist eher weniger Übereinstimmung zu erwarten.

Was bedeutet das für eine Ankaufsuntersuchung?

Der Röntgenbefund liefert dort eine Beschreibung, keine Prognose. Er sagt, wie die Dornfortsätze an diesem Tag auf diesem Bild aussehen. Wie sicher zwei Fachleute dieselbe Gesamtnote vergeben, ist nur mässig belegt, und keine der hier ausgewerteten Arbeiten hat geprüft, ob dieser Befund den späteren Verlauf eines Kaufpferdes vorhersagt.

Was das Bild über den weiteren Verlauf vorhersagt

Der stärkste Einwand gegen eine grosse Rolle des Röntgenbildes stammt aus der Chirurgie selbst. In einer Serie von 71 Pferden mit durchtrenntem Band zwischen den Dornfortsätzen liess sich der Verlauf von 56 Tieren über im Median 35 Monate verfolgen. 51 dieser 56 kehrten auf irgendein Leistungsniveau zurück, gut neun von zehn; auf das frühere oder ein höheres Niveau kamen 27 von 51.

Entscheidend ist, was diese Arbeit nicht fand. Keine der geprüften Grössen beeinflusste die Rückkehr zur Leistung: weder die Anzahl betroffener Zwischenräume noch der Röntgengrad noch der Szintigrafiegrad. Die Untersuchung, mit der der Eingriff begründet wird, sagte sein Ergebnis nicht voraus. Das ist die einzige hier ausgewertete Arbeit, die Bildgrade ausdrücklich als Vorhersagegrössen geprüft hat, und 56 nachverfolgte Pferde sind wenig: Ein schwacher Zusammenhang könnte in dieser Grösse untergehen.

Eine zweite Serie mit 102 am stehenden Pferd operierten Tieren zeigt, was stattdessen zählte. Von 66 Pferden mit Langzeitverlauf kehrten 53 ohne verbleibende klinische Zeichen in die vorgesehene Arbeit zurück. Der Unterschied lag nicht in der Schwere des Rückenbefundes, sondern darin, ob vor dem Eingriff ein anderes orthopädisches Problem bestand: ohne ein solches kehrten 28 von 30 Pferden zurück, mit einem solchen 25 von 36. 36 der 102 fehlen im Langzeitverlauf, was die Zahlen freundlicher wirken lassen kann, als sie sind.

Am nächsten an eine belastbare Wirksamkeitsprüfung kommt eine Auswertung von Rennleistungen. 159 operierte Vollblut-Rennpferde wurden mit Kontrollpferden verglichen, die nach Alter, Geschlecht, Renntyp, Trainer und Zeitraum zugeordnet waren, und über mindestens zwölf Monate verfolgt. Die operierten Pferde verbesserten sich stärker als ihre Vergleichspferde. Gemessen wurde die Rennleistung, nicht der Schmerz, und die Zuteilung erfolgte klinisch statt zufällig. Acht Pferde entwickelten nach dem Eingriff eine einseitige Rückbildung der Rückenmuskulatur mit Nervenbeteiligung.

Dieselbe Frage beim Menschen

Wie viel ein Bildbefund über Schmerz aussagt, ist in der Humanmedizin seit Jahrzehnten untersucht, und zwar mit Studienformen, die in der Pferdemedizin fehlen. Eine systematische Übersicht von 33 Arbeiten mit 3'110 beschwerdefreien Personen fand Zeichen der Bandscheibendegeneration bei 37 Prozent der Zwanzigjährigen und bei 96 Prozent der Achtzigjährigen. Vorwölbungen stiegen über dieselbe Altersspanne von 30 auf 84 Prozent. Vieles davon, so der Schluss, gehört zum normalen Altern.

Daraus folgt nicht, dass Bilder nichts bedeuten. Eine Metaanalyse derselben Arbeitsgruppe an 3'097 Personen bis 50 Jahre trennte Zeichen für Zeichen: Vorwölbung, Extrusion, bestimmte Signalveränderungen und Degeneration waren bei Menschen mit Kreuzschmerz deutlich häufiger als bei beschwerdefreien Vergleichspersonen. Kanalenge, Ringrisse und Wirbelgleiten waren es nicht. Die Literatur sagt also nicht, das Bild sei leer, sondern dass die Zeichen einzeln geprüft werden müssen.

Zwei weitere Arbeiten betreffen den Nutzen des Bildes selbst. Eine Metaanalyse von sechs randomisierten Studien mit 1'804 Patientinnen und Patienten fand, dass sofortige Bildgebung bei Kreuzschmerz ohne Warnzeichen weder Schmerz noch Funktion verbesserte. Eine systematische Übersicht von zwölf Verlaufsstudien fand keinen einheitlichen Zusammenhang zwischen Bildbefunden und späterem Kreuzschmerz; der Vorhersagewert ist damit ungeklärt, nicht widerlegt.

Besonders ernüchternd ist ein grosser randomisierter Versuch aus der Versorgungsforschung. In vier amerikanischen Gesundheitssystemen wurde in die Befundberichte hineingeschrieben, wie häufig der jeweilige Befund bei beschwerdefreien Menschen vorkommt; ausgewertet wurden Daten von über 238'000 Erwachsenen. An der Inanspruchnahme von Leistungen änderte das nichts Messbares. Selbst wer die Banalität eines Befundes mitliefert, verschiebt die Entscheidung also kaum.

Das menschliche Gegenstück zum Kontakt der Dornfortsätze trägt sogar einen eigenen Namen: Morbus Baastrup. Eine systematische Übersicht von 2022 mit 35 Arbeiten und 1'308 Patientinnen und Patienten beschreibt es als häufige und unterdiagnostizierte Ursache von Kreuzschmerz, deren Erkennung Bildgebung einschliesslich Funktionsaufnahmen in Beugung und Streckung verlangt. Zugleich hält sie fest, dass die angewandten Behandlungen ohne belastbare Grundlage bleiben und randomisierte Studien fehlen. Zu diesem einen Zeichen ist die Humanmedizin also nicht weiter als die Pferdemedizin.

Was sich aus dem Röntgenbild sagen lässt und was nicht

Zusammengenommen ergibt sich ein Bild, das weder beruhigend noch beunruhigend ist, sondern unscharf. Berührende Dornfortsätze kommen bei Pferden ohne Beschwerden häufig vor, sie sind bei nie gerittenen Jungtieren bereits angelegt, und die gemessene Enge hängt davon ab, wie das Bild entstanden ist. Gleichzeitig geht ein höherer Befundgrad in der grössten Untersuchung mit Rückenschmerz einher.

  • Belegt ist: Auffälligkeiten an den Dornfortsätzen sind bei Pferden ohne wahrgenommene Rückenschmerzen die Regel und nicht die Ausnahme.
  • Belegt ist auch: Höhere Befundgrade gehen bei vorgestellten Pferden mit thorakolumbalem Schmerz einher, besonders zusammen mit Veränderungen der kleinen Wirbelgelenke.
  • Nicht belegt ist, dass sich aus dem Grad eines Röntgenbefundes ableiten lässt, ob dieses eine Pferd Schmerzen hat.
  • Nicht belegt ist, dass sich aus dem Befund der Verlauf nach einem Eingriff vorhersagen lässt: In der einzigen Serie, die es geprüft hat, tat er es nicht.
  • Nicht untersucht ist, wie häufig berührende Dornfortsätze in einer unausgewählten Pferdepopulation vorkommen. Kursierende Prozentangaben dazu liessen sich in der Fachliteratur nicht belegen und werden hier deshalb nicht wiedergegeben.

Was praktisch bleibt, ist die Reihenfolge der Fragen. Ein Bild beantwortet, wie der Knochen aussieht. Ob ein Pferd Schmerzen hat und wo sie sitzen, beantworten die klinische Untersuchung, die Beobachtung in der Bewegung und die diagnostische Anästhesie. Wer mit einem Befund konfrontiert ist, gewinnt am meisten, wenn er fragt, welche dieser Schritte tatsächlich durchgeführt wurden und was sich verändert hat, seit das Pferd zuletzt unauffällig lief.

Was jede Untersuchung dieses Dossiers beiträgt und welcher Schluss aus ihrem Aufbau gerade nicht folgt

Eigene Auswertung

Population, Messgrösse und zentrales Zahlenergebnis wurden für jede hier verwendete Arbeit aus der Originalpublikation übernommen; die letzte Spalte nennt den Schluss, den der jeweilige Studienaufbau nicht trägt, und wurde für diese Übersicht eigens abgeleitet.
Untersuchte GruppeGemessen wurdeZentrales ErgebnisStudienaufbauWas daraus nicht folgt
33 Reitpferde ohne RückenzeichenRöntgen und Szintigrafie der Dornfortsätze7 völlig unauffällig, 11 überall mit normalem AbstandQuerschnitt ohne symptomatische VergleichsgruppeDass Auffälligkeiten bei erkrankten Pferden harmlos sind: die Vergleichsgruppe fehlte
47 nie angerittene Jährlinge gegen 55 trainierte VollblüterRöntgen vom siebten Brust- bis dritten LendenwirbelKein Unterschied in Häufigkeit, Anzahl und PunktwertQuerschnitt, eine einzige RasseDass Training nichts beiträgt: gleiche Werte in zwei Gruppen belegen keine Ursache
100 Springpferde im TurniereinsatzRöntgen, vier unabhängig BeurteilendeKein Pferd ohne Auffälligkeit; Karriereniveau schwach positiv mit Verengung verbundenQuerschnitt an Pferden, die im Sport bestanden habenDass Verengung der Leistung nützt: gescheiterte Pferde fehlen in der Stichprobe
102 Traber mit und 16 ohne RückenschmerzzeichenRöntgen vom vierzehnten Brust- bis dritten LendenwirbelVeränderungen bei 10 von 16 beschwerdefreien und 98 von 102 symptomatischen PferdenFall-Kontroll-Studie mit sehr kleiner VergleichsgruppeDass der blosse Kontakt Schmerz anzeigt: dafür unterschied sich die Zahl betroffener Pferde nicht
582 Pferde einer ÜberweisungsklinikRöntgen, Szintigrafie, diagnostische AnästhesieRöntgengrad bedeutsam mit thorakolumbalem Schmerz verbundenQuerschnitt an wegen Beschwerden vorselektierten FällenEine Häufigkeitsangabe für die allgemeine Pferdepopulation
6 Wirbelsäulen aus der Sektion, 274 MessungenRöntgen gegen Schnittbild, verschiedene StrahlengängeRäume im Röntgen klar schmaler gemessen als im SchnittbildLaborversuch unter kontrollierten BedingungenDass die Abweichung am stehenden Pferd gleich gross ausfällt: dort ist die Geometrie schlechter beherrschbar
7 Pferde mit diagnostiziertem Kontakt, zwei HaltungenZwischenraumbreite in Neutral- und BeugehaltungZunahme auf allen Ebenen, im Median bis 3,1 MillimeterFallserie, jedes Pferd als eigener VergleichDass die Beugung Schmerz oder Verlauf verändert: gemessen wurde eine Distanz
100 gesunde Pferde, drei BeurteilendeÜbereinstimmung beim GraduierenGut für Einzelparameter, nur mässig für die Summe pro RückenQuerschnitt unter StudienbedingungenDass die Übereinstimmung im Praxisalltag ebenso hoch ist
56 nachverfolgte operierte PferdeRückkehr zur Leistung nach BanddurchtrennungGut neun von zehn zu irgendeinem Niveau, gut die Hälfte zum früheren; kein Bildparameter sagte das vorausRetrospektive Fallserie ohne unoperierte VergleichsgruppeDass der Eingriff die Ursache der Besserung ist
3'110 Menschen ohne RückenschmerzKernspin- und Schnittbilder der WirbelsäuleBandscheibendegeneration bei 37 Prozent der Zwanzig- und 96 Prozent der AchtzigjährigenSystematische Übersicht von 33 ArbeitenEine Aussage über Dornfortsätze beim Pferd: andere Art, andere Struktur, anderes Verfahren

Grenzen und Unsicherheiten

  • Zu keiner der hier behandelten Fragen liegt eine randomisierte Studie am Pferd vor. Die redaktionelle Vorgabe, mindestens die Hälfte der Quellen auf der Ebene systematische Übersicht, Metaanalyse oder randomisierter Versuch abzustützen, ist in diesem Feld nicht erfüllbar: Alle sechs Arbeiten dieser Ebene stammen aus der Humanmedizin, die equine Literatur besteht aus Querschnitts-, Fall-Kontroll- und Fallserien.
  • Eine Untersuchung zur Häufigkeit berührender Dornfortsätze in einer unausgewählten Pferdepopulation existiert nicht. Alle Häufigkeitsangaben stammen aus ausgewählten Gruppen: Reitpferden einer Klinik, Springpferden im Turniereinsatz, Vollblütern eines Betriebs, Trabern einer Disziplin.
  • Der Status ohne Rückenschmerz beruht in allen equinen Arbeiten auf klinischer Einschätzung, teils der betreuenden Personen, und nicht auf einer diagnostischen Anästhesie. Ein Teil der als beschwerdefrei geführten Pferde könnte Schmerzen gehabt haben.
  • Die beiden Arbeiten zur Haltungsabhängigkeit umfassen je sieben Pferde, jene zur Projektion sechs Wirbelsäulen aus der Sektion. Sie zeigen eine Richtung, liefern aber keinen Korrekturwert für ein einzelnes Bild.
  • Die chirurgischen Serien sind retrospektiv und ohne unoperierte Vergleichsgruppe, und in beiden fehlt ein Teil der Pferde im Langzeitverlauf. Aus ihnen folgt weder ein Wirksamkeitsnachweis noch ein Vergleich zwischen Verfahren.
  • Die menschlichen Arbeiten betreffen überwiegend Bandscheiben in der Kernspintomografie. Sie stützen die Denkweise über Bildbefunde, nicht die Übertragung einzelner Zahlen auf das Pferd.

Offene Fragen

  • Wie häufig sind enge oder berührende Dornfortsätze in einer unausgewählten Pferdepopulation, unabhängig von Vorstellungsgrund, Rasse und Disziplin?
  • Entstehen die Veränderungen überwiegend während des Wachstums, wie der Vergleich von Jährlingen und trainierten Pferden nahelegt, oder verändert Arbeit sie über Jahre doch messbar?
  • Lässt sich eine standardisierte Aufnahmehaltung festlegen, die die Messung des Zwischenraums zwischen Praxen und über die Zeit vergleichbar macht?
  • Gibt es ein Merkmal im Bild oder in der Untersuchung, das den Verlauf nach einer Behandlung vorhersagt, nachdem die bisher geprüften Bildgrade es nicht taten?

Häufige Fragen

Mein Pferd hat Kissing Spines im Röntgenbild, zeigt aber keine Beschwerden. Ist das schlimm?

Der Befund allein sagt darüber wenig. In einer Untersuchung an 33 Reitpferden ohne Rückenzeichen waren nur sieben in Röntgen und Szintigrafie völlig unauffällig, und unter 100 Springpferden im Turniereinsatz hatte kein einziges einen unauffälligen Rücken. Auffälligkeiten sind bei beschwerdefreien Pferden also die Regel. Gleichzeitig ging in der grössten Arbeit an 582 vorgestellten Pferden ein höherer Grad mit Rückenschmerz einher. Beides gilt nebeneinander, und der scheinbare Widerspruch löst sich nicht am Bild auf, sondern in der klinischen Untersuchung des einzelnen Pferdes.

Kann man ein Pferd mit Kissing Spines noch reiten?

Darüber entscheidet kein Röntgenbild und keine Studie, sondern die tierärztliche Untersuchung des konkreten Pferdes. Was die Literatur beisteuert, ist der Hintergrund: 100 Springpferde im aktiven Turniereinsatz hatten ausnahmslos Auffälligkeiten an den Dornfortsätzen, und das höchste erreichte Karriereniveau war schwach positiv mit der Verengung verbunden. Diese Pferde arbeiteten mit dem Befund. Ein Vorteil lässt sich daraus nicht ablesen, denn im Sport gescheiterte Pferde fehlen in solchen Stichproben. Eine Erlaubnis oder ein Verbot ist aus dem Bild nicht abzuleiten.

Soll ich ein Pferd mit diesem Befund kaufen?

Dazu gibt es keine belastbare Studienlage, und dieser Beitrag gibt keine Kaufempfehlung. Bekannt ist, dass an 100 gesunden Pferden drei erfahrene Beurteilende bei einzelnen Parametern gut übereinstimmten, bei der Gesamtzahl der Auffälligkeiten pro Rücken jedoch nur mässig. Genau diese Gesamtnote trägt aber eine Entscheidung. Bekannt ist ausserdem, dass keine der hier ausgewerteten Arbeiten geprüft hat, ob der Befund den späteren Verlauf eines Kaufpferdes vorhersagt. Wer ihn gewichtet, gewichtet eine Beschreibung des Knochens, keine Prognose.

Warum sagt eine Tierärztin eng und die nächste nicht?

Weil das Ablesen weniger eindeutig ist, als das Wort Befund vermuten lässt. Die Breite eines Zwischenraums wird zwischen erfahrenen Lesenden gut gleich beurteilt, die Gesamtbewertung eines Rückens dagegen nur mässig. Dazu kommt die Aufnahme selbst: Der Winkel des Strahlengangs verändert die gemessene Breite, das Röntgen misst enger als ein Schnittbild, und eine von Hand herbeigeführte Beugung vergrösserte den Abstand bei sieben Pferden um bis zu gut drei Millimeter, bei einer Schwelle von vier Millimetern. Zwei Bilder desselben Pferdes sind deshalb nicht ohne Weiteres vergleichbar.

Kommt das vom Reiten oder vom falschen Sattel?

Dafür fehlt der Beleg, und ein Hinweis spricht dagegen. Eine Untersuchung verglich 47 nie angerittene Jährlinge mit 55 trainierten Vollblütern ohne wahrgenommene Rückenschmerzen und fand keinen Unterschied in Häufigkeit, Anzahl und Punktwert der Befunde. Bereits bei den Jährlingen war rund ein Drittel der Zwischenräume verengt oder in Kontakt. Die Autorinnen und Autoren lesen das als Hinweis auf eine entwicklungsbedingte Entstehung. Bewiesen ist das nicht: Gleiche Werte in zwei Gruppen schliessen einen Einfluss der Arbeit nicht sicher aus. Zur Rolle des Sattels sagt diese Untersuchung nichts.

Gibt es Kissing Spines auch beim Menschen?

Ja, unter dem Namen Morbus Baastrup, und die Datenlage ist dort nicht besser. Eine systematische Übersicht von 2022 mit 35 Arbeiten und 1'308 Patientinnen und Patienten beschreibt das Aneinanderstossen der Dornfortsätze als häufige und unterdiagnostizierte Ursache von Kreuzschmerz. Zugleich hält sie fest, dass die angebotenen Behandlungen ohne belastbare Grundlage bleiben und randomisierte Studien fehlen. Das Durchschnittsalter lag bei 59,6 Jahren, wofür es beim Sportpferd keine Entsprechung gibt. Übertragbar ist der Denkansatz, nicht die Zahl.

Quellen

  1. Pilati N, Pressanto MC, Palumbo Piccionello A, De Angelis Corvi F. Impinging and Overriding Spinous Processes in Horses: A Narrative Review. Animals (Basel), 2025 (Andere | Pferd)DOI 10.3390/ani15182679
    Erzählende Übersicht: Sie hält fest, dass die tatsächliche Häufigkeit von Schmerz durch berührende Dornfortsätze spekulativ bleibt, dass sich keine Übereinstimmung zwischen Bildbefund und klinischen Zeichen zeigen liess und dass die Entstehung trotz jahrzehntelang angebotener Behandlungen schlecht verstanden ist.
  2. Erichsen C, Eksell P, Holm KR, Lord P. Relationship between scintigraphic and radiographic evaluations of spinous processes in the thoracolumbar spine in riding horses without clinical signs of back problems. Equine Veterinary Journal, 2004 (Querschnittstudie | Pferd)DOI 10.2746/0425164044877341
    Von 33 Reitpferden ohne klinische Rückenzeichen waren nur 7 in Röntgen und Szintigrafie unauffällig und 11 hatten überall einen Abstand über vier Millimetern; die Bandbreite bei beschwerdefreien Pferden ist laut den Autoren so gross, dass Befunde in diesem Bereich bei erkrankten Pferden nicht als klinisch bedeutsam gelten können.
  3. Pressanto MC, Pepe M, Coomer RPC, Pilati N. Radiographic abnormalities of the thoracolumbar spinous processes do not differ between yearling and trained Thoroughbred horses without perceived back pain. Journal of the American Veterinary Medical Association, 2023 (Querschnittstudie | Pferd)DOI 10.2460/javma.22.09.0419
    Zwischen 47 nie angerittenen Jährlingen und 55 trainierten Vollblütern ohne wahrgenommenen Rückenschmerz unterschieden sich Häufigkeit, Anzahl und Punktwert der Befunde nicht, wobei bereits bei den Jährlingen rund ein Drittel der Zwischenräume verengt oder in Kontakt war: die Autoren deuten dies als Hinweis auf eine entwicklungsbedingte Entstehung.
  4. Kerbert MP, le Jeune SS, Philips KL, Shaw KL. Mild radiographic abnormalities of thoracolumbar spinous processes are not associated with decreased performance in 100 Warmblood jumping horses in active competition. Journal of Equine Veterinary Science, 2025 (Querschnittstudie | Pferd)DOI 10.1016/j.jevs.2025.105366
    Bei 100 Springpferden im Turniereinsatz war kein einziger Rücken röntgenologisch unauffällig, und das höchste erreichte Karriereniveau war schwach positiv mit Verengung und Sklerose verbunden: ein Ergebnis, das die Autoren als Zeichen dafür lesen, dass milde Befunde die Leistung nicht zwingend beeinträchtigen.
  5. Looijen MGP, Hanousek K, Maree JTM, Visser MC. Inter- and intra-observer agreement for grading radiographs of thoracolumbar spinous processes in healthy horses during a pre-purchase examination. The Veterinary Record, 2022 (Querschnittstudie | Pferd)DOI 10.1002/vetr.1065
    Drei Beurteilende stimmten bei einzelnen Parametern wie der Breite des Zwischenraums gut überein, bei der Gesamtzahl der Auffälligkeiten pro Rücken jedoch nur mässig, weshalb die Autoren fordern, künftig nur zuverlässig lesbare Parameter für die Gradeinteilung zu verwenden.
  6. Cousty M, Retureau C, Tricaud C, Geffroy O. Location of radiological lesions of the thoracolumbar column in French trotters with and without signs of back pain. The Veterinary Record, 2010 (Fall-Kontroll-Studie | Pferd)DOI 10.1136/vr.c70
    Bei 102 Trabern mit und 16 ohne Rückenschmerzzeichen waren die Läsionen der beschwerdefreien Pferde weniger schwer und begrenzter, doch für den blossen Kontakt der Dornfortsätze unterschied sich die Zahl betroffener Pferde zwischen den Gruppen nicht bedeutsam.
  7. Zimmerman M, Dyson S, Murray R. Close, impinging and overriding spinous processes in the thoracolumbar spine: the relationship between radiological and scintigraphic findings and clinical signs. Equine Veterinary Journal, 2012 (Querschnittstudie | Pferd)DOI 10.1111/j.2042-3306.2011.00373.x
    An 582 wegen Rückenschmerz oder Leistungsabfall vorgestellten Pferden bestand ein bedeutsamer Zusammenhang zwischen Röntgengrad und thorakolumbalem Schmerz, doch Lahmheit der Gliedmassen und Schmerz im Kreuz-Darmbein-Gelenk können einen primären Rückenschmerz nachahmen, weshalb die diagnostische Anästhesie unverzichtbar bleibt.
  8. van Zadelhoff C, Ehrle A, Merle R, Jahn W. Thoracic processi spinosi findings agree among subjective, semiquantitative, and modified semiquantitative scintigraphic image evaluation methods and partially agree with clinical findings in horses with and without thoracolumbar pain. Veterinary Radiology & Ultrasound, 2019 (Querschnittstudie | Pferd)DOI 10.1111/vru.12695
    An 223 Warmblütern lagen die Gesamtgrade in Röntgen und Szintigrafie bei Pferden mit thorakolumbalem Schmerz höher, während sich die semiquantitativen Anreicherungsverhältnisse nicht unterschieden und die Übereinstimmung zwischen szintigrafischen Verfahren und Röntgenbefund nur gering ausfiel.
  9. Djernaes JD, Nielsen JV, Berg LC. Effects of X-ray beam angle and geometric distortion on width of equine thoracolumbar interspinous spaces using radiography and computed tomography-a cadaveric study. Veterinary Radiology & Ultrasound, 2017 (Laborstudie | Pferd)DOI 10.1111/vru.12466
    An sechs Wirbelsäulen aus der Sektion veränderten Strahlengang und geometrische Verzerrung die gemessene Breite der Zwischenräume, und bei als Kissing Spines eingestuften Rücken wurde im Röntgen deutlich schmaler gemessen als in der sagittalen Schnittbildrekonstruktion.
  10. O'Sullivan S, McGowan CM, Junnila J, Hyytiäinen HK. The effect of manually facilitated flexion of the thoracic spine on the interspinous space among horses with impinging dorsal spinous processes of the thoracic vertebrae. The Veterinary Journal, 2022 (Fallserie | Pferd)DOI 10.1016/j.tvjl.2022.105909
    Bei sieben Pferden mit diagnostiziertem Kontakt vergrösserte eine von Hand herbeigeführte Beugung den Zwischenraum auf allen Ebenen vom fünften bis achtzehnten Brustwirbel, im Median um 0,7 bis 3,1 Millimeter, was laut den Autoren den zugeteilten Grad und die daraus folgende Entscheidung verändern kann.
  11. Pigé C, Masseau I, Bonilla AG. Influence of abdominal elevation on radiographic measurements of the thoracolumbar interspinous spaces in asymptomatic horses. The Canadian Veterinary Journal, 2020 (Andere | Pferd)PMID 33012827
    Bei sieben beschwerdefreien Pferden verbreiterte ein Zug am Bauch die Zwischenräume vom elften Brust- bis zum zweiten Lendenwirbel mit einer einzigen Ausnahme; die Arbeit war als chirurgische Hilfestellung gedacht und belegt unabhängig, dass die Haltung im Moment der Aufnahme die Messung mitbestimmt.
  12. Prisk AJ, García-López JM. Long-term prognosis for return to athletic function after interspinous ligament desmotomy for treatment of impinging and overriding dorsal spinous processes in horses: 71 cases (2012-2017). Veterinary Surgery, 2019 (Fallserie | Pferd)DOI 10.1111/vsu.13298
    Von 56 nachverfolgten operierten Pferden kehrten 51 auf irgendein Leistungsniveau und 27 von 51 auf das frühere oder ein höheres zurück, wobei weder die Zahl betroffener Zwischenräume noch der Röntgen- oder Szintigrafiegrad die Rückkehr beeinflusste.
  13. de Souza TC, Crowe OM, Bowles D, Poore LA. Minimally invasive cranial ostectomy for the treatment of impinging dorsal spinous processes in 102 standing horses. Veterinary Surgery, 2022 (Fallserie | Pferd)DOI 10.1111/vsu.13736
    Von 66 langfristig nachverfolgten Pferden kehrten 53 ohne verbleibende klinische Zeichen in die vorgesehene Arbeit zurück, wobei der Unterschied nicht in der Schwere des Rückenbefundes lag, sondern darin, ob vor dem Eingriff ein anderes orthopädisches Problem bestand (28 von 30 gegenüber 25 von 36).
  14. Derham AM, O'Leary JM, Connolly SE, Schumacher J. Performance comparison of 159 Thoroughbred racehorses and matched cohorts before and after desmotomy of the interspinous ligament. The Veterinary Journal, 2019 (Kohortenstudie | Pferd)DOI 10.1016/j.tvjl.2019.05.004
    159 operierte Vollblut-Rennpferde verbesserten sich gegenüber nach Alter, Geschlecht, Renntyp, Trainer und Zeitraum zugeordneten Vergleichspferden bedeutsam stärker, wobei acht Pferde eine einseitige Rückbildung der Rückenmuskulatur mit Nervenbeteiligung entwickelten und die Zuteilung klinisch statt zufällig erfolgte.
  15. Brinjikji W, Luetmer PH, Comstock B, Bresnahan BW. Systematic literature review of imaging features of spinal degeneration in asymptomatic populations. AJNR American Journal of Neuroradiology, 2015 (Systematische Übersichtsarbeit | Mensch)DOI 10.3174/ajnr.A4173
    In 33 Arbeiten mit 3'110 beschwerdefreien Personen stieg die Bandscheibendegeneration von 37 Prozent bei Zwanzigjährigen auf 96 Prozent bei Achtzigjährigen, weshalb die Autoren viele dieser Zeichen dem normalen Altern zurechnen und eine Auslegung nur im klinischen Zusammenhang fordern.
  16. Brinjikji W, Diehn FE, Jarvik JG, Carr CM. MRI Findings of Disc Degeneration are More Prevalent in Adults with Low Back Pain than in Asymptomatic Controls: A Systematic Review and Meta-Analysis. AJNR American Journal of Neuroradiology, 2015 (Meta-Analyse | Mensch)DOI 10.3174/ajnr.A4498
    In 14 Studien mit 3'097 Personen bis 50 Jahre waren Vorwölbung, Extrusion, Degeneration und bestimmte Signalveränderungen bei Menschen mit Kreuzschmerz häufiger, Kanalenge, Ringrisse und Wirbelgleiten dagegen nicht: Bildbefunde müssen einzeln geprüft werden.
  17. Chou R, Fu R, Carrino JA, Deyo RA. Imaging strategies for low-back pain: systematic review and meta-analysis. The Lancet, 2009 (Meta-Analyse | Mensch)DOI 10.1016/S0140-6736(09)60172-0
    In sechs randomisierten Studien mit 1'804 Patientinnen und Patienten verbesserte sofortige Bildgebung bei Kreuzschmerz ohne Warnzeichen weder Schmerz noch Funktion, weder kurzfristig noch nach sechs bis zwölf Monaten.
  18. Steffens D, Hancock MJ, Maher CG, Williams C. Does magnetic resonance imaging predict future low back pain? A systematic review. European Journal of Pain, 2014 (Systematische Übersichtsarbeit | Mensch)DOI 10.1002/j.1532-2149.2013.00427.x
    In zwölf Verlaufsstudien fand sich kein einheitlicher Zusammenhang zwischen Kernspinbefunden und späterem Kreuzschmerz, doch Uneinheitlichkeit und geringe Qualität verhinderten jede Zusammenfassung: der Vorhersagewert ist ungeklärt, nicht widerlegt.
  19. Jarvik JG, Meier EN, James KT, Gold LS. The Effect of Including Benchmark Prevalence Data of Common Imaging Findings in Spine Image Reports on Health Care Utilization Among Adults Undergoing Spine Imaging: A Stepped-Wedge Randomized Clinical Trial. JAMA Network Open, 2020 (Randomisierte Studie | Mensch)DOI 10.1001/jamanetworkopen.2020.15713
    Bei über 238'000 ausgewerteten Erwachsenen änderte die Angabe der Häufigkeit eines Befundes bei Beschwerdefreien im Befundbericht die Inanspruchnahme von Leistungen nicht messbar, verringerte aber leicht die Verordnung von Opioiden.
  20. Meluzio MC, Smakaj A, Perna A, Velluto C. Epidemiology, diagnosis and management of Baastrup's disease: a systematic review. Journal of Neurosurgical Sciences, 2022 (Systematische Übersichtsarbeit | Mensch)DOI 10.23736/S0390-5616.21.05428-X
    35 Arbeiten mit 1'308 Patientinnen und Patienten beschreiben das menschliche Gegenstück, den Morbus Baastrup, als häufige und unterdiagnostizierte Ursache von Kreuzschmerz, halten aber zugleich fest, dass die angewandten konservativen und chirurgischen Behandlungen ohne belastbare Grundlage bleiben und randomisierte Studien fehlen.

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