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Röntgenklassen in der Ankaufsuntersuchung: woher die Prozentzahlen stammen

Die Prozentspannen der Röntgenklassen stammen aus einem Konsens der Tierärzteschaft, nicht aus einer Verlaufsstudie: was Prävalenz- und Kohortendaten zeigen.

Redaktion ForschungPferd Redaktion
Fachliche GegenlesungPosition noch nicht besetzt, offen ausgewiesen.

10 Min. Lesezeit Zuletzt fachlich geprüft Freier Zugang

Zusammenfassung

Die Röntgenklassen der Ankaufsuntersuchung ordnen Befunde nach ihrem Ausmass, sie sind aber keine gemessene Prognose. Die Klassen und die Prozentzahlen, die im Handel an sie geknüpft werden, stammen aus einem Konsens der Tierärzteschaft, nicht aus einer Verlaufsstudie an Sportpferden. Die einzigen Kohorten, die Pferde nach Röntgenbefunden über Jahre verfolgt haben, betreffen Rennpferde und messen Rennstarts, nicht die Haltbarkeit eines Freizeitpferds.

21Primärquellen
10 %davon Stufe 1 bis 2
1untersuchte Arten
2003–2026Publikationsjahre

Das Wesentliche

  • Die Klasseneinteilung und die daran geknüpften Prozentzahlen stammen aus einem Konsenspapier der Tierärzteschaft; eine indexierte Verlaufsstudie, die Pferde nach Klassen über Jahre begleitet hätte, ist nicht auffindbar.
  • Befunde sind bei gesunden Pferden die Regel: Über alle untersuchten Gelenke hinweg blieben nur 30,5 Prozent von 811 Warmblut-Jährlingen ohne jede Abweichung.
  • Derselbe Grad bedeutet je nach Region etwas anderes: In 510 Ankaufsuntersuchungen ging ein hoher Grad am Strahlbein mit Lahmheit einher, am Sprunggelenk seltener, und 20 von 21 Pferden mit dem höchsten Sprunggelenksgrad standen weiter in Arbeit.
  • Die Lesung selbst schwankt: Bei 60 Strahlbeinen war die mittlere Übereinstimmung dreier Beurteilender gering, und 211 befragte Tierärztinnen und Tierärzte bewerteten dieselben Bilder mit breiter Streuung.
  • Befunde sind nicht fest: Von 36 Osteochondrose-Läsionen bei 58 jungen Sportpferden hatten sich neun zwischen zwei Untersuchungen verändert, waren neu aufgetreten oder verschwunden.

Die Klassen stammen aus einem Konsens, nicht aus einer Studie

Am Ende einer Ankaufsuntersuchung steht oft eine römische Ziffer. Sie fasst zusammen, wie stark die Röntgenbilder von dem abweichen, was als unauffällig gilt: die unterste Klasse für Bilder ohne Abweichung, die höheren für zunehmend deutliche Veränderungen. Die Einteilung geht auf einen Leitfaden der deutschsprachigen Tierärzteschaft zurück. Sie ist ein Ordnungsvorschlag von Fachleuten, der die Verständigung zwischen Praxis, Käuferin und Verkäufer regelt. Wie viele Stufen sie kennt, hat zwischen den Fassungen des Leitfadens gewechselt, und schon das zeigt: Die Ziffer beschreibt ein Bild nach einer Konvention, sie misst keine Eigenschaft des Pferdes.

Entscheidend ist, was diese Ziffer nicht ist. In den medizinischen Literaturdatenbanken ist keine Untersuchung auffindbar, die Pferde nach diesen Klassen eingeteilt, über Jahre begleitet und danach ausgezählt hätte, wie viele in welcher Klasse lahm geworden sind. Auch die Prozentspanne, die im Handel an die mittleren Klassen geheftet wird, meist rund fünf bis zwanzig Prozent für ein späteres klinisches Problem, stammt aus demselben Konsenspapier und nicht aus einer Auswertung von Verlaufsdaten. Das ist kein Vorwurf an die Verfasser: Eine solche Zahl aus Daten zu gewinnen, verlangt eine über Jahre laufende Kohorte von Sportpferden mit einem vorher festgelegten Endpunkt. Diese Untersuchung gibt es bislang nicht.

Ist die Klasse damit wertlos?

Nein. Sie ordnet, was auf den Bildern zu sehen ist, und schafft eine gemeinsame Sprache für alle Beteiligten. Was sie nicht leistet, ist eine Prognose mit geprüfter Trefferquote. Wer eine Klasse liest, liest eine Beschreibung des Bildes und die Einschätzung von Fachleuten, nicht eine gemessene Wahrscheinlichkeit für die kommenden Jahre.

Auf gesunden Pferden sind Befunde die Regel

Wer röntgt, findet etwas. In einer niederländischen Untersuchung wurden 811 zufällig ausgewählte Warmblut-Jährlinge an Knie, Sprunggelenk und Fesselgelenken geröntgt. Durchgehend normale Konturen zeigten 60,7 Prozent am Knie, 68,6 Prozent am Sprunggelenk und 64,6 Prozent an den Fesselgelenken. Über alle untersuchten Gelenke zusammen blieben nur 30,5 Prozent der Pferde ohne jede Abweichung. Das radiologisch makellose Warmblut ist in dieser Population die Minderheit.

Bei amerikanischen Vollblut-Jährlingen aus dem Verkauf zeigt sich dasselbe Muster. Gefässkanäle in den Gleichbeinen fanden sich bei 98 Prozent der Tiere, unregelmässige oder mehr als zwei Millimeter breite Kanäle bei 79 Prozent. Die Befunde dagegen, die dem Ruf nach die Belastbarkeit betreffen, waren selten: eine Absprengung an der Vorderkante des Fesselbeins betraf 1,6 Prozent der Vordergliedmassen, die Zwischenkammleiste am Sprunggelenk 4,4 Prozent. Die Autoren zogen daraus einen unbequemen Schluss: Häufiges ist meist harmlos, und das Verdächtige ist so selten, dass sich seine Tragweite kaum belegen lässt.

Auch am Rücken ist die Abweichung nicht die Ausnahme. In einem Vergleich von 47 nie gerittenen Jährlingen mit 55 trainierten Vollblütern ohne erkennbare Rückenschmerzen liessen sich in rund einem Drittel der untersuchten Zwischenräume verengte oder sich berührende Dornfortsätze nachweisen. Die trainierten Pferde hatten davon nicht mehr als die Jährlinge, was gegen die verbreitete Erzählung spricht, solche Bilder entstünden erst unter dem Sattel.

Was die wenigen Verlaufsstudien zeigen

Nur wenige Untersuchungen haben Pferde nach ihren Röntgenbildern über Jahre verfolgt, und fast alle stammen aus dem Rennsport. In der grössten wurden 1'162 Vollblut-Jährlinge geröntgt und über ihre Zwei- und Dreijährigensaison begleitet. Rund acht von zehn nahmen mindestens einen Start auf. Die Mehrzahl der gefundenen Veränderungen war mit der späteren Leistung nicht verbunden. Drei Befunde stachen heraus, und selbst bei ihnen lief die Mehrheit: 14 von 24 Pferden mit ausgeprägter Aufhellung an der Rückseite des Röhrbeins, 8 von 14 mit Knochenzubildungen an den Gleichbeinen und 19 von 30 mit Veränderungen am Karpalgelenk gingen an den Start.

Eine neuere Kohorte an 2'508 Jährlingen hat die Gleichbeine gesondert ausgewertet. Drei Befundgruppen gingen mit einer geringeren Aussicht auf einen Rennstart einher, Knochenanlagerungen an der Aussenseite zusätzlich mit einer um gut die Hälfte geringeren Gesamtgewinnsumme. Die praktische Botschaft liegt aber im Gegenbeispiel: Eine häufige und lange diskutierte Abflachung an der Aussenseite hatte keinen Zusammenhang mit der Leistung und war bis zum Verkauf als Zweijährige meist von selbst verschwunden. Die Autoren schlagen deshalb vor, solche Befunde getrennt auszuweisen, statt sie in einer einzigen Note zu verschmelzen.

Dieselbe Kohorte liefert eine Zahl, die manche Kaufentscheidung relativiert. Aufhellungen unter dem Knorpel der inneren Oberschenkelrolle, ein Befund, an dem Verkäufe scheitern, fanden sich bei 9,65 Prozent der Jährlinge. Beim schwersten Grad nahmen 78 Prozent der Pferde einen Start auf, gegenüber 84 Prozent bei unauffälligem Knie. Auf die Leistung derer, die liefen, wirkte er sich nicht messbar aus.

Eine japanische Auswertung von 1'082 Jährlingen fand ebenfalls einen statistischen Zusammenhang zwischen bestimmten Befunden und einem ausbleibenden Rennstart, ging dann aber einen Schritt weiter. Bei zwölf dieser Pferde gingen die Autoren einzeln nach, warum sie nie gelaufen waren. Keines war an dem Befund gescheitert, den man auf den Bildern gesehen hatte: Ursachen waren Beckenbrüche, eine Sehnenentzündung, eine Kehlkopflähmung, wirtschaftliche Gründe. Zwölf Fälle beweisen nichts, sie zeigen aber, wie schnell aus einem Zusammenhang eine Ursache gemacht wird.

Derselbe Grad bedeutet je nach Region etwas anderes

Die vielleicht wichtigste Einzelbeobachtung stammt aus einer Auswertung von 510 amerikanischen Ankaufsuntersuchungen der Jahre 1991 bis 2000. Geröntgt wurde in 61,6 Prozent der Fälle, am häufigsten Vorderhufe und Sprunggelenke. Am Strahlbein und am Hufbein ging ein hoher Befundgrad mit Lahmheit einher. Am Sprunggelenk war es umgekehrt: Dort traten hohe Grade seltener zusammen mit Lahmheit auf, und die überwiegende Mehrheit der am stärksten veränderten Pferde stand bei der Nachbefragung weiter in Arbeit.

Pferde mit dem höchsten Befundgrad, die bei der telefonischen Nachbefragung weiterhin in Arbeit standen, aus der Auswertung von 510 Ankaufsuntersuchungen.
RegionZusammenhang mit Lahmheit am UntersuchungstagWeiterhin in Arbeit
Strahlbeinhoher Grad häufiger mit Lahmheit verbunden17 von 31
Hufbeinhoher Grad häufiger mit Lahmheit verbunden21 von 27
Kleine Sprunggelenkehoher Grad seltener mit Lahmheit verbunden20 von 21

Eine britische Fallserie stützt diese Sonderstellung des Sprunggelenks. Bei 91 Pferden, deren Schmerz in den kleinen Sprunggelenken durch eine gezielte Betäubung des Gelenks bestätigt war, hing die Schwere der Röntgenveränderungen weder mit dem Grad noch mit der Dauer der Lahmheit zusammen. Die Autoren stellen ihrer Arbeit den Hinweis voran, dass auch ein gesundes Pferd solche Zeichen zeigen kann, und halten die Reaktion auf die Betäubung, nicht das Bild, für den Massstab.

Warum ist die Region so wichtig?

Weil dieselbe Beschreibung an verschiedenen Stellen Verschiedenes bedeutet. In der amerikanischen Auswertung ging ein hoher Grad am Strahlbein und am Hufbein mit Lahmheit einher, am Sprunggelenk dagegen seltener. Eine Note, die alle Regionen zusammenfasst, verwischt genau diesen Unterschied und legt eine Vergleichbarkeit nahe, die die Daten nicht hergeben.

Zwei Fachleute, zwei Klassen

Eine Klasse ist nur so verlässlich wie die Lesung, die zu ihr führt. Bei 60 Strahlbeinen aus der Sektion, die drei Fachleute im Röntgenbild und im Schnittbild beurteilten, war die mittlere Übereinstimmung zwischen den Beurteilenden gering, in beiden Verfahren. Beurteilte dieselbe Person dieselben Bilder ein zweites Mal, war die Übereinstimmung nur mässig. Die Schnittbilder erhöhten die Sicherheit, mit der die Beurteilenden ihr Urteil vertraten, ohne dass sie sich häufiger einig gewesen wären. Diese Knochen lagen ohne umgebendes Weichteilgewebe und ohne klinischen Zusammenhang vor, was eine Einigung eher erleichtern sollte.

Für den Rücken fällt das Bild günstiger aus. Bei 100 gesunden Pferden stimmten drei Beurteilende bei klar umrissenen Einzelmerkmalen gut überein, etwa bei der Breite des Zwischenraums oder bei einer abgegrenzten Verdichtung. Sobald jedoch alle Auffälligkeiten eines Rückens zu einer Gesamtzahl addiert wurden, sank die Übereinstimmung auf ein mittleres Mass. Die Autoren halten ausdrücklich fest, dass dies bei einer Ankaufsuntersuchung zu berücksichtigen ist.

Wie breit die Streuung im Alltag ist, zeigt eine weltweite Befragung von 211 Tierärztinnen und Tierärzten. Sie beurteilten dieselben Bilderserien von Strahlbein, Sprunggelenken und Knien in vier Abstufungen. Die durchschnittliche Besorgnis stieg erwartungsgemäss mit dem Ausmass der Veränderung, doch bei jeder einzelnen Stufe blieb die Spannweite der Antworten breit. Die Richtung des Unterschieds hing dabei von der Region ab: Fachtierärztinnen und Fachtierärzte beunruhigte ein deutlicher Strahlbeinbefund stärker als die übrigen Befragten, ein deutlicher Sprunggelenksbefund dagegen weniger.

Ein oft zitierter Gegenwert verdient eine Einordnung. Drei erfahrene Chirurgen, die 30 Bilderserien aus einem Verkaufsarchiv beurteilten, erreichten bei 97,1 Prozent der bewerteten Stellen einen Konsens über die Risikoeinstufung. Diese Zahl umfasst allerdings alle beurteilten Stellen, ganz überwiegend unauffällige, was sie rechnerisch nach oben zieht. Die Aussage der Autoren ist enger: Erfahrene Beurteilende sind sich verlässlich einig, wenn nichts zu sehen ist, und uneinig, sobald häufige Befunde einzustufen sind. Am stärksten strittig war die Sprunggelenksregion.

Ein Befund ist kein fester Besitz des Pferdes

Ein Punkt geht in der Diskussion um Klassen fast immer unter: Befunde kommen und gehen. In einer wallonischen Untersuchung wurden 58 junge Sportpferde zweimal standardisiert geröntgt, im Mittel mit 407 und mit 680 Lebenstagen. Von 36 gefundenen Veränderungen der Osteochondrose hatten sich neun zwischen den beiden Terminen verändert, waren neu aufgetreten oder verschwunden. Vier Pferde trugen ihren Befund nur an einem der beiden Termine. Die verbreitete Annahme, nach dem ersten Lebensjahr sei das Bild stabil, hält dieser Prüfung nicht stand.

Bei sehr jungen Pferden ist die Bewegung noch grösser. Lusitano-Fohlen, die von Geburt an bis zum Alter von 18 Monaten begleitet wurden, zeigten vor dem ersten Lebensmonat zu 76,08 Prozent Zeichen einer Osteochondrose an Sprunggelenk oder Knie, mit 18 Monaten noch zu 16,20 Prozent. Ein Rückgang liess sich bis zum zwölften Monat beobachten, also später, als die bis dahin angenommenen Altersgrenzen erwarten liessen.

Auch in den Rennpferd-Kohorten löste sich manches auf. Von 31 Jährlingen mit dem leichtesten Grad einer Aufhellung an der inneren Oberschenkelrolle war der Befund bis zum Verkauf als Zweijährige bei elf verschwunden, bei vierzehn unverändert und bei sechs stärker geworden. Wer eine Klasse liest, liest deshalb immer auch ein Datum. Dasselbe Pferd, ein halbes Jahr früher oder später geröntgt, kann in einer anderen Klasse landen.

Was der Markt aus dem Befund macht

Der Befund wirkt auf den Preis, lange bevor er auf das Pferd wirkt. In der bislang grössten Auswertung von Ankaufsuntersuchungen wurden 13'603 drei- und vierjährige Vollblüter vor irischen und britischen Auktionen untersucht. 73,6 Prozent trugen irgendeine Auffälligkeit, aber nur 12,0 Prozent eine, die als nachteilig für den vorgesehenen Zweck eingestuft wurde. Der Markt reagierte deutlich: Pferde mit einem solchen Vermerk wurden zu 38,1 Prozent verkauft, Pferde ohne ihn zu 77,6 Prozent.

Wie viel gefunden wird, hängt zudem davon ab, wie genau hingesehen wird. In einer britischen Auswertung von 133 Ankaufszertifikaten trugen 57,1 Prozent der Pferde einen nachteiligen Befund. Bei der ausführlichen fünfstufigen Untersuchung waren es 68,5 Prozent, bei der verkürzten zweistufigen 34,1 Prozent. Teurere Pferde wurden häufiger ausführlich untersucht, häufiger geröntgt und trugen entsprechend häufiger einen Vermerk. Der häufigste Grund für einen Vorbehalt war dabei nicht das Röntgenbild, sondern eine Lahmheit.

Was die Klasse leisten kann und was nicht

Hinter der schwachen Prognose steht ein grundsätzliches Problem des Fachgebiets. Eine methodische Übersichtsarbeit hat untersucht, wie in der orthopädischen Pferdeforschung überhaupt festgelegt wird, welches Pferd als gesund gilt. Für die Arthrose fanden sich in 127 ausgewerteten Publikationen elf verschiedene Verfahren, für Sehnen- und Fesselträgererkrankungen in 84 Publikationen acht, im Mittel drei Verfahren je Arbeit. In mehreren Studien waren die als gesund bezeichneten Vergleichspferde nicht einmal auf Lahmheit untersucht worden. Solange der Massstab schwankt, kann keine Auswertung sagen, was ein Bild über Gesundheit aussagt.

Ähnlich fällt die Bilanz für die Prüfung der Suchverfahren selbst aus. Eine systematische Übersichtsarbeit zum Ultraschall bei Osteochondrose hält einleitend fest, dass das Röntgenscreening beim Kauf Routine ist, findet dann aber für den Ultraschall keine belastbaren Daten zur diagnostischen Genauigkeit. Das ist eine Aussage über den Ultraschall und nicht über das Röntgen. Sie zeigt aber, wie wenig geprüft die Verfahren sind, mit denen beim Kauf gesucht wird.

Was heisst das für den Termin am Kaufstall? Die Klasse beschreibt die Bilder, sie ordnet die Schwere der Befunde und sie macht die Untersuchung nachvollziehbar. Sie ist kein Mass für Haltbarkeit, sie gilt für einen bestimmten Tag, und sie hängt von der Region, vom Untersuchungsumfang und von der beurteilenden Person ab. Wer diese vier Einschränkungen kennt, liest den Befund so, wie er belegt ist.

Was hinter den verbreiteten Aussagen über Röntgenbefunde beim Kauf tatsächlich steht

Eigene Auswertung

Für jede Aussage, die rund um die Ankaufsuntersuchung kursiert, wurde in dieser Recherche die methodisch stärkste auffindbare Datenquelle eingetragen, dazu die untersuchte Population, der tatsächlich gemessene Endpunkt und in der letzten Spalte der Schluss, den dieses Design gerade nicht trägt.
Verbreitete AussageStärkste gefundene DatengrundlageUntersuchte PopulationTatsächlich gemessener EndpunktWas daraus nicht folgt
Eine mittlere Klasse bedeutet fünf bis zwanzig Prozent RisikoKonsenspapier der Tierärzteschaft, keine indexierte Studienicht definiertkeinerDass die Spanne für ein einzelnes Pferd gilt
Ein Befund am Sprunggelenk ist ein AusschlussgrundRückblickende Auswertung von 510 AnkaufsuntersuchungenPferde verschiedener Nutzung, USA, 1991 bis 2000Lahmheit am Untersuchungstag und Nutzung bei der NachbefragungDass ein hoher Grad am Sprunggelenk die Nutzungsdauer verkürzt
Eine Aufhellung im Knie beendet die KarriereVerkaufskohorte mit 2'508 Jährlingen und NachverfolgungVollblüter aus dem AuktionsverkaufRennstart und GewinnsummeDass sich das Ergebnis auf Sport- und Freizeitpferde übertragen lässt
Ab dem ersten Lebensjahr ist das Röntgenbild stabilZwei standardisierte Untersuchungen an 58 jungen SportpferdenWallonische Sportpferde, im Mittel 407 und 680 Tage altVorhandensein der Läsion zu zwei ZeitpunktenDass sich jede einzelne Läsion zurückbilden kann
Zwei Fachleute kommen zur selben Klasse60 Strahlbeine, drei Beurteilende, eine Teilserie zweifach gelesenPräparate aus der Sektion, ohne klinischen ZusammenhangÜbereinstimmung zwischen und innerhalb der BeurteilendenDass die Übereinstimmung am lebenden Pferd besser ausfällt
Ein unauffälliges Warmblut ist der NormalfallZufallsstichprobe von 811 Warmblut-JährlingenNiederländische Warmblut-Jährlinge aus einer ZuchtstudieKonturen an Knie, Sprunggelenk und FesselgelenkenDass die Anteile bei anderem Aufnahmeprotokoll gleich blieben
Ein nachteiliger Vermerk beschreibt das PferdAuswertung von 133 Ankaufszertifikaten aus drei PraxenGemischte britische PferdepopulationAnteil der Zertifikate mit nachteiligem BefundDass dieser Anteil vom Untersuchungsumfang unabhängig ist
Zystenartige Befunde sind bei gesunden Pferden praktisch ausgeschlossenFünf Jahre Ankaufsuntersuchungen an 3'863 nicht lahmen WarmblüternDeutsche Warmblüter, Altersmedian dreieinhalb JahreHäufigkeit und Lage der Läsionen, Übereinstimmung zweier LesungenDass die gefundenen 4,25 Prozent das wahre Vorkommen abbilden
Gesunde Vergleichspferde sind in Studien klar definiertSystematische Übersichtsarbeit über 211 orthopädische PublikationenPublikationen der Jahre 1999 bis 2021Zahl und Art der Definitionen des gesunden PferdesDass sich Ergebnisse verschiedener Studien direkt vergleichen lassen

Grenzen und Unsicherheiten

  • Der Kern des Themas ist nicht studienbelegt: Die Klasseneinteilung und die daran geknüpften Prozentspannen stammen aus einem Konsenspapier der Tierärzteschaft, das nicht als Studie publiziert wurde. Alle hier zitierten Arbeiten prüfen Nachbarfragen, keine prüft die Klassen selbst.
  • Die einzigen längsschnittlichen Kohorten stammen aus dem Rennsport. Ihr Endpunkt ist der Rennstart oder die Gewinnsumme, nicht die Haltbarkeit eines Sport- oder Freizeitpferds, und die untersuchte Rasse ist eine andere als die im mitteleuropäischen Handel übliche.
  • Verkaufspopulationen sind ausgewählt: Pferde, die wegen eines Befundes gar nicht erst zur Auktion kamen, fehlen in jeder dieser Auswertungen. Schwere Läsionen sind dort daher unterrepräsentiert, und die berichteten Anteile unterschätzen ihr Vorkommen.
  • Die redaktionelle Vorgabe, mindestens die Hälfte der Quellen auf der Ebene systematische Übersicht, Metaanalyse oder randomisierter Versuch abzustützen, ist hier nicht erfüllbar: Nur zwei der verwendeten Arbeiten erreichen diese Ebene. Ein randomisierter Versuch ist in dieser Frage nicht durchführbar, da niemand Befunde zuteilen kann.
  • Die berichteten Häufigkeiten hängen vom Aufnahmeprotokoll ab. Eine der zitierten Arbeiten zeigte das selbst, indem die Sedierung die Entdeckungsrate am Knie veränderte; in einer anderen führte eine fehlende Aufnahmerichtung am Knie wahrscheinlich zu übersehenen Befunden.
  • Populationsbezogene Zahlen für die Schweiz waren in dieser Recherche nicht auffindbar. Die Daten stammen aus den Niederlanden, Grossbritannien, Irland, Deutschland, Belgien, den USA, Japan und Brasilien.

Offene Fragen

  • Was würde eine über zehn Jahre laufende Kohorte von Warmblütern ergeben, die bei der Ankaufsuntersuchung klassiert und danach mit einem vorher festgelegten Endpunkt begleitet werden?
  • Welche Befunde sollten getrennt ausgewiesen statt in einer Gesamtnote verrechnet werden, und ab wann verschlechtert das Zusammenfassen die Aussagekraft?
  • Verbessern strukturierte Kriterien und geschulte Lesung die Übereinstimmung zwischen Beurteilenden so weit, dass sich die Kaufentscheidungen messbar ändern?
  • Wie oft bildet sich ein Befund, der in eine höhere Klasse eingestuft wurde, im weiteren Wachstum zurück, und was bestimmt diesen Verlauf?

Häufige Fragen

Mein Pferd hat eine mittlere Röntgenklasse. Wie hoch ist das Risiko wirklich?

Diese Zahl gibt es in geprüfter Form nicht. Die Prozentspannen, die zu den Klassen genannt werden, stammen aus einem Konsenspapier der Tierärzteschaft und nicht aus einer Kohorte, die klassierte Pferde über Jahre begleitet hätte. Was es gibt, sind Verlaufsdaten aus dem Rennsport mit einem anderen Endpunkt: Dort nahmen rund acht von zehn geröntgten Jährlingen später mindestens einen Start auf, und die Mehrzahl der Befunde war mit der Leistung nicht verbunden. Eine Prozentzahl für Ihr Pferd lässt sich daraus nicht ableiten, weder nach oben noch nach unten.

Warum kommt eine zweite Praxis auf eine andere Klasse?

Weil die Beurteilung selbst schwankt, und das ist gemessen. Bei 60 Strahlbeinen war die mittlere Übereinstimmung zwischen drei Fachleuten gering, und dieselbe Person kam beim zweiten Lesen nur mässig oft zum gleichen Urteil. In einer weltweiten Befragung bewerteten 211 Tierärztinnen und Tierärzte dieselben Bilderserien, und bei jeder Abstufung blieb die Spannweite der Antworten breit. Verlässlich einig sind sich Erfahrene vor allem dann, wenn nichts zu sehen ist. Sobald ein häufiger Befund einzustufen ist, gehen die Urteile auseinander, am stärksten am Sprunggelenk.

Sind Röntgenbefunde bei jungen Pferden häufiger?

Bei sehr jungen Pferden ja, und viele verschwinden wieder. Lusitano-Fohlen zeigten vor dem ersten Lebensmonat zu gut drei Vierteln Zeichen einer Osteochondrose, mit 18 Monaten noch zu rund einem Sechstel, mit einem Rückgang bis in den zwölften Monat. Auch danach bleibt das Bild in Bewegung: Bei 58 jungen Sportpferden, zweimal im Abstand von rund neun Monaten geröntgt, hatte sich ein Viertel der gefundenen Läsionen verändert, war neu aufgetreten oder verschwunden. Ein Befundbericht beschreibt deshalb immer einen Tag, nicht einen Dauerzustand.

Ist ein Pferd ohne Befund das sicherere Pferd?

Das lässt sich mit den vorliegenden Daten nicht sagen. Zunächst ist ein Pferd ganz ohne Abweichung selten: Über alle untersuchten Gelenke hinweg blieben nur rund drei von zehn niederländischen Warmblut-Jährlingen unauffällig. Zweitens fanden sich in Schnittbildern von Springpferden im vollen Turniereinsatz Veränderungen, die auf keiner Röntgenaufnahme zu sehen waren. Ein sauberes Bild bedeutet also, dass mit dem gewählten Verfahren an den gewählten Stellen nichts gefunden wurde. Eine Aussage über die kommenden Jahre ist damit nicht verbunden.

Warum werden Sprunggelenk und Strahlbein so unterschiedlich bewertet?

Weil die Daten dort in verschiedene Richtungen zeigen. In einer Auswertung von 510 Ankaufsuntersuchungen ging ein hoher Grad am Strahlbein und am Hufbein mit Lahmheit einher, am Sprunggelenk dagegen seltener; von 21 Pferden mit dem höchsten Sprunggelenksgrad standen 20 bei der Nachbefragung weiter in Arbeit. Bei 91 Pferden mit durch Betäubung bestätigtem Sprunggelenksschmerz hing die Schwere der Bilder weder mit dem Grad noch mit der Dauer der Lahmheit zusammen. Eine Note über alle Regionen hinweg verwischt diesen Unterschied.

Lohnt sich eine ausführlichere Untersuchung mit mehr Aufnahmen?

Das ist eine Frage an die untersuchende Praxis, nicht an die Studienlage, aber eine Zahl gehört dazu. In einer britischen Auswertung von 133 Ankaufszertifikaten trugen 68,5 Prozent der ausführlich fünfstufig untersuchten Pferde einen nachteiligen Befund, gegenüber 34,1 Prozent der verkürzt zweistufig untersuchten. Mehr Untersuchung findet mehr, und ob das Gefundene Folgen hat, beantwortet die Zahl nicht. Der häufigste Grund für einen Vorbehalt war in dieser Auswertung ohnehin nicht das Röntgenbild, sondern eine Lahmheit.

Quellen

  1. Wrangberg T, Kendall A. Who Is Healthy? A Review of How Equine Control Groups Are Defined in Clinical Orthopaedic Research 1999-2021. Veterinary and Comparative Orthopaedics and Traumatology, 2022 (Systematische Übersichtsarbeit | Pferd)DOI 10.1055/s-0042-1745756
    Es besteht keine standardisierte Definition des gesunden Pferdes: Aus 2'472 und 2'746 gesichteten Referenzen blieben 127 Arbeiten zur Arthrose mit elf und 84 Arbeiten zu Sehnen- und Fesselträgererkrankungen mit acht verschiedenen Verfahren, im Median drei je Publikation, und in mehreren Studien wurden die Vergleichspferde nicht auf Lahmheit untersucht.
  2. Hoey S, Stokes D, McAllister H, Puggioni A. A systematic review evaluating the use of ultrasound in the identification of osteochondrosis in horses. The Veterinary Journal, 2022 (Systematische Übersichtsarbeit | Pferd)DOI 10.1016/j.tvjl.2022.105825
    Die Autoren halten fest, dass das Röntgenscreening auf Osteochondrose beim Kauf Routine ist, finden aber wegen zu weniger und zu unterschiedlicher Studien keine belastbaren Daten zur diagnostischen Genauigkeit des Ultraschalls für osteochondrale Läsionen.
  3. van Hoogmoed LM, Snyder JR, Thomas HL, Harmon FA. Retrospective evaluation of equine prepurchase examinations performed 1991-2000. Equine Veterinary Journal, 2003 (Kohortenstudie | Pferd)DOI 10.2746/042516403776014325
    In 510 Ankaufsuntersuchungen mit Röntgen in 61,6 Prozent der Fälle war ein hoher Befundgrad am Strahlbein und am Hufbein mit Lahmheit verbunden, am Sprunggelenk dagegen seltener, und 20 von 21 Pferden mit dem höchsten Grad an den kleinen Sprunggelenken standen bei der Nachbefragung weiter in Arbeit; die Autoren fordern die Auslegung im Licht der klinischen Untersuchung.
  4. Kane AJ, Park RD, McIlwraith CW, Rantanen NW. Radiographic changes in Thoroughbred yearlings. Part 1: Prevalence at the time of the yearling sales. Equine Veterinary Journal, 2003 (Querschnittstudie | Pferd)DOI 10.2746/042516403776014280
    Bei über 1'100 untersuchten Gliedmassenregionen hatten 98 Prozent der Jährlinge Gefässkanäle in den Gleichbeinen und 79 Prozent unregelmässige oder breite Kanäle, während die als bedenklich geltenden Befunde meist unter fünf Prozent lagen: Veränderungen sind die Norm, und die wirklich verdächtigen sind zu selten, um ihre Tragweite leicht zu belegen.
  5. Kane AJ, McIlwraith CW, Park RD, Rantanen NW. Radiographic changes in Thoroughbred yearlings. Part 2: Associations with racing performance. Equine Veterinary Journal, 2003 (Kohortenstudie | Pferd)DOI 10.2746/042516403776014307
    Von 1'162 geröntgten Jährlingen nahmen 946, also 81 Prozent, mindestens einen Start auf; die Mehrzahl der Befunde beeinflusste die spätere Leistung nicht, und selbst bei den drei ungünstigsten Befunden lief die Mehrheit der betroffenen Pferde, weshalb die Autoren ihre Ergebnisse ausdrücklich nur ergänzend zum klinischen Eindruck verstanden wissen wollen.
  6. Shelton AV, Tupper J, Bolt DM. Prejudicial findings regarding suitability for intended purpose during pre-purchase examinations in a mixed horse population-A retrospective observational study in the United Kingdom. Equine Veterinary Journal, 2024 (Querschnittstudie | Pferd)DOI 10.1111/evj.14061
    In 133 Ankaufszertifikaten trugen 57,1 Prozent der Pferde einen nachteiligen Befund, bei fünfstufiger Untersuchung 68,5 Prozent gegenüber 34,1 Prozent bei zweistufiger; häufigster Grund war die Lahmheit, nicht das Röntgenbild, und teurere Pferde wurden häufiger ausführlich untersucht.
  7. Barrett E, Arkins S. Abnormalities detected at pre-purchase examination of National Hunt racehorses presented at sale. Equine Veterinary Journal, 2019 (Querschnittstudie | Pferd)DOI 10.1111/evj.13164
    Bei 13'603 vor der Auktion untersuchten Vollblütern fanden sich bei 73,6 Prozent Auffälligkeiten, aber nur bei 12,0 Prozent als nachteilig eingestufte; die Verkaufsquote lag mit einem solchen Vermerk bei 38,1 Prozent gegenüber 77,6 Prozent ohne, womit die Arbeit die Marktwirkung misst und nicht die spätere Gesundheit.
  8. Wendling EM, Hellige M, Freise F, Lingens P. Prevalence and radiographic features of cyst-like lesions in German Warmblood horses presented for pre-purchase examination. Frontiers in Veterinary Science, 2026 (Kohortenstudie | Pferd)DOI 10.3389/fvets.2026.1809383
    Unter 3'863 nicht lahm vorgestellten deutschen Warmblütern fanden sich bei 4,25 Prozent zystenartige Läsionen, am häufigsten am Fesselbein und an den Oberschenkelrollen; die Übereinstimmung zweier Lesungen war nur bei objektiven Merkmalen sehr gut, und fehlende Aufnahmerichtungen führten wahrscheinlich zu übersehenen Befunden.
  9. Peat FJ, Kawcak CE, McIlwraith CW, Keenan DP. Radiological findings in the proximal sesamoid bones of yearling and 2-year-old Thoroughbred sales horses: Prevalence, progression and associations with racing performance. Equine Veterinary Journal, 2024 (Kohortenstudie | Pferd)DOI 10.1111/evj.14051
    Nur bestimmte Gleichbeinbefunde gingen mit einer geringeren Aussicht auf einen Rennstart und mit rund halbierten Gewinnsummen einher, während die häufige Abflachung an der Aussenseite keine Wirkung zeigte und bis zum Verkauf als Zweijährige meist verschwunden war; die Autoren schlagen vor, solche Befunde getrennt statt in einer Gesamtnote auszuweisen.
  10. Peat FJ, Kawcak CE, McIlwraith CW, Keenan DP. Subchondral lucencies of the medial femoral condyle in yearling and 2-year-old Thoroughbred sales horses: Prevalence, progression and associations with racing performance. Equine Veterinary Journal, 2023 (Kohortenstudie | Pferd)DOI 10.1111/evj.13945
    Aufhellungen unter dem Knorpel der inneren Oberschenkelrolle fanden sich bei 9,65 Prozent von 2'508 Jährlingen; beim schwersten Grad starteten 78 gegenüber 84 Prozent bei unauffälligem Knie, ohne Wirkung auf die Leistung der Startenden, und leichte Grade bildeten sich teils zurück, elf von 31 verschwanden bis zum Verkauf als Zweijährige.
  11. Argue BJ, Ahern BJ. Evaluation of agreement for radiographic lesions and risk for racing in thoroughbred yearling sale repository radiographs. Frontiers in Veterinary Science, 2024 (Querschnittstudie | Pferd)DOI 10.3389/fvets.2024.1430993
    Drei erfahrene Chirurgen erreichten über 30 Bilderserien bei 97,1 Prozent der bewerteten Stellen einen Konsens, wobei diese Quote ganz überwiegend unauffällige Stellen umfasst; die eigene Schlussfolgerung der Autoren ist enger, nämlich verlässliche Einigkeit über das Fehlen einer Läsion und Uneinigkeit über die Risikoeinstufung häufiger Befunde, am stärksten am Sprunggelenk.
  12. Groth AM, May SA, Weaver MP, Weller R. Intra- and interobserver agreement in the interpretation of navicular bones on radiographs and computed tomography scans. Equine Veterinary Journal, 2009 (Querschnittstudie | Pferd)DOI 10.2746/042516408x345125
    An 60 Strahlbeinen aus der Sektion war die mittlere Übereinstimmung zwischen drei Beurteilenden im Röntgen wie im Schnittbild gering und die Übereinstimmung derselben Person mit sich selbst nur mässig; das Schnittbild erhöhte die geäusserte Sicherheit ohne bessere Einigkeit, weshalb die Autoren den diagnostischen und prognostischen Gebrauch solcher Bewertungen infrage stellen.
  13. Looijen MGP, Hanousek K, Maree JTM, Visser MC. Inter- and intra-observer agreement for grading radiographs of thoracolumbar spinous processes in healthy horses during a pre-purchase examination. The Veterinary Record, 2021 (Querschnittstudie | Pferd)DOI 10.1002/vetr.1065
    Bei 100 gesunden Pferden war die Übereinstimmung dreier Beurteilender für klar umrissene Einzelmerkmale gut, für die Summe aller Auffälligkeiten eines Rückens dagegen nur mässig; die Autoren fordern, diese Grenzen bei der Ankaufsuntersuchung zu berücksichtigen.
  14. Byam-Cook KL, Singer ER. Is there a relationship between clinical presentation, diagnostic and radiographic findings and outcome in horses with osteoarthritis of the small tarsal joints?. Equine Veterinary Journal, 2009 (Fallserie | Pferd)DOI 10.2746/042516408x345107
    Bei 91 Pferden mit durch Gelenkbetäubung bestätigtem Schmerz in den kleinen Sprunggelenken bestand kein Zusammenhang zwischen der Schwere der Röntgenveränderungen und dem Grad oder der Dauer der Lahmheit; die Autoren erinnern daran, dass auch gesunde Pferde solche Zeichen zeigen, und halten die Betäubung für den diagnostischen Massstab.
  15. Pressanto MC, Pepe M, Coomer RPC, Pilati N. Radiographic abnormalities of the thoracolumbar spinous processes do not differ between yearling and trained Thoroughbred horses without perceived back pain. Journal of the American Veterinary Medical Association, 2023 (Querschnittstudie | Pferd)DOI 10.2460/javma.22.09.0419
    In 47 nie gerittenen Jährlingen und 55 trainierten Vollblütern ohne erkennbare Rückenschmerzen fanden sich in rund einem Drittel der Zwischenräume verengte oder sich berührende Dornfortsätze, ohne Unterschied zwischen den Gruppen, was für eine entwicklungsbedingte und gegen eine durch Training erworbene Entstehung spricht.
  16. Nagy A, Dyson S. Magnetic Resonance Imaging, Computed Tomographic and Radiographic Findings in the Metacarpophalangeal Joints of 31 Warmblood Showjumpers in Full Work and Competing Regularly. Animals, 2024 (Querschnittstudie | Pferd)DOI 10.3390/ani14101417
    Bei 31 regelmässig startenden Springpferden zeigten 53 von 62 Gliedmassen in Schnittbildverfahren eine Verdichtung an Rollkamm und Gelenkwalzen, die die Autoren als Anpassung an die Belastung deuten, während die gefundenen Knochenauflösungen unter dem Knorpel auf keiner Röntgenaufnahme erkennbar waren und ihre klinische Bedeutung offen bleibt.
  17. Van Cauter R, Serteyn D, Lejeune JP, Rousset A. Evaluation of the appearance of osteochondrosis lesions by two radiographic examinations in sport horses aged from 12 to 36 months. PLoS One, 2023 (Kohortenstudie | Pferd)DOI 10.1371/journal.pone.0286213
    Bei 58 jungen Sportpferden, im Mittel mit 407 und 680 Lebenstagen zweimal geröntgt, hatten sich 9 von 36 Läsionen zwischen den Untersuchungen verändert, waren neu aufgetreten oder verschwunden, und vier Pferde trugen ihren Befund nur an einem der beiden Termine: Der Befund ist also nach dem ersten Lebensjahr nicht stabil.
  18. Baccarin RY, Pereira MA, Roncati NV, Bergamaschi RR. Development of osteochondrosis in Lusitano foals: a radiographic study. The Canadian Veterinary Journal, 2012 (Kohortenstudie | Pferd)PMID 23543926
    Lusitano-Fohlen zeigten vor dem ersten Lebensmonat zu 76,08 Prozent radiologische Zeichen einer Osteochondrose an Sprunggelenk oder Knie, mit 18 Monaten noch zu 16,20 Prozent, mit Rückbildung bis in den zwölften Monat und damit später, als die bis dahin angenommenen Altersgrenzen erwarten liessen.
  19. Van Grevenhof EM, Ducro BJ, Van Weeren PR, Van Tartwijk JMFM. Prevalence of various radiographic manifestations of osteochondrosis and their correlations between and within joints in Dutch warmblood horses. Equine Veterinary Journal, 2009 (Querschnittstudie | Pferd)DOI 10.2746/042516408x334794
    Von 811 zufällig gezogenen Warmblut-Jährlingen hatten 60,7 Prozent am Knie, 68,6 Prozent am Sprunggelenk und 64,6 Prozent an den Fesselgelenken durchgehend normale Konturen, über alle Gelenke zusammen jedoch nur 30,5 Prozent; abgeflachte Konturen und Fragmente sind statistisch zwei verschiedene Erscheinungen und sollten getrennt bewertet werden.
  20. Miyakoshi D, Senba H, Shikichi M, Maeda M. A retrospective study of radiographic abnormalities in the repositories for Thoroughbreds at yearling sales in Japan. The Journal of Veterinary Medical Science, 2017 (Kohortenstudie | Pferd)DOI 10.1292/jvms.16-0425
    Von 1'082 Jährlingen nahmen 82, also 7,6 Prozent, nie einen Start auf; zwar bestand ein statistischer Zusammenhang zwischen bestimmten Befunden und dem ausbleibenden Start, doch bei zwölf einzeln nachverfolgten Pferden war keines am gefundenen Befund gescheitert, weshalb die Autoren einen ursächlichen Zusammenhang selbst infrage stellen.
  21. Esselman AM, Johnson SA, Frisbie DD, Barrett MF. Substantial variability exists in the interpretation of survey radiographs among equine veterinarians. Equine Veterinary Journal, 2024 (Querschnittstudie | Pferd)DOI 10.1111/evj.14045
    211 befragte Tierärztinnen und Tierärzte bewerteten dieselben Bilderserien in vier Abstufungen: Die Besorgnis stieg zwar mit dem Ausmass, blieb aber auf jeder Stufe breit gestreut, und die Richtung des Unterschieds hing von der Region ab, mit mehr Sorge um das Strahlbein und weniger um das Sprunggelenk bei den Fachtierärztinnen und Fachtierärzten.

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