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Zusammenfassung
Kotwasser ist kein eigenständiges Krankheitsbild, sondern eine Beobachtung: Der Kot wird in zwei Phasen abgesetzt, einer flüssigen und einer geformten. Eine Ursache ist bislang nicht belegt. Fünf Fall-Kontroll-Untersuchungen an insgesamt 259 Pferden prüften eine veränderte Darmflora, vier davon fanden keinen Unterschied zu Stallgefährten ohne Kotwasser. Auch Fütterung, Kotchemie und Faserlänge trennten Betroffene bisher nicht zuverlässig von Vergleichspferden.
20Primärquellen
20 %davon Stufe 1 bis 2
1untersuchte Arten
2005–2025Publikationsjahre
Das Wesentliche
In einer telefonischen Erhebung zu 1'861 Schweizer Warmblutpferden zwischen sechs und sechzehn Jahren nannten 9 Prozent der Haltenden Kotwasser, hinter Lahmheit mit 34 und Kolik mit 22 Prozent.
Fünf Fall-Kontroll-Studien verglichen die Kotflora von 122 betroffenen mit 137 nicht betroffenen Pferden: vier fanden keinen bedeutsamen Unterschied, eine fand einen, dessen Effektstärken die Autoren selbst als bescheiden bezeichnen.
In 50 nach Betrieb zugeordneten Paaren erhielten betroffene Pferde gleich viel Anwelksilage, aber doppelt so viel Kraftfutter je 100 Kilogramm Körpermasse; die Autoren nennen diese Unterschiede selbst klein.
Kurzkettige Fettsäuren, pH-Wert und Osmolalität des Kots waren zwischen den Gruppen ähnlich, und in der deutschen Teilstudie mit 32 Paaren unterschied sich keine einzige der gemessenen Grössen.
Nach einer Übertragung von Darmflora auf zehn betroffene Pferde war der Schweregrad bis zum 168. Tag geringer, ohne dass sich ihre Kotflora änderte, und ohne Vergleichsgruppe.
Was Kotwasser ist, und wie oft es genannt wird
Kotwasser bezeichnet kein eigenständiges Krankheitsbild, sondern eine Beobachtung: Das Pferd setzt seinen Kot in zwei getrennten Phasen ab, einer dunklen, dünnflüssigen und einer geformten. Die Flüssigkeit tritt vor, während oder nach dem Kotabsatz aus, verklebt Schweif und Hinterhand und reizt die Haut. Von Durchfall unterscheidet sich das Bild darin, dass die Kotballen selbst geformt bleiben. In der amerikanischen Untersuchung von 2025 wurden Pferde mit dauerhaft weichem Kot deshalb ausdrücklich ausgeschlossen.
Wie häufig das vorkommt, ist für die Schweiz einmal erhoben worden. In einer telefonischen Befragung zu 1'861 Schweizer Warmblutpferden im Alter von sechs bis sechzehn Jahren nannten 9 Prozent der Haltenden Kotwasser. Zum Vergleich lagen Lahmheit bei 34, Kolik bei 22 und Rückenprobleme bei 13 Prozent. Die Angaben stammen aus der Erinnerung der Haltenden, ohne tierärztliche Bestätigung und ohne festgelegte Falldefinition: eine Grössenordnung, keine gemessene Prävalenz.
Trifft es bestimmte Rassen oder Haltungsformen?
In einer Online-Erhebung zu 339 betroffenen Pferden verteilten sich Rassen, Alter, Disziplinen, Fellfarben, Haltungssysteme und Fütterungsstrategien breit über alle erfassten Kategorien. Die Autoren schliessen daraus, dass die Fütterung eine Rolle spielen kann, ihre Verteilung das Auftreten aber nicht allein erklärt. Ein Risikoprofil, das ein einzelnes Pferd einordnet, lässt sich aus diesen Daten nicht ableiten.
Die Mikrobiom-Hypothese: fünf Untersuchungen, ein Widerspruch
Die am häufigsten genannte Erklärung lautet, die Darmflora betroffener Pferde sei aus dem Gleichgewicht geraten. Diese Annahme ist geprüft worden, fünfmal, in Europa und in Nordamerika, jeweils im Vergleich mit nicht betroffenen Pferden desselben Betriebs. Zusammengenommen wurden 122 betroffene und 137 Vergleichspferde untersucht. Vier dieser Arbeiten fanden keinen bedeutsamen Unterschied in der Zusammensetzung der Kotflora. Eine fand einen, und ihre Autoren nennen die Effektstärken selbst bescheiden.
Die Schweizer Arbeit verglich 16 betroffene mit 15 im selben Stall gehaltenen Pferden und beprobte sie im Frühling und im Herbst desselben Jahres. Weder nach Jahreszeit noch nach Gesundheitszustand unterschied sich die Zusammensetzung der Gemeinschaft auf irgendeiner taxonomischen Ebene, und auch die Vielfalt war gleich. Die Rolle des Mikrobioms bei der Entstehung, schreiben die Autoren, bleibe zu klären.
Die umfangreichste Untersuchung stammt aus Schweden und Norwegen: 50 betroffene Pferde, 50 nach Betrieb zugeordnete Vergleichspferde, drei Beprobungszeiträume vom Herbst bis zum Spätwinter. Die Gesamtzusammensetzung war zwischen den Gruppen ähnlich, der Zeitpunkt der Probenahme wirkte dagegen deutlich. 14 Gattungen kamen in mindestens einem Zeitraum unterschiedlich häufig vor, Alloprevotella häufiger und Bacillus seltener bei den Betroffenen. Alle Pferde waren kulturell negativ für Clostridioides difficile und Clostridium perfringens.
Zwei weitere Arbeiten mit zehn gegen zehn und mit 14 gegen 11 Pferden fanden ebenfalls keinen Unterschied. Die zweite hält ausdrücklich fest, dass sich die zuvor erschienenen europäischen Arbeiten untereinander widersprachen. Erst die amerikanische Untersuchung an 32 betroffenen und 51 nicht betroffenen Pferden fand eine unterschiedliche Struktur der Gemeinschaft und mehrere unterschiedlich häufige Gruppen, darunter erneut Alloprevotella. Die Autoren fordern selbst grössere Fallzahlen.
Die fünf bisher veröffentlichten Fall-Kontroll-Untersuchungen des Kotmikrobioms bei Kotwasser, in der Reihenfolge ihres Erscheinens.
Untersuchung
Betroffene gegen Vergleich
Beprobung
Ergebnis
Schweiz, 2020
16 gegen 15
Frühling und Herbst desselben Jahres
Kein Unterschied in Zusammensetzung und Vielfalt
Schweden und Norwegen, 2021
50 gegen 50
Drei Zeiträume vom Herbst bis zum Spätwinter
Gesamtzusammensetzung ähnlich, deutlicher Effekt des Zeitpunkts
Arbeit mit Transplantationsteil, 2021
10 gegen 10
Vergleichspferde vom selben Standort
Kein Unterschied in der Zusammensetzung
Kanada, 2024
14 gegen 11
Einmalig im Herbst
Kein Unterschied; die Autoren halten den Widerspruch der Vorarbeiten fest
Vereinigte Staaten, 2025
32 gegen 51
Einmalig, Falldefinition tierärztlich bestätigt
Unterschiedliche Struktur der Gemeinschaft, Effektstärken laut Autoren bescheiden
Fütterung und Haltung: kleine Unterschiede, keine Ursache
Die zweite grosse Hypothese betrifft die Ration. Eine Fall-Kontroll-Studie an 50 nach Betrieb zugeordneten Paaren in Schweden und Norwegen verglich Fütterung und Haltung im Detail. Die durchschnittliche Menge an Anwelksilage war in beiden Gruppen gleich, die Haltungspraxis ebenfalls. Betroffene Pferde erhielten jedoch doppelt so viel Kraftfutter je 100 Kilogramm Körpermasse und Tag, mehr Stärke und mehr wasserlösliche Kohlenhydrate, dafür weniger verdauliches Rohprotein, weniger Faser sowie weniger Stroh und Luzerne.
Die Autoren bezeichnen diese Unterschiede selbst als klein und stellen sie als Ansatzpunkte für weitere Studien dar, nicht als Ursachen. Zwei Gründe sprechen für diese Zurückhaltung. Die Rationen wurden von den Haltenden angegeben und nicht gewogen. Und die Reihenfolge ist offen: Wer seit Monaten Kotwasser wischt, ändert die Fütterung, was den beobachteten Unterschied ebenso gut erzeugt haben kann.
Hilft der Wechsel von Anwelksilage auf Heu?
In der Erhebung an 339 Pferden berichteten 58 Prozent der Haltenden weniger Anzeichen nach dem Wechsel von Anwelksilage auf Heu und 46 Prozent nach dem Wechsel auf Weide. Bemerkenswert ist die dritte Zahl: 17 Prozent sahen bereits nach einem blossen Chargenwechsel derselben Futterart eine Besserung. Alle drei Angaben sind Eindrücke ohne Vergleichsgruppe.
Eine Fallserie von 2022 beschreibt ein einzelnes Pferd, dessen Kotwasser sich nach einem Heuwechsel besserte. Dieselben Autoren halten im selben Text fest, dass die Ursache des Syndroms unbekannt bleibt. Ein Fall ohne Vergleich bleibt ein Fall ohne Vergleich.
Was im Kot selbst gemessen wurde
Wenn Flüssigkeit den Kot verlässt, liegt es nahe, den Kot selbst zu untersuchen. Genau das geschah in zwei Teilstudien: 50 Paare in Skandinavien zu drei Zeitpunkten und 32 Paare in Deutschland einmalig. Die Gesamtmenge kurzkettiger Fettsäuren, der pH-Wert und die Osmolalität waren zwischen betroffenen und nicht betroffenen Pferden ähnlich. Die Autoren lesen das als Hinweis auf eine ähnlich verlaufende Gärung.
Unterschiede zeigten sich nur in der skandinavischen Teilstudie, und nur zwei: weniger Milchsäure und eine geringere Wasserbindungskapazität des Kots bei den betroffenen Pferden. In der deutschen Teilstudie mit 32 Paaren unterschied sich keine einzige der untersuchten Grössen. Die Partikelgrössenverteilung war in beiden Teilstudien gleich, was der verbreiteten Vorstellung von zu groben, ungebundenen Fasern die Grundlage entzieht.
Dass die Faserzusammensetzung des Grundfutters die Wasserverteilung tatsächlich verschiebt, zeigte ein Versuch an sechs französischen Trabern. Mit einem früh geschnittenen Grundfutter band der Kot 12,6 Gramm Wasser je Gramm Trockenmasse gegenüber 11,1 und 11,4 Gramm bei den späteren Schnitten. Über den Kot verliessen 13,1 statt 18,8 und 17,6 Kilogramm Wasser den Körper, über den Harn dafür 10,5 statt 7,6 und 7,9 Kilogramm. Aufnahme und Gesamtausscheidung blieben gleich.
Behandlungsversuche und was sie über die Ursache verraten
Eine vermutete Ursache lässt sich prüfen, indem man sie beseitigt und beobachtet, was geschieht. Bei Kotwasser ist das mehrfach versucht worden, und jedes Mal steht das Ergebnis quer zur Erwartung.
Ein Präparat mit Montmorillonit und Bentonit, Molke sowie Hopfen- und Wermutauszügen wurde an acht Pferden in einem vollständigen Wechselversuch geprüft, bei dem jedes Tier sich selbst als Vergleich diente. Keiner der zwölf gemessenen Kotparameter veränderte sich, vom Kotscore über den pH-Wert bis zu den flüchtigen Fettsäuren. Die Autoren weisen selbst darauf hin, dass diese Pferde gesund waren, und fordern Versuche an betroffenen Tieren.
Bei zehn betroffenen Pferden wurde Darmflora eines Spenders übertragen. Der tierärztlich erhobene Schweregrad war am 14. Tag geringer und blieb es bis zum 168. Tag, ohne dass sich die Kotflora der Empfänger veränderte. Es gab keine Vergleichsgruppe, keine Verblindung und eine eigens für diese Studie gebaute Skala von 0 bis 4. Eine Besserung ohne Vergleichsgruppe ist mit dem natürlichen Auf und Ab des Symptoms vereinbar; die Autoren fordern deshalb kontrollierte Studien.
Für die Übertragung von Darmflora beim Pferd insgesamt kommt eine systematische Übersicht von 2023 zum selben Schluss: sieben Arbeiten, durchweg kleine Fallzahlen, überwiegend ohne Kontrollgruppe, keine belastbaren Angaben zu Spenderauswahl, Menge und Vorgehen. In einem randomisierten Versuch an 25 Fohlen mit Durchfall unterschieden sich Überleben und Abklingen des Durchfalls zwischen den Gruppen nicht. Fohlen mit Durchfall sind keine erwachsenen Pferde mit Kotwasser.
Probiotika sind bei Kotwasser nie in einer kontrollierten Studie geprüft worden. Eine Übersichtsarbeit von 2018 hält fest, dass ein allgemeiner Nutzen beim Pferd derzeit nicht gestützt ist, dass gut gebaute Studien selten und in ihren Ergebnissen widersprüchlich sind und dass die Etiketten frei verkäuflicher Produkte den Inhalt oft nicht abbilden. In einem randomisierten Feldversuch an 38 neugeborenen Fohlen erhöhte ein Mehrstamm-Präparat nicht einmal den Anteil der Laktobazillen im Kot.
Ein letzter Befund verdient Aufmerksamkeit, weil er eine ganze Erklärung umstösst. Dass sich die Kotkonsistenz unter dem Wirkstoff Clioquinol bessert, wurde lange einer Wirkung gegen Einzeller zugeschrieben. Eine Untersuchung an acht gesunden Pferden zeigte stattdessen eine breite antibakterielle Wirkung: am fünften Tag ein Rückgang der Artenvielfalt um 90 Prozent, die Ausbreitung fakultativ anaerober Familien und Salmonellen im Kot mehrerer Tiere. Die Autoren mahnen zur Zurückhaltung.
Warum die Ergebnisse auseinanderlaufen
Warum kommen fünf Untersuchungen derselben Frage zu verschiedenen Antworten? Der erste Grund ist die Falldefinition. In der schwedischen Arbeit stuften die Haltenden nach einer vorgegebenen Vorlage ein, danach prüfte eine unabhängige Person nach, ohne bedeutsame Abweichung. In der amerikanischen Arbeit bestätigte eine tierärztliche Aufsicht die Zweiphasigkeit. Die kanadische Publikation nennt kein Kriterium.
Der zweite Grund ist die Grösse. Die umfangreichste Mikrobiom-Arbeit umfasst 100 Pferde, die kleinste 20. Findet eine solche Studie keinen Unterschied, heisst das nicht, dass keiner besteht: Es heisst, dass keiner in dieser Grössenordnung sichtbar wurde. Kleine Unterschiede bleiben unter der Nachweisgrenze.
Der dritte Grund liegt im Messort. Untersucht wird ausschliesslich der Kot, also das Endprodukt. Was im Blinddarm und im vorderen Grimmdarm geschieht, wo die Faser vergoren wird und wo grosse Wassermengen bewegt werden, bleibt in allen bisherigen Arbeiten unbeobachtet.
Der vierte Grund ist begrifflich. Eine Übersichtsarbeit von 2024 hält fest, dass die Schwankung des Kotmikrobioms innerhalb desselben Pferdes und zwischen Pferden so gross ist, dass für das Pferd bis heute keine klare Definition von Dysbiose gelungen ist, und dass für keine Erkrankung ein eindeutiger ursächlicher Zusammenhang mit einer Dysbiose gezeigt wurde. Ohne Massstab lässt sich keine Abweichung feststellen.
Jahreszeit, Futterwechsel und die Frage der Reihenfolge
Die Nachfrage nach Erklärungen steigt im Herbst, wenn das Grundfutter wechselt. Ob Kotwasser dann häufiger auftritt, hat keine der vorliegenden Arbeiten gemessen. Gemessen wurde etwas anderes: In der schwedischen Untersuchung veränderte sich die Kotflora aller Pferde deutlich zwischen Oktober, Jahreswechsel und Spätwinter, bei betroffenen und nicht betroffenen gleichermassen. Der Zeitpunkt der Probenahme wirkte stärker als der Gesundheitszustand.
In der Schweizer Arbeit unterschieden sich Frühling und Herbst dagegen nicht. Beide Ergebnisse zusammen mahnen zur Vorsicht bei jeder Momentaufnahme: Wer betroffene und gesunde Pferde zu verschiedenen Zeitpunkten beprobt, misst am Ende die Jahreszeit.
Dazu kommt die Frage der Reihenfolge. Alle bisherigen Arbeiten sind Fall-Kontroll-Studien: Sie vergleichen zwei Gruppen zu einem Zeitpunkt und können nicht sagen, ob ein Unterschied dem Symptom vorausging oder ihm folgte. Bei einem Symptom, das kommt und geht und das Haltende regelmässig dazu bewegt, Ration und Haltung zu ändern, ist das keine Nebenfrage, sondern die Frage.
Wenn keine Ursache belegt ist, was heisst das für mich?
Es heisst nicht, dass es keine Ursache gibt, und auch nicht, dass nichts zu tun wäre. Es heisst, dass bisher kein Mittel und kein Fütterungsschema seine Wirkung bei betroffenen Pferden gezeigt hat. Anhaltendes Kotwasser, wunde Haut, Gewichtsverlust oder Kolikzeichen gehören in die tierärztliche Untersuchung, nicht in einen Versuchsplan aus dem Internet.
Was in dieser Recherche gar nicht gemessen wurde
Ebenso aufschlussreich wie die widersprüchlichen Ergebnisse ist die Liste der Erklärungen, zu denen sich überhaupt nichts findet. Für Zahnstatus, Rangordnung in der Gruppe, psychische Belastung, Entwurmungsplan und Bewegungsumfang liess sich in dieser Recherche keine Untersuchung an Pferden mit Kotwasser finden. Diese Erklärungen sind nicht widerlegt. Sie sind ungeprüft.
Beim Sand liegt der Fall noch feiner. Der Verdacht wurde untersucht, aber am falschen Kollektiv: Eine Arbeit von 2024 verglich 74 Kolikpferde mit 74 Vergleichspferden und fand Trockenmasse, Partikelgrössenverteilung und Sandscore des Kots zwischen den Gruppen ähnlich. Das sagt etwas über den Wert des Sandtests bei Kolik. Über Kotwasser sagt es nichts, weil dieselbe Frage bei betroffenen Pferden nie gestellt wurde.
Und es fehlt das Naheliegendste. Kein randomisierter, kontrollierter Versuch einer Fütterungs- oder Haltungsänderung an betroffenen Pferden. Keine Verlaufsbeobachtung derselben Tiere über ein volles Jahr mit einheitlicher Erfassung. Das ist der eigentliche Befund dieses Feldes, und er erklärt, warum die Beratung so weit auseinandergeht: Wo nichts gemessen wurde, füllt Erfahrung die Lücke, und Erfahrung widerspricht sich.
Prüfstand der Ursachenhypothesen zum Kotwasser
Eigene Auswertung
Für jede Erklärung, die in der Beratung zu Kotwasser regelmässig auftaucht, wurde das methodisch stärkste in dieser Recherche gefundene Studiendesign eingetragen, dazu die Frage, ob überhaupt an betroffenen Pferden gemessen wurde, das berichtete Ergebnis und in der letzten Spalte der Schluss, der daraus gerade nicht folgt.
Hypothese
Stärkstes gefundenes Design
An betroffenen Pferden geprüft
Ergebnis
Was daraus nicht folgt
Gestörte Darmflora
Fünf Fall-Kontroll-Studien, 122 Betroffene und 137 Vergleichspferde
Ja
Vier ohne Unterschied, eine mit kleinem Unterschied in der Struktur der Gemeinschaft
Dass eine Dysbiose ausgeschlossen ist: dafür sind die Fallzahlen zu klein
Zu viel Kraftfutter und Stärke
Fall-Kontroll-Studie an 50 Paaren, Rationen von Haltenden angegeben
Ja
Doppelte Kraftfuttermenge je 100 Kilogramm bei Betroffenen, von den Autoren selbst klein genannt
Dass weniger Kraftfutter das Kotwasser vermindert
Anwelksilage statt Heu
Online-Erhebung an 339 Pferden ohne Vergleichsgruppe
Ja
58 Prozent der Haltenden berichten weniger Anzeichen nach dem Wechsel auf Heu
Dass die Konservierungsart die Ursache ist: auch ein blosser Chargenwechsel brachte Besserungen
Zu grobe Fasern, die kein Wasser binden
Fall-Kontroll-Studie mit Partikelmessung, 50 und 32 Paare
Ja
Partikelgrössenverteilung in beiden Teilstudien ähnlich, Wasserbindung nur in einer niedriger
Dass die Faserlänge des Futters das Symptom erklärt
Entgleiste Dickdarmgärung
Chemische Analyse der Fäzes, 50 und 32 Paare
Ja
Kurzkettige Fettsäuren, pH-Wert und Osmolalität zwischen den Gruppen ähnlich
Dass die Gärung unauffällig ist: gemessen wurde am Kot, nicht im Dickdarm
Clostridien als Auslöser
Kulturelle Untersuchung innerhalb der Fall-Kontroll-Studie an 50 Paaren
Ja
Alle Pferde negativ für Clostridioides difficile und Clostridium perfringens
Dass Erreger keine Rolle spielen: geprüft wurden nur diese beiden
Einzeller im Dickdarm
Untersuchung zur Wirkung von Clioquinol an acht gesunden Pferden
Nein
Der Wirkstoff wirkt breit antibakteriell statt gezielt gegen Einzeller
Dass Einzeller keine Rolle spielen: die Frage wurde an Betroffenen nie gestellt
Sand im Dickdarm
Fall-Kontroll-Studie an 74 Kolik- und 74 Vergleichspferden
Nein, an Kolikpferden
Trockenmasse, Partikelgrösse und Sandscore zwischen den Gruppen ähnlich
Irgendetwas über Kotwasser: das untersuchte Kollektiv war ein anderes
Tonmineralien als Abhilfe
Vollständiger Wechselversuch an acht gesunden Pferden
Nein
Kein Effekt auf einen einzigen der zwölf gemessenen Kotparameter
Dass das Produkt bei betroffenen Pferden unwirksam ist: sie waren nicht dabei
Übertragung von Darmflora
Serie ohne Kontrollgruppe, zehn betroffene Pferde
Ja
Schweregrad bis zum 168. Tag geringer, Kotflora unverändert
Dass die Übertragung wirkt: ohne Vergleichsgruppe ist die Besserung nicht zuzuordnen
Zähne, Rangordnung, Stress, Entwurmung
In dieser Recherche keine Untersuchung an Pferden mit Kotwasser gefunden
Nein
Kein Ergebnis, weil keine Messung
Dass diese Erklärungen widerlegt wären: sie sind ungeprüft
Grenzen und Unsicherheiten
Zum Kotwasser existiert weder eine systematische Übersichtsarbeit noch ein randomisierter, kontrollierter Versuch an betroffenen Pferden. Die redaktionelle Vorgabe, mindestens die Hälfte der Quellen auf der Ebene systematische Übersicht, Metaanalyse oder randomisierter Versuch abzustützen, ist in diesem Feld nicht erfüllbar: nur vier der hier verwendeten Arbeiten erreichen diese Ebene, und keine davon untersucht Kotwasser.
Die Falldefinition ist zwischen den Arbeitsgruppen nicht standardisiert. Einmal stufen die Haltenden nach Vorlage ein, einmal bestätigt eine tierärztliche Aufsicht die Zweiphasigkeit, einmal nennt die Publikation gar kein Kriterium. Wer unterschiedlich auswählt, vergleicht unterschiedliche Pferde.
Alle Untersuchungen messen ausschliesslich am Kot. Blinddarm und vorderer Grimmdarm, wo die Faser vergoren wird und wo grosse Wassermengen bewegt werden, sind bislang bei keinem betroffenen Pferd untersucht worden.
Die Fallzahlen liegen zwischen 20 und 100 Pferden. Ein fehlender Unterschied in einer Gruppe dieser Grösse schliesst einen kleinen Unterschied nicht aus, und ein gefundener Unterschied kann bei so wenigen Tieren auf wenigen Einzelwerten beruhen.
Die Schweizer Häufigkeitszahl von 9 Prozent beruht auf telefonischen Angaben der Haltenden ohne tierärztliche Bestätigung, beschränkt auf eine Rasse und auf Pferde zwischen sechs und sechzehn Jahren. Sie ist nicht auf alle Schweizer Pferde übertragbar.
Das Fall-Kontroll-Design aller vorliegenden Arbeiten gibt keine Richtung an. Ob ein gefundener Unterschied dem Symptom vorausging oder eine Folge davon ist, unter anderem einer vom Halter geänderten Ration, lässt sich damit nicht entscheiden.
Offene Fragen
Geht die geringere Wasserbindungskapazität des Kots dem Symptom voraus, oder ist sie seine Folge?
Was geschieht im Blinddarm und im vorderen Grimmdarm betroffener Pferde, wo bisher niemand gemessen hat?
Warum bessert sich der Schweregrad nach einer Übertragung von Darmflora, ohne dass sich die Kotflora messbar ändert?
Lässt sich eine Falldefinition finden, die zwischen Arbeitsgruppen und Ländern dasselbe misst?
Häufige Fragen
Warum hat mein Pferd Kotwasser?
Darauf gibt es bislang keine belegte Antwort. Geprüft wurden vor allem zwei Erklärungen. Fünf Fall-Kontroll-Studien verglichen die Kotflora betroffener Pferde mit der von Stallgefährten ohne Kotwasser: vier fanden keinen bedeutsamen Unterschied, eine fand einen mit nach eigener Aussage bescheidenen Effektstärken. Eine Untersuchung von Fütterung und Haltung an 50 Paaren fand kleine Unterschiede beim Kraftfutter, die ihre Autoren ausdrücklich nicht als Ursachen bezeichnen. Auch die chemische Zusammensetzung des Kots und die Faserlänge trennten betroffene und nicht betroffene Pferde nicht zuverlässig. Der ehrliche Stand lautet: mehrere plausible Erklärungen, keine bestätigte.
Was hilft gegen Kotwasser?
Kein Mittel und kein Fütterungsschema hat bei betroffenen Pferden in einer kontrollierten Studie eine Wirkung gezeigt, weil es solche Studien nicht gibt. Ein Präparat mit Tonmineralien veränderte in einem Wechselversuch an acht gesunden Pferden keinen einzigen der zwölf gemessenen Kotparameter. Nach einer Übertragung von Darmflora auf zehn betroffene Pferde sank der Schweregrad bis zum 168. Tag, allerdings ohne Vergleichsgruppe und ohne Veränderung der Kotflora, was auch zum natürlichen Auf und Ab des Symptoms passt. Für Probiotika liegt bei Kotwasser keine Studie vor. Was im Einzelfall sinnvoll ist, gehört in die tierärztliche Beurteilung.
Ist Kotwasser gefährlich für mein Pferd?
Die vorliegenden Daten erlauben dazu keine klare Aussage. In der amerikanischen Untersuchung galten die betroffenen Pferde in der klinischen Untersuchung ansonsten als gesund, und Pferde mit dauerhaftem Durchfall wurden ausdrücklich ausgeschlossen. In der Erhebung an 339 Pferden hatten allerdings 23 Prozent eine Kolik in der Vorgeschichte, was die Autoren im Vergleich zu anderen veröffentlichten Pferdepopulationen als hoch einstufen; ob dahinter ein Zusammenhang oder die Selbstauswahl einer Online-Befragung steht, ist offen. Regelmässig beschrieben wird die Reizung der Haut an Hinterhand und Schweif. Gewichtsverlust, Fieber oder Kolikzeichen gehören immer in die tierärztliche Untersuchung.
Kommt Kotwasser im Winter häufiger vor?
Ob es im Winter häufiger auftritt, ist nie gemessen worden. Gemessen wurde etwas anderes, und das ist aufschlussreich: In der schwedisch-norwegischen Untersuchung mit drei Beprobungszeiträumen vom Herbst bis zum Spätwinter veränderte sich die Kotflora aller Pferde deutlich mit dem Zeitpunkt, bei betroffenen und nicht betroffenen gleichermassen. Dieser Zeiteffekt war klarer als jeder Unterschied zwischen den Gruppen. In der Schweizer Arbeit unterschieden sich Frühling und Herbst dagegen nicht. Wer Kotwasser im Winter häufiger wahrnimmt, beobachtet zudem unter anderen Bedingungen: mehr Stallzeit, mehr Zeit am Pferd und konserviertes Grundfutter statt Weide.
Soll ich von Silage auf Heu umstellen?
Diese Frage lässt sich mit den vorliegenden Daten nicht beantworten. In der Erhebung an 339 Pferden berichteten 58 Prozent der Haltenden weniger Anzeichen nach dem Wechsel von Anwelksilage auf Heu und 46 Prozent nach dem Wechsel auf Weide. Das sind Eindrücke ohne Vergleichsgruppe und ohne Messung, erhoben bei einem Symptom, das ohnehin schwankt. Bemerkenswert ist die dritte Zahl derselben Erhebung: 17 Prozent sahen bereits nach einem blossen Wechsel der Charge derselben Futterart eine Besserung. Das passt schlecht zu einer einzelnen Ursache in der Konservierungsart. Futterumstellungen betreffen zudem den ganzen Verdauungstrakt und gehören besprochen.
Bringt ein Probiotikum etwas?
Für Kotwasser liegt dazu keine einzige Studie vor. Eine Übersichtsarbeit von 2018 hält für das Pferd allgemein fest, dass ein Nutzen derzeit nicht gestützt ist, dass gut gebaute Studien selten und widersprüchlich sind und dass Etiketten frei verkäuflicher Produkte den tatsächlichen Inhalt oft nicht abbilden. In einem randomisierten Feldversuch an 38 neugeborenen Fohlen erhöhte ein Mehrstamm-Präparat nicht einmal den Anteil der Laktobazillen im Kot. Eine ältere randomisierte Studie an 14 Pferden mit akuter Enterokolitis zeigte unter einer Hefe einen milderen und kürzeren Verlauf: ein anderes Krankheitsbild, in dieser Frage nie wiederholt.
Quellen
Schoster A, Weese JS, Gerber V, Nicole Graubner C. Dysbiosis is not present in horses with fecal water syndrome when compared to controls in spring and autumn. Journal of Veterinary Internal Medicine, 2020 (Fall-Kontroll-Studie | Pferd)DOI 10.1111/jvim.15778 Bei 16 betroffenen und 15 im selben Stall gehaltenen Vergleichspferden, beprobt im Frühling und im Herbst, bestanden nur begrenzte Unterschiede im bakteriellen Mikrobiom, unabhängig von der Jahreszeit, und die Rolle des Mikrobioms bei der Entstehung bleibt laut den Autoren offen.
Lindroth KM, Dicksved J, Pelve E, Båverud V. Faecal bacterial composition in horses with and without free faecal liquid: a case control study. Scientific Reports, 2021 (Fall-Kontroll-Studie | Pferd)DOI 10.1038/s41598-021-83897-4 Bei 50 Paaren und drei Beprobungszeiträumen war die bakterielle Zusammensetzung des Kots zwischen betroffenen und nicht betroffenen Pferden ähnlich, mit deutlichem Effekt des Zeitpunkts, und die Autoren halten fest, dass die klinische Bedeutung der 14 unterschiedlich häufigen Gattungen erst noch zu belegen ist.
Laustsen L, Edwards JE, Hermes GDA, Lúthersson N. Free Faecal Water: Analysis of Horse Faecal Microbiota and the Impact of Faecal Microbial Transplantation on Symptom Severity. Animals, 2021 (Fall-Kontroll-Studie | Pferd)DOI 10.3390/ani11102776 Zehn betroffene Pferde unterschieden sich im Kotmikrobiom nicht von zehn Vergleichspferden, und nach einer Übertragung von Darmflora sank der Schweregrad vorübergehend bis zum 168. Tag, ohne dass sich das Mikrobiom änderte; die Autoren fordern Studien mit Kontrollgruppen.
Wester RJ, Baillie LL, McCarthy GC, Keever CC. Dysbiosis not observed in Canadian horse with free fecal liquid (FFL) using 16S rRNA sequencing. Scientific Reports, 2024 (Fall-Kontroll-Studie | Pferd)DOI 10.1038/s41598-024-63868-1 Bei 14 betroffenen und 11 gesunden Pferden derselben Ställe fand sich kein bedeutsamer Unterschied der Kotflora, was nach Ansicht der Autoren gegen eine Verbindung von Dysbiose und Kotwasser spricht; sie halten zugleich fest, dass sich die drei europäischen Vorarbeiten widersprachen.
Porter MM, Davis DJ, McAdams ZL, Townsend KS. Alterations in the Microbiome of Horses Affected with Fecal Water Syndrome. Veterinary Sciences, 2025 (Fall-Kontroll-Studie | Pferd)DOI 10.3390/vetsci12080724 Bei 32 betroffenen und 51 nicht betroffenen Pferden unterschied sich die Struktur der bakteriellen Gemeinschaft, mit Anreicherung unter anderem von Alloprevotella bei den Betroffenen; die Autoren bezeichnen die Effektstärken selbst als bescheiden und fordern grössere Fallzahlen.
Lindroth KM, Lindberg JE, Johansen A, Müller CE. Feeding and Management of Horses with and without Free Faecal Liquid: A Case-Control Study. Animals, 2021 (Fall-Kontroll-Studie | Pferd)DOI 10.3390/ani11092552 In 50 nach Betrieb zugeordneten Paaren erhielten betroffene Pferde gleich viel Anwelksilage und dieselbe Haltung, aber doppelt so viel Kraftfutter je 100 Kilogramm sowie mehr Stärke und weniger Faser; die Autoren nennen diese Unterschiede klein und stellen sie als Ansatzpunkte für weitere Studien dar.
Lindroth KM, Dicksved J, Vervuert I, Müller CE. Chemical composition and physical characteristics of faeces in horses with and without free faecal liquid - two case-control studies. BMC Veterinary Research, 2022 (Fall-Kontroll-Studie | Pferd)DOI 10.1186/s12917-021-03096-1 Kurzkettige Fettsäuren, pH-Wert und Osmolalität waren zwischen betroffenen und nicht betroffenen Pferden ähnlich, was auf eine ähnlich verlaufende Gärung deutet; niedrigere Milchsäure und Wasserbindungskapazität zeigten sich nur in der skandinavischen Teilstudie, während in der deutschen Teilstudie mit 32 Paaren keine Grösse abwich.
Lindroth KM, Johansen A, Båverud V, Dicksved J. Differential Defecation of Solid and Liquid Phases in Horses-A Descriptive Survey. Animals, 2020 (Querschnittstudie | Pferd)DOI 10.3390/ani10010076 In einer Erhebung zu 339 betroffenen Pferden waren Rassen, Alter, Haltung und Fütterung breit gestreut, 58 Prozent der Haltenden berichteten weniger Anzeichen nach dem Wechsel von Anwelksilage auf Heu, und die Autoren schliessen, dass die Fütterungsstrategie das Auftreten nicht allein erklären kann.
Altermatt N, Dolf G, Ramseyer A, Burger D. [Prevalence of health problems in midlife Swiss warm-blooded horses]. Schweizer Archiv fur Tierheilkunde, 2021 (Querschnittstudie | Pferd)DOI 10.17236/sat00301 In einer telefonischen Erhebung zu 1'861 Schweizer Warmblutpferden zwischen sechs und sechzehn Jahren nannten die Haltenden Kotwasser bei 9 Prozent der Tiere, hinter Lahmheit mit 34, Kolik mit 22 und Rückenproblemen mit 13 Prozent.
Gerstner K, Liesegang A. Effect of a montmorillonite-bentonite-based product on faecal parameters of horses. Journal of Animal Physiology and Animal Nutrition, 2018 (Kontrollierte Studie | Pferd)DOI 10.1111/jpn.12888 In einem vollständigen Wechselversuch an acht gesunden Pferden veränderte ein Tonmineral-Präparat keinen der gemessenen Kotparameter, und die Autoren betonen selbst, dass die Tiere keine Verdauungsstörung hatten und Versuche an tatsächlich betroffenen Pferden nötig sind.
Cavallini D, Penazzi L, Valle E, Raspa F. When Changing the Hay Makes a Difference: A Series of Case Reports. Journal of Equine Veterinary Science, 2022 (Fallserie | Pferd)DOI 10.1016/j.jevs.2022.103940 In einer Serie von drei Einzelfällen besserte sich ein Pferd mit Kotwasser nach einem Heuwechsel, und die Autoren halten ausdrücklich fest, dass die Ursache des Syndroms unbekannt bleibt und die Heuqualität lediglich eine Rolle zu spielen scheint.
Smith MZ, York M, Townsend KS, Martin LM. Effects of orally administered clioquinol on the fecal microbiome of horses. Journal of Veterinary Internal Medicine, 2025 (Kohortenstudie | Pferd)DOI 10.1111/jvim.17276 An acht gesunden Pferden wirkte Clioquinol breit antibakteriell statt gezielt gegen Einzeller, mit einem Rückgang der Artenvielfalt um 90 Prozent am fünften Tag, Ausbreitung fakultativ anaerober Familien und Salmonellennachweis im Kot mehrerer Tiere; die Autoren mahnen zur Zurückhaltung.
Tuniyazi M, Wang W, Zhang N. A Systematic Review of Current Applications of Fecal Microbiota Transplantation in Horses. Veterinary Sciences, 2023 (Systematische Übersichtsarbeit | Pferd)DOI 10.3390/vetsci10040290 Aus der gesamten Literatur blieben sieben Studien, deren Qualität die Autoren als insgesamt suboptimal einstufen, mit kleinen Fallzahlen und fehlenden Kontrollgruppen sowie ohne belastbare Angaben zu Spenderauswahl, Menge und Vorgehen.
Bell J, Radial SL, Cuming RS, Trope G. Effects of fecal microbiota transplantation on clinical outcomes and fecal microbiota of foals with diarrhea. Journal of Veterinary Internal Medicine, 2024 (Randomisierte Studie | Pferd)DOI 10.1111/jvim.17185 Bei 25 Fohlen mit Durchfall erschien die Übertragung von Darmflora sicher, veränderte aber weder das Überleben noch das Abklingen des Durchfalls; drei ursprünglich der Kontrollgruppe zugeteilte Fohlen wurden im Verlauf in die Behandlung gewechselt, was den randomisierten Vergleich schwächt.
Schoster A, Guardabassi L, Staempfli HR, Abrahams M. The longitudinal effect of a multi-strain probiotic on the intestinal bacterial microbiota of neonatal foals. Equine Veterinary Journal, 2016 (Randomisierte Studie | Pferd)DOI 10.1111/evj.12524 In einem randomisierten Feldversuch an 38 neugeborenen Fohlen blieben die Wirkungen eines Mehrstamm-Präparats auf das Mikrobiom begrenzt, und der Anteil von Laktobazillen und Bifidobakterien stieg unter der Gabe nicht an.
Desrochers AM, Dolente BA, Roy MF, Boston R. Efficacy of Saccharomyces boulardii for treatment of horses with acute enterocolitis. Journal of the American Veterinary Medical Association, 2005 (Randomisierte Studie | Pferd)DOI 10.2460/javma.2005.227.954 Bei 14 Pferden mit akuter Enterokolitis verliefen Schwere und Dauer der Erkrankung unter einer Hefegabe milder und kürzer als unter Placebo, wobei die Hefe den Verdauungstrakt zwar passiert, ihn aber nicht dauerhaft besiedelt.
Schoster A. Probiotic Use in Equine Gastrointestinal Disease. Veterinary Clinics of North America: Equine Practice, 2018 (Andere | Pferd)DOI 10.1016/j.cveq.2017.11.004 Diese Übersichtsarbeit hält fest, dass ein allgemeiner Nutzen von Probiotika beim Pferd derzeit nicht durch Daten gestützt ist, gut gebaute Studien selten und widersprüchlich sind und die Etiketten frei verkäuflicher Produkte den tatsächlichen Inhalt oft nicht abbilden.
Muhonen S, Julliand V. Fibre Composition and Maturity of Forage-Based Diets Affects the Fluid Balance, Faecal Water-Holding Capacity and Microbial Ecosystem in French Trotters. Animals, 2023 (Kontrollierte Studie | Pferd)DOI 10.3390/ani13030328 Bei sechs trainierten Trabern ohne Kotwasser erhöhte ein früh geschnittenes Grundfutter die Wasserbindungskapazität des Kots und verschob die Wasserausscheidung vom Kot zum Harn, ohne die gesamte Wasseraufnahme oder das Körpergewicht zu verändern.
Müller CE. Dry matter concentration, particle size distribution and sand presence in faeces from horses with and without colic. Journal of Equine Veterinary Science, 2024 (Fall-Kontroll-Studie | Pferd)DOI 10.1016/j.jevs.2024.105126 Bei 74 Kolikpferden und 74 Vergleichspferden waren Trockenmasse, Partikelgrössenverteilung und Sandscore des Kots ähnlich, was den Wert des Sandtests in dieser Population infrage stellt; die Arbeit untersucht Kolik und nicht Kotwasser.
Boucher L, Leduc L, Leclère M, Costa MC. Current Understanding of Equine Gut Dysbiosis and Microbiota Manipulation Techniques: Comparison with Current Knowledge in Other Species. Animals, 2024 (Andere | Pferd)DOI 10.3390/ani14050758 Diese Übersichtsarbeit hält fest, dass die hohe Schwankung des Kotmikrobioms innerhalb und zwischen Pferden bis heute eine klare Definition von Dysbiose verhindert hat und dass für keine Erkrankung des Pferdes ein eindeutiger ursächlicher Zusammenhang mit einer Dysbiose gezeigt wurde.
ForschungPferd (2026). Kotwasser beim Pferd: welche Ursachen untersucht wurden und welche sich nicht bestätigt haben. ForschungPferd, Deutsch. https://forschungpferd.ch/mikrobiom/kotwasser-ursachen-studienlage/