Glossar
Evidenzniveau.
Kurzantwort
Das Evidenzniveau ordnet wissenschaftliche Belege danach, wie gut die zugrunde liegende Studienform vor Zufall und systematischem Irrtum schützt. Eine Einzelbeobachtung steht tief, eine randomisierte kontrollierte Studie hoch, eine sorgfältige systematische Übersichtsarbeit noch höher. Das Niveau bewertet die Bauweise der Studie, nicht die Wahrheit ihres Ergebnisses.
Ein hohes Evidenzniveau bedeutet nicht, dass ein Ergebnis sicher stimmt: Es bedeutet, dass die Studienform bekannte Fehlerquellen besser ausschliesst. Eine schlecht durchgeführte randomisierte Studie kann schwächer sein als eine sorgfältige Beobachtungsstudie. Wer Stufen liest, muss deshalb immer auch die Ausführung prüfen, nicht nur die Bezeichnung auf dem Etikett.
In der Pferdemedizin liegt die verfügbare Evidenz im Schnitt tiefer als in der Humanmedizin, weil Gruppen klein, Studien teuer und Vergleichsgruppen bei wertvollen Tieren ethisch heikel sind. Viele Empfehlungen stützen sich auf Fallserien oder auf Übertragung aus anderen Arten. Das ist kein Grund zum Misstrauen, wohl aber ein Grund, die Stufe offen zu benennen.
Randomisierte kontrollierte StudieSystematische ÜbersichtsarbeitExterne Validität
Der Evidenzbrief
Einmal im Monat: neue Synthesen, geprüfte Studien und was sich an der Beweislage geändert hat.