Glossar
Systematische Übersichtsarbeit.
Kurzantwort
Eine systematische Übersichtsarbeit beantwortet eine eng gefasste Frage, indem sie nach einem vorab festgelegten Plan sämtliche auffindbaren Studien sucht, nach klaren Kriterien auswählt und ihre Qualität bewertet. Der Ablauf wird offengelegt, damit andere ihn wiederholen können. Sie unterscheidet sich dadurch von einem Überblicksartikel, der Literatur nach Gutdünken zitiert.
Der Wert einer solchen Übersicht hängt vollständig von der Suche ab: Wurde nur eine Datenbank durchsucht, fehlen Arbeiten aus anderen Sprachen und Fachtraditionen. Zwei unabhängige Personen sollten Titel sichten und Daten entnehmen. Eine Übersicht kann zudem nur so gut sein wie die eingeschlossenen Studien: Aus schwachen Einzelstudien wird durch Zusammenfassen keine starke Antwort.
In der Pferdeforschung endet eine systematische Übersichtsarbeit oft mit dem Befund, dass zu wenige vergleichbare Studien existieren. Diese leere Antwort ist selbst ein Ergebnis: Sie zeigt, wo Wissen fehlt, statt eine Empfehlung vorzutäuschen. In der Humanmedizin ist die Lage umgekehrt, dort erschwert eher die Menge an Publikationen die Auswahl.
Verwandte Inhalte
- ACTH-Wert beim Pferd im Herbst: was ein saisonaler Referenzbereich wirklich aussagt
- Druse beim Pferd: was über stille Ausscheider und die Dauer der Ausscheidung bekannt ist
- Fruktan im Gras, Insulin im Pferd: was die Hufrehe-Forschung gemessen hat
- Heu einweichen: warum keine Einweichdauer ein Zuckerergebnis garantiert
- Kissing Spines im Röntgenbild: was ein Befund über Schmerzen aussagt und was er nicht vorhersagt
- Kotprobe ohne Befund: was eine negative Wurmprobe nicht ausschliesst
- Mondblindheit beim Pferd: Leptospiren, Gene oder Immunsystem?
- Röntgenklassen in der Ankaufsuntersuchung: woher die Prozentzahlen stammen
Der Evidenzbrief
Einmal im Monat: neue Synthesen, geprüfte Studien und was sich an der Beweislage geändert hat.