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Zusammenfassung
Das bekannte Fruktanmodell der Hufrehe beruht auf Einzelgaben von 7,5 bis 12,5 Gramm Oligofruktose pro Kilogramm Körpergewicht über die Nasenschlundsonde. Auf die Weide übersetzt entspräche die niedrigste dieser Dosen für ein Pferd von 500 Kilogramm rund zwölf Kilogramm Trockenmasse des fruktanreichsten je gemessenen Grases, auf einmal. Parallel dazu löste erhöhtes Insulin allein bei gesunden Pferden im Versuch eine Hufrehe aus. Die Forschung hat den Schwerpunkt entsprechend verschoben.
20Primärquellen
50 %davon Stufe 1 bis 2
3untersuchte Arten
2004–2024Publikationsjahre
Das Wesentliche
Das verbreitete Fruktanmodell beruht auf Einzelgaben von 7,5 bis 12,5 Gramm Oligofruktose pro Kilogramm Körpergewicht über die Nasenschlundsonde, nicht auf einer Beobachtung weidender Pferde.
Für ein Pferd von 500 Kilogramm entspräche die niedrigste dieser Dosen rund 12,5 Kilogramm Trockenmasse des fruktanreichsten je gemessenen Grases, auf einmal aufgenommen: etwa so viel, wie Ponys mit freiem Weidezugang an einem ganzen Tag fressen.
In zwei kleinen randomisierten Versuchen entwickelten alle mit Insulin behandelten Tiere innerhalb von 48 bis 72 Stunden eine Hufrehe, bei normal gehaltenem Blutzucker und ohne jedes Verdauungszeichen.
In einer finnischen Klinikserie wiesen 89 Prozent der wegen Hufrehe vorgestellten Pferde Hinweise auf eine Hormonstörung auf; in einer Kohorte von 446 Ponys waren Insulin und Adiponektin bereits vor dem ersten Anfall auffällig.
Der Zuckergehalt im Gras schwankt so stark, dass keine einfache Tageszeitregel trägt: Die gemessene Spanne des Anstiegs vom Morgen zum Abend reicht von minus 20 bis plus 74 Gramm pro Kilogramm Trockenmasse.
Das Fruktanmodell: was im Versuch tatsächlich verabreicht wurde
Die Vorstellung, Fruktan im Gras löse Hufrehe aus, stammt nicht aus Weidebeobachtungen, sondern aus dem Labor. 2006 erhielten zwölf Pferde Oligofruktose, eine industriell hergestellte Fruktanform, als Einzelgabe über die Nasenschlundsonde; sechs Vergleichstiere bekamen eine Scheinbehandlung. Alle zwölf behandelten Pferde entwickelten innerhalb von 48 Stunden eine klinisch und feingeweblich nachweisbare Hufrehe, keines der Vergleichstiere. Der Schlusssatz jener Arbeit stellte ausdrücklich eine Verbindung zwischen Fällen aus der Praxis und dem Fruktangehalt von Weiden her. Gemessen worden war an keiner Weide etwas: Die Studie hatte kein einziges Pferd beim Grasen beobachtet.
Zwei Jahre zuvor war dieselbe Frage über eine Dosisreihe geprüft worden. Drei Paare gesunder Pferde erhielten 7,5, 10 und 12,5 Gramm Oligofruktose pro Kilogramm Körpergewicht, ebenfalls als Einzelgabe über die Sonde. Alle entwickelten nach 48 Stunden eine Hufrehe, und mit steigender Dosis verloren die Zellen der Hufblättchen zunehmend ihre Haftstrukturen. Das ist die belegbare Herkunft der Zahl 7,5 Gramm pro Kilogramm, die auf Herstellerseiten seit Jahren ohne Autor, ohne Jahr und ohne Quellenangabe als Weiderisiko zirkuliert.
Ist 7,5 Gramm pro Kilogramm ein Grenzwert für die Weide?
Nein. Es ist die niedrigste Dosis, die in jener Dosisreihe geprüft wurde, verabreicht als Einzelgabe über eine Sonde. Ein niedrigerer Wert wurde nie getestet, eine Mindestdosis ist damit unbekannt. Der Wert beschreibt, womit sich Hufrehe im Versuch zuverlässig auslösen liess, nicht, ab wann eine Weide gefährlich wird.
Wie wenig robust das Modell an seiner unteren Grenze ist, zeigte ein randomisierter Versuch von 2009. Dort erhielten je acht Pferde Endotoxin, Oligofruktose oder beides nacheinander. Mit fünf Gramm Oligofruktose pro Kilogramm allein wurden nur zwei von acht Pferden rehekrank, mit der Kombination fünf von acht, mit Endotoxin allein keines. Unterhalb der hohen Dosen löst das Modell also nicht mehr verlässlich aus, was es auslösen soll.
Die Induktionsdosis, in Kilogramm Gras übersetzt
Diese Dosen lassen sich in Futter umrechnen, sobald man einen gemessenen Fruktangehalt danebenlegt. Eine britische Methodenarbeit bestimmte den Fruktangehalt von vier Weidegrasarten zwischen April und November mit Hochleistungsflüssigkeitschromatographie. Die Werte lagen zwischen 83 und 299 Gramm pro Kilogramm Trockenmasse, im Mittel bei 154.
Für ein Pferd von 500 Kilogramm bedeutet die niedrigste Induktionsdosis 3,75 Kilogramm reines Fruktan auf einmal. Beim höchsten je gemessenen Gehalt entspricht das rund 12,5 Kilogramm Trockenmasse, beim mittleren Gehalt rund 24 Kilogramm. Zum Vergleich: In einem Weideversuch nahmen Ponys mit sofortigem Zugang zur ganzen Fläche im Mittel 2,33 Prozent ihres Körpergewichts an Trockenmasse pro Tag auf, für 500 Kilogramm also knapp zwölf Kilogramm. Die Rechnung geht über alle Körpergewichte hinweg gleich aus: Beim mittleren Gehalt läge die Einzelgabe bei etwa dem Doppelten dessen, was ein Tier an einem ganzen Tag überhaupt frisst.
Zwei Einwände gehören dazu. Erstens misst die verbreitete kolorimetrische Methode zu niedrig: Auf denselben Proben lag ihr Mittelwert bei 82 statt bei 154 Gramm pro Kilogramm. Ein Teil der öffentlich zitierten Fruktanwerte unterschätzt den wahren Gehalt also um einen unbekannten Betrag. Zweitens sagt eine Rechnung nichts über kleinere Mengen aus. Dass 3,75 Kilogramm auf einmal eine Hufrehe auslösen, heisst nicht, dass ein Zehntel davon folgenlos bleibt. Die Rechnung zeigt allein, wie weit das Modell von einer Weide entfernt ist.
Der Befund, der den Schwerpunkt verschoben hat
Parallel zum Fruktanmodell prüfte eine zweite Versuchsreihe etwas anderes: Insulin allein. 2007 erhielten fünf gesunde Ponys ohne Rehevorgeschichte eine Dauerinfusion, die den Insulinspiegel hochhielt, während der Blutzucker gezielt im Normalbereich gehalten wurde; vier zufällig zugeteilte Vergleichsponys erhielten sie nicht. Alle fünf behandelten Tiere entwickelten in weniger als 72 Stunden eine Hufrehe an allen vier Füssen, im Mittel nach gut 55 Stunden. Keines der Vergleichsponys erkrankte. Verdauungszeichen oder Anzeichen einer Allgemeinerkrankung fehlten dabei vollständig.
2010 wurde derselbe Ansatz an Sportpferden wiederholt. Vier von vier behandelten Standardbred-Trabern entwickelten in weniger als 48 Stunden eine Hufrehe, keines der vier Vergleichstiere. Alle behandelten Tiere hatten vor dem Versuch eine rechnerisch normale Insulinempfindlichkeit. Der Weg ist damit nicht auf stoffwechselauffällige Ponys beschränkt.
Heisst das, hohes Insulin allein genügt?
Im Versuch ja, aber mit einer wichtigen Einschränkung: Die erreichten Insulinwerte lagen etwa 66-fach über dem Ausgangswert der Tiere und weit über dem, was ein Pony auf der Weide erreicht. Die Versuche zeigen, dass dieser Weg existiert, nicht, dass er unter Weidebedingungen in dieser Form beschritten wird.
Eine Übersichtsarbeit von 2023 ordnet die Befunde. Sie trennt drei Formen der Hufrehe: die endokrine Form, die Form im Rahmen einer schweren Allgemeinerkrankung und die Form des überlasteten Stützbeins. Als gemeinsamen Kernvorgang schlagen die Autoren einen Stress der Basalzellen der Hufblättchen vor, dessen Zustandekommen sich zwischen den drei Formen unterscheidet. Für die Weiderehe halten sie fest, dass viele betroffene Ponys das Muster einer gestörten Insulinregulation zeigen. Das ist ein Vorschlag der Autoren, ausdrücklich als Hypothese formuliert, keine bewiesene Einheitstheorie.
Fruktan oder Glukose: was den Insulinspiegel bewegt
Wenn Insulin der Hebel ist, stellt sich die Frage, welcher Zucker ihn bewegt. Ein randomisierter Wechselversuch an zwölf Ponys prüfte das direkt, im Frühling und im Herbst. Glukose, Fruktose und Inulin, die handelsübliche Fruktanform, wurden je mit einem Gramm pro Kilogramm Körpergewicht und Tag zugefüttert. Inulin veränderte Blutzucker und Insulin nur geringfügig, Fruktose deutlich schwächer als Glukose, und am klarsten trennten sich Ponys mit und ohne Rehevorgeschichte nach Glukose. Im Herbst fielen die Insulinspitzen höher und unregelmässiger aus als im Frühling.
Eine frühere Arbeit kam zu einem anderen Ergebnis. Dort stieg der Insulinspiegel bei rehegefährdeten Ponys nach Zufütterung von Inulin auf das 5,5-Fache, und diese Tiere waren nicht einmal übergewichtig. Der Unterschied zwischen beiden Arbeiten liegt vermutlich in der Menge: Die frühere setzte drei Gramm pro Kilogramm und Tag ein, dreimal so viel wie die spätere. Beide Studien zusammen deuten darauf hin, dass Fruktan den Insulinspiegel bewegen könnte, dass dafür aber Mengen nötig sind, die weit oberhalb der niedrigeren geprüften Dosis liegen.
Ein weiterer Befund erschwert die einfache Erzählung, wonach Fruktan unverdaut in den Dickdarm gelangt und dort die Gärung entgleisen lässt. Eine Untersuchung an den Mageninhalten von 23 Pferden fand die Fruktankonzentration bei Weidepferden um 84 Prozent und bei Heupferden um 54 Prozent verringert, vor allem im drüsenlosen Teil des Magens. Bei Pferden mit hoher Stärkeration fehlte dieser Abbau. Ein grosser Teil des Fruktans verschwindet demnach schon vor dem Dickdarm, und wie viel, hängt davon ab, was das Pferd sonst frisst.
Wie stark der Zuckergehalt im Gras schwankt
Die praktische Frage lautet meist: Wann ist der Zuckergehalt am höchsten? Eine Übersichtsarbeit von 2022 hat die Messreihen dazu gesichtet. Die wasserlöslichen Kohlenhydrate steigen im Tagesverlauf meist vom Morgen zum Abend an, aber die gemessene Spannweite dieses Anstiegs reicht von minus 20 bis plus 74 Gramm pro Kilogramm Trockenmasse. Es gibt also Messreihen, in denen der Gehalt am Abend niedriger lag als am Morgen. Genau daher rühren die einander widersprechenden Ratschläge, die man zu diesem Thema findet.
Tageszeit: meist Anstieg vom Morgen zum Abend, in einzelnen Messreihen aber umgekehrt
Temperatur: höhere Gehalte bei kühlen Bedingungen und in kalten Jahreszeiten
Abfressen und Mähen: häufige Entblätterung senkt die wasserlöslichen Kohlenhydrate und das Fruktan
Stickstoffdüngung: je nach Menge und Grassorte höhere oder niedrigere Gehalte
Trockenstress: uneinheitliche Wirkung über die ausgewerteten Arbeiten hinweg
Die Autorin schliesst ausdrücklich, dass mehrere Faktoren zusammen betrachtet werden müssen, bevor man einer einzelnen Massnahme eine Wirkung zuschreibt. Dazu kommt das Messproblem: Fruktan ist nur ein Teil der wasserlöslichen Kohlenhydrate, und die günstige kolorimetrische Bestimmung unterschätzt es, weil die eingesetzten Enzyme das Fruktan von Weidegräsern nicht vollständig spalten. Die Autoren jener Methodenarbeit halten fest, dass sie die Chromatographie nicht ersetzen kann. Wer einen Fruktanwert für eine Weide liest, liest eine Zahl mit erheblicher Unschärfe.
Ist die Weide nach einer Frostnacht gefährlicher?
Belastbar beantworten lässt sich das nicht. Die Übersichtsarbeit hält lediglich fest, dass die Gehalte an wasserlöslichen Kohlenhydraten bei kühlen Temperaturen und in kalten Jahreszeiten tendenziell höher liegen. Eine Studie, die Frostnächte mit Hufrehefällen verknüpft, war in dieser Recherche nicht auffindbar. Der Rat stützt sich damit auf Plausibilität, nicht auf eine Messung an Pferden.
Das Risiko sitzt im Pferd, nicht nur im Gras
Wer erkrankt, lässt sich derzeit besser beschreiben als wann. In einer finnischen Universitätsklinik wurden über sechzehn Monate 36 wegen Hufrehe vorgestellte Pferde untersucht. Bei 89 Prozent fanden sich Hinweise auf eine zugrunde liegende Hormonstörung. Ein Drittel davon hatte eine Funktionsstörung der Hirnanhangdrüse, zwei Drittel einen erhöhten Nüchterninsulinwert ohne auffälliges Fell. 95 Prozent der Tiere mit hohem Insulin zeigten äusserliche Merkmale von Übergewicht. Es handelt sich um eine Momentaufnahme aus einer einzigen Klinik, also um die Zusammensetzung der Fälle, nicht um ein Risiko.
Prospektiv gemessen wurde an 446 britischen Ponys ab sieben Jahren, die bei Aufnahme rehefrei waren und drei Jahre lang verfolgt wurden. Ein niedriges Adiponektin und ein hoher Insulinwert gingen mit dem späteren Auftreten einer Hufrehe einher. Nach einem Jahr war bei 4,0 Prozent der Tiere eine Hufrehe tierärztlich festgestellt, nach zwei Jahren bei 6,7 und nach drei Jahren bei 9,9 Prozent. 72,2 Prozent der Ponys waren zu Beginn übergewichtig oder fettleibig. Die Marker waren also vor dem ersten Anfall messbar, allerdings wurde jeder Wert nur ein einziges Mal bestimmt.
Die Funktionsstörung der Hirnanhangdrüse ist dabei häufiger, als lange angenommen wurde. Eine systematische Übersichtsarbeit von 2018 nennt als belastbarste Schätzungen 21,2 Prozent bei Pferden und Ponys ab fünfzehn Jahren und 2,9 Prozent in der Gesamtpopulation. Hufrehe gehört dort zu den am häufigsten berichteten Krankheitszeichen, neben Fellveränderungen und Muskelabbau am Rücken. Als gesicherter Risikofaktor blieb allein das zunehmende Alter.
Umgekehrt ist die Epidemiologie der natürlich auftretenden Hufrehe dünn. Eine systematische Übersichtsarbeit sichtete 17 Publikationen und stufte sechs als am verlässlichsten ein. Nur der Zusammenhang zwischen steigendem Alter und chronischer Hufrehe beruhte auf guten Belegen; für Geschlecht, Rasse und Körpergewicht blieben die Ergebnisse widersprüchlich.
Wie viel ein Pferd auf der Weide tatsächlich frisst
Eine Grösse fehlt in fast jeder Diskussion über Weide und Zucker: die aufgenommene Menge. Ein Versuch an zwölf Ponys über 28 Tage hat sie beziffert. Die Einzelparzellen waren so bemessen, dass sie 1,5 Prozent des Körpergewichts an Trockenmasse pro Tag hergaben. Die Ponys mit sofortigem Zugang zur ganzen Fläche nahmen rechnerisch 2,33 Prozent auf, deutlich mehr als vorgesehen, und legten in vier Wochen 4,82 Prozent ihres Gewichts zu.
In den beiden Gruppen, die die Fläche portionsweise über einen Elektrozaun zugeteilt bekamen, lagen die Werte bei 1,59 und 1,82 Prozent, die Gewichtszunahme bei 1,16 und 1,54 Prozent. Der Body Condition Score und die Bewertung des Halskamms stiegen nur in der Gruppe mit sofortigem Vollzugang. Hufrehe war in diesem Versuch kein Zielkriterium, und die Aufnahme wurde aus dem Aufwuchs der Parzelle errechnet, nicht am einzelnen Tier gemessen.
Was aus alldem nicht folgt
Die Kette von schnell vergärbaren Kohlenhydraten über eine Übersäuerung des Darms bis zur Hufrehe ist auch beim Rind untersucht worden, wo die Pansenübersäuerung seit Jahrzehnten im Zentrum steht. Eine systematische Übersichtsarbeit von 2023 schloss aus 339 gesichteten Arbeiten sechzehn ein. Fünfzehn davon bestätigten das Auftreten einer Pansenazidose, doch in zwei Arbeiten, die dafür Oligofruktose einsetzten, trat kein einziges klinisches Rehezeichen auf. Die Kette ist also selbst dort nicht automatisch, wo sie am längsten erforscht wird.
Auch die Entzündungsseite trägt weniger, als lange angenommen wurde. In einem Versuch erhielten zwölf von 22 Ponys sieben Tage lang eine Ration mit rund 42 Prozent nicht struktureller Kohlenhydrate, gegenüber rund sieben Prozent in der Vergleichsration. In den Hufblättchen stieg keiner der gemessenen entzündungsfördernden Botenstoffe an, und weisse Blutkörperchen wanderten nicht ein. Vermehrt abgelesen wurde einzig ein bestimmtes Enzym. Die Autoren schliessen daraus, dass die starke Blättchenentzündung der Sepsismodelle für die Weiderehe womöglich keine zentrale Rolle spielt.
Und schliesslich weiss niemand genau, wie häufig Hufrehe überhaupt ist. Eine systematische Übersichtsarbeit wertete 69 Publikationen aus, behielt zehn als am verlässlichsten und fand Häufigkeiten zwischen 1,5 und 34 Prozent. Die Autoren halten die Qualität der Arbeiten überwiegend für schlecht und einen Vergleich dieser Zahlen untereinander ausdrücklich für unzulässig, weil die Studien verschiedene Reheursachen betrachten. Wer eine Prozentzahl zur Häufigkeit der Weiderehe liest, liest eine Zahl ohne gesicherte Grundlage.
Was die Induktionsdosis des Fruktanmodells in Kilogramm Weidegras bedeutet
Eigene Auswertung
Konstruktion des Tabellenwerks: Die Einzeldosis stammt aus der niedrigsten Stufe der ultrastrukturellen Dosisreihe (7,5 Gramm Oligofruktose pro Kilogramm Körpergewicht, einmalig über die Nasenschlundsonde), die drei Fruktangehalte aus der chromatographischen Bestimmung an vier Weidegrasarten (niedrigster, mittlerer und höchster gemessener Wert), die Tagesaufnahme aus der im Weideversuch errechneten Aufnahme bei sofortigem Vollzugang (2,33 Prozent des Körpergewichts an Trockenmasse). Alle Felder sind einfache Divisionen dieser drei gemessenen Grössen und stellen keine Fütterungsempfehlung dar.
Körpergewicht
Einzeldosis Fruktan im Modell
Nötige Trockenmasse beim höchsten Gehalt (299 g/kg)
Beim mittleren Gehalt (154 g/kg)
Beim niedrigsten Gehalt (83 g/kg)
Gemessene Tagesaufnahme bei Vollzugang
200 kg
1,5 kg
5,0 kg
9,7 kg
18,1 kg
4,7 kg
300 kg
2,25 kg
7,5 kg
14,6 kg
27,1 kg
7,0 kg
400 kg
3,0 kg
10,0 kg
19,5 kg
36,1 kg
9,3 kg
500 kg
3,75 kg
12,5 kg
24,4 kg
45,2 kg
11,7 kg
600 kg
4,5 kg
15,1 kg
29,2 kg
54,2 kg
14,0 kg
700 kg
5,25 kg
17,6 kg
34,1 kg
63,3 kg
16,3 kg
Grenzen und Unsicherheiten
Die beiden Insulinversuche stützen sich auf fünf und vier behandelte Tiere, und die erreichten Insulinwerte lagen etwa 66-fach über dem Ausgangswert. Sie belegen einen Wirkweg, keine Weidebedingung, und die Tiere wurden bei Erreichen einer festgelegten Schweregradstufe eingeschläfert, sodass zum weiteren Verlauf nichts bekannt ist.
Die beiden Fütterungsversuche zu Fruktan widersprechen einander, ihre Dosen unterscheiden sich um das Dreifache, und beide verwendeten Inulin, dessen Aufbau und Kettenlänge vom Fruktan gemässigter Weidegräser abweichen. Zudem wurde der Zucker der Ration zugesetzt und nicht abgegrast.
Die Fruktangehalte stammen aus britischen Gräsern eines einzigen Erntejahres, und die verbreitete kolorimetrische Bestimmung unterschätzt sie. Messreihen für Schweizer Weiden waren in dieser Recherche nicht auffindbar.
Es existiert keine Untersuchung, die den Fruktangehalt einer Weide gemessen und die dort weidenden Pferde anschliessend auf Hufrehe verfolgt hätte. Die Verbindung zwischen Gehalt und Erkrankung bleibt eine Annahme.
Die epidemiologische Grundlage ist dünn: Eine systematische Übersichtsarbeit fand allein den Zusammenhang mit steigendem Alter gut belegt, eine zweite Häufigkeiten zwischen 1,5 und 34 Prozent bei überwiegend schlechter Studienqualität. Beide Recherchen schlossen 2010, sind also älter als die hier verwendete Kohorte.
Zwei der Kernarbeiten sind Übersichtsarbeiten ohne systematisches Vorgehen, die Induktionsversuche arbeiten mit vier bis zwölf Tieren je Gruppe, und eine Metaanalyse zu diesem Thema existiert nicht. Rund die Hälfte der hier verwendeten Quellen erreicht die Ebene systematische Übersicht oder randomisierter Versuch, mehr gibt das Feld nicht her.
Offene Fragen
Ab welcher Fruktanmenge, unterhalb der geprüften fünf Gramm pro Kilogramm, verändert sich beim Pferd überhaupt etwas Messbares?
Wie viel Fruktan erreicht bei weidenden Pferden tatsächlich den Dickdarm, wenn im Magen bereits ein grosser Teil verschwindet?
Lassen sich Insulin und Adiponektin zu einer brauchbaren Risikoeinschätzung verdichten, wenn sie mehrfach statt nur einmal bestimmt werden?
Gibt es Weidebedingungen, unter denen der Insulinspiegel gefährdeter Pferde Werte erreicht, die den Versuchsbedingungen nahekommen?
Häufige Fragen
Wann ist der Fruktangehalt im Gras am höchsten?
Eine allgemeingültige Uhrzeit gibt es nach der Datenlage nicht. Eine Übersichtsarbeit von 2022 fasst zusammen, dass die wasserlöslichen Kohlenhydrate im Tagesverlauf meist vom Morgen zum Abend ansteigen, dass die gemessene Spanne dieses Anstiegs aber von minus 20 bis plus 74 Gramm pro Kilogramm Trockenmasse reicht. In einzelnen Messreihen lag der Gehalt abends also tiefer als morgens. Höhere Gehalte gehen mit kühlen Temperaturen und kalten Jahreszeiten einher, häufiges Abfressen senkt sie, Stickstoffdüngung und Trockenstress wirken uneinheitlich. Die Autorin rät deshalb ausdrücklich davon ab, aus einem einzelnen Faktor eine Regel abzuleiten.
Wie viele Gramm Fruktan sind für ein Pferd gefährlich?
Diese Zahl ist nicht bekannt, und die kursierende Angabe beantwortet eine andere Frage. Sie stammt aus einer Dosisreihe, in der gesunde Pferde 7,5, 10 oder 12,5 Gramm Oligofruktose pro Kilogramm Körpergewicht einmalig über eine Nasenschlundsonde erhielten, um gezielt eine Hufrehe auszulösen. Eine niedrigere Stufe wurde nie geprüft, eine Mindestdosis ist deshalb unbekannt. In einem anderen Versuch reichten fünf Gramm pro Kilogramm nur bei zwei von acht Pferden aus. Es handelt sich um Versuchsdosen zur Auslösung, nicht um einen Grenzwert für eine Weide.
Löst Fruktan aus dem Gras nun Hufrehe aus oder nicht?
Belegt ist, dass sehr hohe Einzelgaben über eine Sonde eine Hufrehe auslösen; nicht belegt ist, dass abgegrastes Gras dasselbe tut. Für ein Pferd von 500 Kilogramm entspräche die niedrigste Versuchsdosis rund 12,5 Kilogramm Trockenmasse des fruktanreichsten je gemessenen Grases auf einmal, also mehr als eine gemessene Tagesaufnahme. Dazu kommt, dass die Fruktankonzentration im Magen weidender Pferde in einer Untersuchung um 84 Prozent verringert war. Der Forschungsschwerpunkt hat sich entsprechend zum Insulin verschoben. Ein sauber gemessener Zusammenhang zwischen Weidegehalt und Erkrankung fehlt bis heute.
Ist Weidegang nach einer Frostnacht riskant?
Das lässt sich mit den vorliegenden Daten nicht beantworten. Die Übersichtsarbeit zu den Zuckergehalten hält fest, dass diese bei kühlen Temperaturen und in kalten Jahreszeiten tendenziell höher liegen. Eine Untersuchung, die Frostnächte mit tatsächlichen Hufrehefällen verknüpft, war in dieser Recherche nicht auffindbar. Der verbreitete Rat beruht damit auf einer plausiblen Kette, nicht auf einer Messung an Pferden. Für ein Pferd mit bekannter Stoffwechsellage ist die betreuende Tierarztpraxis der richtige Ansprechpartner, weil das Risiko nach heutiger Datenlage stärker im Tier als im Gras liegt.
Wie lange soll ich mein Pferd im Frühjahr anweiden?
Dazu gibt es keine belegte Zahl, und dieser Beitrag nennt bewusst keine. In der Fachliteratur findet sich kein Versuch, der verschiedene Anweidepläne verglichen und Hufrehe als Zielkriterium gemessen hätte. Gemessen wurde etwas anderes: In einem Versuch an zwölf Ponys über vier Wochen nahmen die Tiere mit sofortigem Zugang zur ganzen Fläche 2,33 Prozent ihres Körpergewichts an Trockenmasse pro Tag auf statt der vorgesehenen 1,5 Prozent, bei portionsweiser Zuteilung 1,59 bis 1,82 Prozent. Wie ein einzelnes Pferd geführt wird, entscheidet die betreuende Tierarztpraxis.
Mein Pony ist nicht dick, kann es trotzdem betroffen sein?
Ja, Übergewicht ist weder Voraussetzung noch Beweis. In einem Fütterungsversuch zeigten ausdrücklich nicht übergewichtige, aber rehegefährdete Ponys eine deutlich verminderte Insulinempfindlichkeit, die sich erst unter Belastung des Stoffwechsels zeigte. Umgekehrt wiesen in einer finnischen Klinikserie 95 Prozent der Pferde mit erhöhtem Insulin äusserliche Merkmale von Übergewicht auf, und in einer britischen Kohorte waren 72,2 Prozent der Ponys zu Beginn übergewichtig oder fettleibig. Übergewicht ist also häufig, aber nicht notwendig. Ob ein bestimmtes Tier betroffen ist, klärt allein eine tierärztliche Untersuchung.
Quellen
Elliott J, Bailey SR. A review of cellular and molecular mechanisms in endocrinopathic, sepsis-related and supporting limb equine laminitis. Equine Veterinary Journal, 2023 (Andere | Pferd)DOI 10.1111/evj.13933 Erzählende Übersichtsarbeit, die drei Formen der Hufrehe trennt und einen Stress der Basalzellen als gemeinsamen Kernvorgang vorschlägt, ausdrücklich als Hypothese, wobei viele Ponys mit Weiderehe das Muster einer gestörten Insulinregulation zeigen.
Asplin KE, Sillence MN, Pollitt CC, McGowan CM. Induction of laminitis by prolonged hyperinsulinaemia in clinically normal ponies. The Veterinary Journal, 2007 (Randomisierte Studie | Pferd)DOI 10.1016/j.tvjl.2007.07.003 Bei neun gesunden Ponys ohne Rehevorgeschichte entwickelten alle fünf mit Insulin behandelten Tiere bei normal gehaltenem Blutzucker in im Mittel 55,4 Stunden eine Hufrehe an allen vier Füssen, keines der vier Vergleichstiere, ohne jedes Verdauungs- oder Allgemeinzeichen.
de Laat MA, McGowan CM, Sillence MN, Pollitt CC. Equine laminitis: induced by 48 h hyperinsulinaemia in Standardbred horses. Equine Veterinary Journal, 2010 (Randomisierte Studie | Pferd)DOI 10.2746/042516409X475779 Vier von vier mit Insulin behandelten Standardbred-Trabern entwickelten in weniger als 48 Stunden eine Hufrehe, keines der vier Vergleichstiere, obwohl alle behandelten Tiere zuvor eine rechnerisch normale Insulinempfindlichkeit aufwiesen.
Borer KE, Bailey SR, Menzies-Gow NJ, Harris PA. Effect of feeding glucose, fructose, and inulin on blood glucose and insulin concentrations in normal ponies and those predisposed to laminitis. Journal of Animal Science, 2012 (Randomisierte Studie | Pferd)DOI 10.2527/jas.2011-4236 Im Wechselversuch an zwölf Ponys mit je einem Gramm pro Kilogramm und Tag veränderte Inulin Blutzucker und Insulin nur geringfügig und Fruktose deutlich schwächer als Glukose, und am klarsten trennten sich rehegefährdete von normalen Ponys nach Glukose.
Bailey SR, Menzies-Gow NJ, Harris PA, Habershon-Butcher JL. Effect of dietary fructans and dexamethasone administration on the insulin response of ponies predisposed to laminitis. Journal of the American Veterinary Medical Association, 2007 (Kontrollierte Studie | Pferd)DOI 10.2460/javma.231.9.1365 Bei 21 nicht übergewichtigen Ponys liess sich eine kompensierte Insulinresistenz der rehegefährdeten Tiere sichtbar machen, deren Insulinspiegel nach Zufütterung von drei Gramm Inulin pro Kilogramm und Tag auf das 5,5-Fache stieg, während der Wechsel von Weide auf Heu ihn senkte.
Toth F, Frank N, Chameroy KA, Boston RC. Effects of endotoxaemia and carbohydrate overload on glucose and insulin dynamics and the development of laminitis in horses. Equine Veterinary Journal, 2009 (Randomisierte Studie | Pferd)DOI 10.2746/042516409x479027 Von je acht Pferden wurden mit fünf Gramm Oligofruktose pro Kilogramm allein nur zwei rehekrank, mit vorangehendem Endotoxin fünf und mit Endotoxin allein keines, wobei beide Reize die Insulinempfindlichkeit senkten, ohne einander zu verstärken.
van Eps AW, Pollitt CC. Equine laminitis induced with oligofructose. Equine Veterinary Journal, 2006 (Kontrollierte Studie | Pferd)DOI 10.2746/042516406776866327 Gründungsarbeit des Fruktanmodells: Alle zwölf mit Oligofruktose behandelten Pferde entwickelten eine klinische und feingewebliche Hufrehe, keines der sechs Vergleichstiere, und die Verbindung zum Fruktangehalt von Weiden ist eine Schlussfolgerung der Autoren, kein gemessenes Ergebnis.
French KR, Pollitt CC. Equine laminitis: loss of hemidesmosomes in hoof secondary epidermal lamellae correlates to dose in an oligofructose induction model: an ultrastructural study. Equine Veterinary Journal, 2004 (Kontrollierte Studie | Pferd)DOI 10.2746/0425164044877125 Nachweisbare Herkunft der Zahl 7,5 Gramm pro Kilogramm: Drei Paare Pferde erhielten einmalig 7,5, 10 und 12,5 Gramm Oligofruktose pro Kilogramm über die Nasenschlundsonde, alle wurden nach 48 Stunden rehekrank, und der Verlust an Haftstrukturen nahm mit der Dosis zu.
van Eps AW, Pollitt CC. Equine laminitis model: cryotherapy reduces the severity of lesions evaluated seven days after induction with oligofructose. Equine Veterinary Journal, 2009 (Randomisierte Studie | Pferd)DOI 10.2746/042516409x434116 An 18 Pferden in drei Gruppen dokumentiert diese Arbeit das Modell: Als auslösend geltende Oligofruktosedosen erzeugten noch sieben Tage später messbare Blättchenschäden, die eine 72-stündige Kühlung der Gliedmassen deutlich verringerte.
Bachmann M, Schusser GF, Wensch-Dorendorf M, Pisch C. Carbohydrate digestion in the stomach of horses grazed on pasture, fed hay or hay and oats. Journal of Equine Veterinary Science, 2024 (Kontrollierte Studie | Pferd)DOI 10.1016/j.jevs.2024.105152 In den Mageninhalten von 23 Pferden war die Fruktankonzentration bei Weidepferden um 84 und bei Heupferden um 54 Prozent verringert, vor allem im drüsenlosen Magenteil, während dieser Abbau bei hoher Stärkeration ausblieb.
Kagan IA. Water- and Ethanol-Soluble Carbohydrates of Temperate Grass Pastures: a Review of Factors Affecting Concentration and Composition. Journal of Equine Veterinary Science, 2022 (Andere | Artunabhängig)DOI 10.1016/j.jevs.2022.103866 Übersichtsarbeit zur Variabilität der wasserlöslichen Kohlenhydrate: Der Anstieg vom Morgen zum Abend reicht über die Messreihen hinweg von minus 20 bis plus 74 Gramm pro Kilogramm Trockenmasse, und die Autorin rät ausdrücklich davon ab, aus einem einzelnen Faktor eine Regel abzuleiten.
Longland AC, Dhanoa MS, Harris PA. Comparison of a colorimetric and a high-performance liquid chromatography method for the determination of fructan in pasture grasses for horses. Journal of the Science of Food and Agriculture, 2012 (Laborstudie | Artunabhängig)DOI 10.1002/jsfa.5555 An vier Weidegrasarten ergab die Chromatographie 83 bis 299 Gramm Fruktan pro Kilogramm Trockenmasse (Mittel 154), die günstige kolorimetrische Methode auf denselben Proben nur 5 bis 238 (Mittel 82): Sie unterschätzt den Gehalt und kann die Chromatographie nicht ersetzen.
Longland AC, Barfoot C, Harris PA. Strip-grazing: Reduces pony dry matter intakes and changes in bodyweight and morphometrics. Equine Veterinary Journal, 2022 (Randomisierte Studie | Pferd)DOI 10.1111/evj.13416 Zwölf Ponys auf für 1,5 Prozent des Körpergewichts bemessenen Parzellen nahmen bei sofortigem Vollzugang rechnerisch 2,33 Prozent auf und legten 4,82 Prozent an Gewicht zu, bei portionsweiser Zuteilung 1,59 bis 1,82 Prozent und 1,16 bis 1,54 Prozent.
Burns TA, Watts MR, Weber PS, McCutcheon LJ. Laminar inflammatory events in lean and obese ponies subjected to high carbohydrate feeding: Implications for pasture-associated laminitis. Equine Veterinary Journal, 2015 (Kontrollierte Studie | Pferd)DOI 10.1111/evj.12314 Sieben Tage mit rund 42 Prozent nicht struktureller Kohlenhydrate erhöhten bei zwölf von 22 Ponys keinen der gemessenen entzündungsfördernden Botenstoffe in den Hufblättchen und führten zu keiner Einwanderung weisser Blutkörperchen, sodass die Blättchenentzündung der Sepsismodelle für die Weiderehe womöglich nicht zentral ist.
Karikoski NP, Horn I, McGowan TW, McGowan CM. The prevalence of endocrinopathic laminitis among horses presented for laminitis at a first-opinion/referral equine hospital. Domestic Animal Endocrinology, 2011 (Querschnittstudie | Pferd)DOI 10.1016/j.domaniend.2011.05.004 Bei 89 Prozent von 36 wegen Hufrehe vorgestellten Pferden fanden sich Hinweise auf eine Hormonstörung, bei einem Drittel davon eine Funktionsstörung der Hirnanhangdrüse und bei zwei Dritteln ein erhöhter Nüchterninsulinwert ohne Fellveränderung.
Menzies-Gow NJ, Harris PA, Elliott J. Prospective cohort study evaluating risk factors for the development of pasture-associated laminitis in the United Kingdom. Equine Veterinary Journal, 2017 (Kohortenstudie | Pferd)DOI 10.1111/evj.12606 Bei 446 anfangs rehefreien Ponys ab sieben Jahren gingen niedriges Adiponektin und hohes Insulin mit dem späteren Auftreten einer Hufrehe einher, die nach einem, zwei und drei Jahren bei 4,0, 6,7 und 9,9 Prozent der Tiere festgestellt wurde.
Ireland JL, McGowan CM. Epidemiology of pituitary pars intermedia dysfunction: A systematic literature review of clinical presentation, disease prevalence and risk factors. The Veterinary Journal, 2018 (Systematische Übersichtsarbeit | Pferd)DOI 10.1016/j.tvjl.2018.03.002 Aus 29 eingeschlossenen Publikationen ergeben sich als belastbarste Schätzungen 21,2 Prozent Prävalenz bei Pferden ab fünfzehn Jahren und 2,9 Prozent in der Gesamtpopulation, wobei Hufrehe zu den häufigsten Krankheitszeichen zählt und allein das Alter als gesicherter Risikofaktor gilt.
Wylie CE, Collins SN, Verheyen KLP, Newton JR. Risk factors for equine laminitis: a systematic review with quality appraisal of published evidence. The Veterinary Journal, 2012 (Systematische Übersichtsarbeit | Pferd)DOI 10.1016/j.tvjl.2011.10.020 Von 17 vollständig bewerteten Publikationen galten sechs als am verlässlichsten, und allein der Zusammenhang zwischen steigendem Alter und chronischer Hufrehe beruhte auf guten Belegen, während Geschlecht, Rasse und Körpergewicht widersprüchlich blieben.
Wylie CE, Collins SN, Verheyen KLP, Newton JR. Frequency of equine laminitis: a systematic review with quality appraisal of published evidence. The Veterinary Journal, 2011 (Systematische Übersichtsarbeit | Pferd)DOI 10.1016/j.tvjl.2011.04.014 Aus 69 bewerteten Publikationen blieben zehn als verlässlichste übrig, mit Häufigkeitsschätzungen zwischen 1,5 und 34 Prozent bei überwiegend schlechter Qualität, und die Autoren halten einen Vergleich dieser Zahlen untereinander ausdrücklich für unzulässig.
Passos LT, Bettencourt AF, Ritt LA, Canozzi MEA. Systematic review of the relationship between rumen acidosis and laminitis in cattle. Research in Veterinary Science, 2023 (Systematische Übersichtsarbeit | Andere Tierarten)DOI 10.1016/j.rvsc.2023.06.001 Aus 339 gesichteten Arbeiten wurden sechzehn eingeschlossen, von denen fünfzehn eine Pansenazidose bestätigten, während in zwei Arbeiten mit Oligofruktose kein klinisches Rehezeichen auftrat: Die Kette von vergärbaren Kohlenhydraten zur Hufrehe ist auch beim Rind nicht automatisch.
ForschungPferd (2026). Fruktan im Gras, Insulin im Pferd: was die Hufrehe-Forschung gemessen hat. ForschungPferd, Deutsch. https://forschungpferd.ch/ernaehrungswissenschaft/fruktan-weide-insulin-evidenz/