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Das alte Pferd: was die Forschung über Alterung, Krankheitshäufigkeit und Lebensqualität zeigt

Zahnbefunde bei 95 Prozent der Pferde ab 15 Jahren, gemeldet werden 25 Prozent: die Studienlage zu PPID, Insulin, Zähnen, Bewegung und Lebensende.

Redaktion ForschungPferd Redaktion
Fachliche GegenlesungPosition noch nicht besetzt, offen ausgewiesen.

12 Min. Lesezeit Zuletzt fachlich geprüft Freier Zugang

Heller Schimmel von hinten auf einer nebligen Wiese im Morgenlicht, kahle Baumreihe im Hintergrund, kühle blaugrüne Töne.

Zusammenfassung

Als alt gilt ein Pferd ab etwa 15 Jahren; in einer britischen Erhebung stellte diese Gruppe knapp drei von zehn Tieren. Bei tierärztlichen Reihenuntersuchungen finden sich dann bei über neun von zehn Pferden Zahnbefunde und bei jedem zweiten eine Lahmheit im Trab, während Besitzerinnen und Besitzer nur einen Bruchteil davon bemerken. Alter ist keine Krankheit, aber es verschiebt die Wahrscheinlichkeiten.

27Primärquellen
44 %davon Stufe 1 bis 2
1untersuchte Arten
2011–2026Publikationsjahre

Das Wesentliche

  • Die Hypophysenerkrankung PPID betrifft rund 21 von 100 Pferden ab 15 Jahren, im Gesamtbestand rund 3 von 100.
  • Zahnbefunde findet die tierärztliche Untersuchung bei 95 von 100 alten Pferden; gemeldet hatten sie 25 von 100 Besitzenden.
  • Der ACTH-Bluttest erkennt rund sieben von zehn erkrankten Pferden und schliesst PPID besser aus, als er sie beweist.
  • Ein normalgewichtiges Pony hatte in einer Auswertung häufiger einen auffälligen Fetthormonwert als ein fettleibiges: die Figur verrät den Stoffwechsel nicht.
  • Das Leben alter Pferde endet fast immer durch Euthanasie; am häufigsten genannt werden Lahmheit, Kolik, Hufrehefolgen und altersbedingter Verfall.

Ab wann ist ein Pferd alt, und warum die Zahl 15 eine Konvention ist

In der Forschung beginnt das Alter beim Pferd bei 15 Jahren. Diese Grenze ist keine biologische Schwelle, sondern eine Vereinbarung: Sie erlaubt es, Bestände über Länder und Jahrzehnte hinweg zu vergleichen. Wie gross diese Gruppe ist, zeigt eine britische Querschnittserhebung mit einer Rücklaufquote von 80 Prozent: Pferde ab 15 Jahren stellten dort 29 Prozent des untersuchten Bestands, und viele von ihnen standen weiterhin im Einsatz.

Klinisch hat die Zahl 15 einen praktischen Nutzen: Sie markiert den Punkt, ab dem sich die Vortestwahrscheinlichkeit verschiebt, also die Wahrscheinlichkeit, dass eine bestimmte Krankheit vorliegt, bevor überhaupt getestet wird. Die britische Leitlinie zur Hypophysenerkrankung PPID hält fest, dass diese Wahrscheinlichkeit bei Pferden unter zehn Jahren niedrig ist und ab 15 Jahren deutlich steigt. Ein auffälliger Laborwert bedeutet deshalb bei einem achtjährigen Pferd etwas anderes als bei einem fünfundzwanzigjährigen.

Wird mein Pferd im Alter zwangsläufig krank?

Nein, aber mehrere Befunde treten mit dem Alter oft nebeneinander auf. Bei 200 zufällig ausgewählten Pferden ab 15 Jahren lagen Zahnbefunde und eingeschränkte Gelenkbeweglichkeit je über 80 Prozent, sie überschneiden sich also zwangsläufig; in der Erhebung an Tieren ab 30 Jahren wies die Mehrzahl laut den Untersuchenden mehrere Befunde gleichzeitig auf. Alter erzeugt keine einzelne Krankheit; es summiert Abnutzung, Stoffwechselveränderung und Verschleiss zu einem Zustand, den man nur im Ganzen beurteilen kann.

Was Tierärztinnen finden und was Besitzende melden

Die Zahlen aus dieser Untersuchung sind ernüchternd konkret. Bei den 200 klinisch untersuchten Pferden ab 15 Jahren fanden sich Zahnbefunde bei 95,4 Prozent, Hufveränderungen bei 80 Prozent und eine eingeschränkte Beweglichkeit in mindestens einem Gelenk bei 83,5 Prozent. Im Trab war die Hälfte der Tiere lahm, im Schritt knapp ein Fünftel. Am Auge zeigten 66 Prozent eine Glaskörperdegeneration und 58,5 Prozent eine Linsentrübung. Ein Herzgeräusch hatte jedes fünfte Pferd, Übergewicht rund ein Viertel.

Dieselbe Arbeitsgruppe verglich diese Befunde mit dem, was die Besitzenden zuvor im Fragebogen angegeben hatten. Die Zahnbefunde meldeten 24,5 Prozent, die Hufveränderungen 27 Prozent, die Lahmheit 23 Prozent, das Herzgeräusch 0,5 Prozent. Beim Auge ist die Lücke am grössten: In einer weiteren Erhebung an 327 Pferden ab 15 Jahren fand die augenärztliche Untersuchung bei 287 Tieren einen krankhaften Befund, angegeben hatten einen solchen 3,3 Prozent der Besitzenden.

Bei den ganz alten Tieren wird das Muster noch deutlicher. Unter 69 untersuchten Pferden und Ponys ab 30 Jahren waren im Trab mehr als drei Viertel lahm, während nur 16 Prozent der Besitzenden im Jahr davor überhaupt eine Lahmheit bemerkt hatten. Einen Augenbefund hatte jedes einzelne untersuchte Tier, und wo die Maulhöhle untersucht wurde, fand sich ausnahmslos ein Zahnbefund.

PPID: eine häufige hormonelle Alterserkrankung

PPID steht für Pituitary Pars Intermedia Dysfunction, eine Funktionsstörung des Zwischenlappens der Hirnanhangsdrüse. Zugrunde liegt eine altersbedingte Degeneration jener Nervenzellen, die diesen Zwischenlappen über den Botenstoff Dopamin hemmen. Fällt die Hemmung weg, produziert das Gewebe dauerhaft zu viele Hormone. Das ist der Grund, weshalb die verfügbare Behandlung an der Dopaminwirkung ansetzt und nicht am Hormon selbst.

Eine systematische Übersicht von 29 eingeschlossenen Publikationen bezifferte die belastbarste Häufigkeitsschätzung auf 21,2 Prozent bei Pferden und Ponys ab 15 Jahren und auf 2,9 Prozent im Gesamtbestand. Die britische Leitlinie von 2024 nennt eine Spanne von 21 bis 27 Prozent. Damit gehört PPID zu den häufigsten Diagnosen beim alten Pferd überhaupt.

Am häufigsten berichtet werden Fellveränderungen, allen voran ein verzögerter oder unvollständiger Fellwechsel, ausserdem Hufrehe und ein Muskelschwund entlang der Rückenlinie. Von allen geprüften Faktoren liess sich bisher einzig das steigende Alter als Risikofaktor sichern; die Angaben zu Rasse und Geschlecht widersprechen sich zwischen den Studien.

Eine Erhebung an 280 Equiden in der Schweiz und in Österreich, bei denen praktizierende Tierärztinnen und Tierärzte einen Verdacht geäussert hatten, ordnete die Zeichen nach Stadien. Fellveränderungen, Hufrehe und Fettpolster über dem Auge gingen mit hohen Hormonwerten einher. Auffällig war, dass auch ein stoffwechselbetontes Erscheinungsbild mit höheren Werten zusammenhing. Die Autorenschaft folgert daraus, dass für die Früherkennung empfindlichere Marker fehlen.

Der Bluttest und seine Grenzen

Wie zuverlässig ist der ACTH-Wert im Blut?

Er stützt eine Diagnose, entscheidet sie aber nicht allein. Eine Metaanalyse von elf Studien errechnete, dass der Ruhewert rund sieben von zehn erkrankten Pferden erkennt und rund neun von zehn gesunden korrekt als gesund einstuft. Eine zweite Übersichtsarbeit zur selben Frage kam auf mittlere Werte von rund 76 und rund 95 Prozent. Sie hält den Test für besser geeignet, PPID auszuschliessen, als sie zu beweisen; die Metaanalyse hält ihn bei starkem Verdacht für brauchbar und rät ausdrücklich von einer Reihenuntersuchung ab.

Was das praktisch bedeutet, hat die Metaanalyse durchgerechnet. Testet man tausend Pferde, bei denen die Krankheit selten ist, entstehen rund 127 falsch positive und nur 7 falsch negative Ergebnisse. Testet man tausend Pferde mit starkem klinischem Verdacht, kippt das Verhältnis: rund 13 falsch positive, aber über 300 übersehene Fälle. Derselbe Test, dieselbe Genauigkeit, gegensätzliche Fehler. Der Unterschied liegt allein in der Vortestwahrscheinlichkeit.

Dazu kommen Störgrössen, die nichts mit der Krankheit zu tun haben. Ein randomisierter Fütterungsversuch an 16 Pferden fand im Oktober einen rund viermal so hohen Ruhewert wie im März. Im selben Versuch lagen alte Pferde an einer stärkereichen Ration knapp viermal höher als junge erwachsene Tiere an derselben Ration. Jahreszeit und Futter gehören damit zwingend in die Beurteilung eines Werts.

Zur Behandlung selbst ist die Beweislage brauchbar, aber nicht glänzend. Eine systematische Übersicht von 28 Publikationen zum Dopaminwirkstoff Pergolide fand in der grossen Mehrheit der Studien eine klinische Besserung bei über drei Vierteln der behandelten Tiere; der Hormonwert sank in 44 bis 74 Prozent der Fälle. Fast alle eingeschlossenen Arbeiten waren jedoch Fallserien oder unkontrollierte Feldstudien.

Insulin, Gewicht und Hufrehe: warum das Auge trügt

Die zweite grosse Alterslinie ist der Zuckerstoffwechsel. Zentral ist die Insulindysregulation: Die Bauchspeicheldrüse schüttet nach kohlenhydratreicher Nahrung übermässig Insulin aus. Der klinisch bedeutsame Endpunkt heisst Hufrehe, eine schmerzhafte Ablösung des Hufbeinträgers. In einer Kohorte akuter Rehefälle waren rund neun von zehn hormonell und nicht futtertechnisch bedingt.

Wie stark dieser Zusammenhang ist, zeigt eine prospektive Kohorte: Von 276 über zwei Jahre verfolgten Pferden mit hormonell bedingter Hufrehe erlitten 34,1 Prozent einen Rückfall. Das Rückfallrisiko stieg mit dem Insulinwert im nüchternen Zustand deutlich an, sobald dieser den Normbereich verliess, und wer bereits vor der Studie eine Rehe hatte, war stärker gefährdet.

Der verbreitetste Irrtum betrifft die Figur. Eine Auswertung von bis zu 734 Ponys robuster Rassen fand nur einen schwachen Zusammenhang zwischen Körperkondition und dem Fetthormon Adiponektin. 38,6 Prozent der normalgewichtigen Ponys hatten einen erniedrigten Adiponektinwert, unter den fettleibigen waren es 16,5 Prozent. Umgekehrt hatte über die Hälfte der fettleibigen Tiere sowohl Insulin als auch Adiponektin im Normbereich. Ein schlankes altes Pferd ist also nicht automatisch stoffwechselgesund, und ein dickes nicht automatisch krank.

Die britische Leitlinie hält zudem fest, dass Pferde mit PPID und gleichzeitig erhöhtem Insulin offenbar ein höheres Hufreherisiko tragen, dass der Hormonwert allein aber kein unabhängiger Vorhersagewert für Hufrehe ist. Nach dieser Lesart gefährdet vor allem das Insulin den Huf und nicht die Hypophyse selbst. Diese Unterscheidung entscheidet darüber, was überwacht wird.

Mein altes Pferd ist dünn. Kann es trotzdem ein Stoffwechselproblem haben?

Ja. Die Ponyauswertung zeigt, dass ein auffälliger Fetthormonwert bei normalgewichtigen Tieren sogar häufiger vorkam als bei fettleibigen. Körperkondition und Halsfettleiste sind grobe Hinweise, kein Ersatz für eine Blutuntersuchung. Die Autorenschaft empfiehlt, bei Tieren mit Risikofaktoren Insulin und Adiponektin unabhängig vom Gewichtsstatus zu bestimmen.

Zähne und Fütterung: wenn das Kauen nicht mehr trägt

Zahnbefunde sind bei alten Pferden nicht die Ausnahme, sondern der Normalzustand. Entscheidend ist, welche Befunde. Eine Auswertung von 442 Pferden mit insgesamt 710 Zahnextraktionen zeigt die Verschiebung mit dem Alter: Bei Tieren ab 20 Jahren war in 53,3 Prozent der Fälle eine Parodontalerkrankung der Grund für die Entfernung, bei jüngeren Pferden in 12,9 Prozent. Alte Pferde brauchten zudem häufiger die Entfernung mehrerer Zähne, 53,8 gegenüber 28,5 Prozent.

Bemerkenswert ist der zweite Befund derselben Arbeit: Die Komplikationsrate unterschied sich nicht zwischen den Altersgruppen, und das kurzfristige Ergebnis war bei den alten Pferden günstig. Zugleich benötigten sie seltener die invasive Extraktionstechnik. Diese Auswertung einer einzelnen Klinik spricht dagegen, hohes Alter für sich genommen als Grund zu nehmen, einen schmerzhaften Zahn zu belassen.

Wenn die Kaufläche schwindet, verschiebt sich die Futterfrage von der Menge zur Beschaffenheit. Eine Metaanalyse aus 61 Publikationen zur freiwilligen Raufutteraufnahme nennt die Qualität des Raufutters als eine der zentralen Stellgrössen: Je besser verdaulich, desto mehr wird aufgenommen. Ponys steigerten die Aufnahme je Kilogramm Körpergewicht stärker als Pferde, und Tiere auf der Weide nahmen weniger auf als aufgestallte, vermutlich weil Grasen mehr Zeit kostet.

Umstellungen sind riskanter, als sie wirken. Eine kombinierte Übersichtsarbeit durchsuchte über 3'700 Titel und wertete anschliessend 14 Studien zum Zusammenhang zwischen Managementwechsel und Kolik aus. Die grösste Evidenzmenge betraf den Futterwechsel, gefolgt von einem kürzlich erfolgten Wechsel der Haltung. Beim alten Pferd, bei dem Kolik zu den häufigsten Euthanasiegründen zählt, spricht das für langsame Übergänge und eine Änderung nach der anderen.

Bewegung, Liegen und Schlaf

Wie ein Pferd seinen Tag verbringt, lässt sich messen. Eine Metaanalyse aus 14 Studien mit insgesamt 364 Pferden verglich Haltungsformen: Frei lebende Tiere verbrachten 56 Prozent des Tages mit Fressen, aufgestallte 38 Prozent. In Gruppen gehaltene Pferde kamen auf 54 Prozent, einzeln gehaltene auf 39 Prozent. Fortbewegung war bei frei lebenden, in Gruppen gehaltenen und grasenden Tieren höher, blosses Stehen bei aufgestallten und einzeln gehaltenen.

Für alte Pferde kommt eine zweite Grösse dazu: das Liegen. Rapid-Eye-Movement-Schlaf, die Phase mit vollständiger Muskelentspannung, ist beim Pferd nur im Liegen möglich. In einer Erhebung an 83 Pferden eines Gnadenhofs lag die durchschnittliche Liegezeit bei 67 Minuten pro Tag, die Spanne reichte von 0 bis 319 Minuten. Weder das Alter noch eine chronische orthopädische Lahmheit beeinflussten die Liegezeit statistisch bedeutsam. Acht Tiere mit Anzeichen eines Schlafdefizits lagen im Schnitt nur rund acht Minuten und bewegten sich auch sonst weniger.

Soll ein altes Pferd noch arbeiten?

Strukturierte Bewegung schnitt in einem kontrollierten Versuch besser ab als blosse Beschäftigung: 27 alte Pferde wurden zwölf Wochen lang in drei Gruppen begleitet, ohne Bewegung, mit unstrukturierter Aktivität und mit festem Bewegungsprogramm. Nur in der Gruppe mit Programm sank ab der zehnten Woche die durchschnittliche Herzfrequenz und stieg die Herzfrequenzvariabilität, ein Mass für die Erholungsfähigkeit des Nervensystems. Ruhigstellen ist damit keine neutrale Option, sondern selbst eine Entscheidung.

Bei Gelenkbeschwerden ist die Beweislage dünner als das Angebot. Eine Netzwerk-Metaanalyse zu Injektionen sah beide geprüften Substanzen kurzfristig als lahmheitsmindernd, fand Hyaluronsäure auf lange Sicht aber wirkungslos, während Polyacrylamid-Hydrogel länger wirkte. Eine Metaanalyse zu plättchenreichem Plasma errechnete einen deutlichen Vorteil gegenüber der Kontrollbehandlung, wies aber auf ein hohes Verzerrungsrisiko der eingeschlossenen Studien hin. Beide Synthesen betreffen Arthrose allgemein, nicht das alte Pferd im Besonderen.

Lebensqualität und Lebensende

„Lebensqualität“ ist im Pferdebereich ein häufig gebrauchter und selten definierter Begriff. Eine systematische Literatursuche identifizierte 14 Arbeiten mit zehn Instrumenten zur Beurteilung des Wohlergehens. Keines davon war dafür entwickelt, die Lebensqualität chronisch kranker oder alter Pferde aus der Perspektive des Tieres zu bewerten. Besitzende und Tierärztinnen entscheiden also derzeit ohne validiertes Instrument.

Die Euthanasiegründe sind besser dokumentiert als der Entscheidungsweg dorthin. In einer prospektiven Kohorte über 29 Monate mit 1'070 Pferden traten 7,3 Euthanasien je 100 Pferdejahre auf. Genannt wurden Folgen von Hufrehe (25 Prozent), Kolik (21,3 Prozent), Lahmheit ohne Rehebezug (20 Prozent) und altersbedingter Verfall einschliesslich wahrgenommener schlechter Lebensqualität (20 Prozent). Weil diese Kohorte für eine Hufrehestudie angelegt wurde und die Besitzenden sich selbst anmeldeten, ist der Rehe-Anteil nicht auf den Gesamtbestand übertragbar. Bei Pferden mit PPID lag die Rate rund dreimal höher als bei den übrigen.

Eine Kohorte an 908 Pferden ab 15 Jahren zeigt die zweite Hälfte des Bildes: 94 Prozent der Todesfälle waren Euthanasien, am häufigsten wegen Lahmheit (24 Prozent) und Kolik (21 Prozent). Die Sterberate lag bei Tieren über 30 Jahren mehr als fünfmal so hoch wie bei den 15- bis 19-Jährigen. Untergewichtige Pferde starben häufiger als solche in gutem Zustand, und je mehr Krankheitszeichen die Besitzenden angaben, desto höher war das Risiko.

Wer die Frage einer Operation im Voraus klären will, findet dafür Zahlen. Eine systematische Übersicht aus 67 Studien beziffert Komplikationen nach planbaren Eingriffen unter Vollnarkose auf rund 17 Prozent, nach einer Kolikoperation auf rund 56 Prozent. Solche Grössenordnungen gehören in ein ruhiges Gespräch, nicht in die Nacht des Notfalls.

Die Beobachtungslücke beim alten Pferd: tierärztlicher Befund gegenüber Besitzerangabe

Eigene Auswertung

Aus vier britischen Erhebungen an Pferden ab 15 beziehungsweise ab 30 Jahren zusammengestellt; die Spalte „Faktor“ ist der von uns berechnete Quotient aus tierärztlich erhobenem und besitzerseitig angegebenem Anteil und steht so in keiner der Originalarbeiten. Auch der Wert von 87,8 Prozent beim Augenbefund ist von uns aus den berichteten 287 von 327 untersuchten Tieren gerechnet. Die Zeitfenster der Befragung und der Untersuchung decken sich nicht immer, der Faktor ist deshalb eine Grössenordnung und keine Präzisionsangabe.
Befundtierärztlich erhobenvon Besitzenden angegebenFaktorwarum die Lücke entsteht
Zahnbefunde (ab 15 Jahren)95,4 %24,5 %rund 4-fachDie entscheidenden Befunde liegen weit hinten im Backenzahnbereich und sind ohne Maulspiegel unsichtbar
Hufveränderungen (ab 15 Jahren)80 %27 %rund 3-fachFormveränderungen entstehen über Monate und gelten irgendwann als „die Hufe dieses Pferdes“
Lahmheit im Trab (ab 15 Jahren)50,5 %23 %rund 2-fachBeidseitige Lahmheit sieht nach Steifheit aus, nicht nach Hinken
Herzgeräusch (ab 15 Jahren)20 %0,5 %rund 40-fachOhne Stethoskop schlicht nicht wahrnehmbar, solange die Leistung nicht einbricht
Augenbefund (ab 15 Jahren)87,8 %3,3 %rund 27-fachPferde gleichen nachlassendes Sehen in vertrauter Umgebung fast vollständig aus
Lahmheit im Trab (ab 30 Jahren)77 %16 %rund 5-fachMit steigendem Alter wird Bewegungsunlust als Wesenszug statt als Schmerz gelesen

Grenzen und Unsicherheiten

  • Ein grosser Teil der Häufigkeitszahlen stammt aus einer einzigen britischen Forschungsgruppe und aus Beständen, deren Besitzende freiwillig teilnahmen. Wer sich meldet, kümmert sich meist überdurchschnittlich; die tatsächlichen Häufigkeiten könnten höher liegen.
  • Für das alte Pferd selbst existieren kaum randomisierte Studien. Von den 27 verwendeten Quellen sind zwölf systematische Übersichten, Metaanalysen oder randomisierte Versuche, dazu kommen eine formal bewertete Leitlinie, ein kontrollierter Versuch und eine vergleichende pharmakokinetische Untersuchung; mehrere dieser Synthesen betreffen jedoch angrenzende Themen wie Gelenkinjektionen, Raufutteraufnahme oder Zeitbudget und nicht das Alterspferd im Speziellen. Die geriatrische Pferdemedizin ist ein evidenzarmes Feld, und dieser Text gibt das so wieder, statt es zu kaschieren.
  • Die beiden Übersichtsarbeiten zum ACTH-Test kommen übereinstimmend zum Schluss, dass die je elf eingeschlossenen Einzelstudien erhebliche systematische Verzerrungen aufweisen. Die genannten Trefferquoten sind Näherungen, keine Messwerte, und die beiden Arbeiten bewerten die Brauchbarkeit des Tests unterschiedlich.
  • Schweizer Zahlen zur Häufigkeit von Alterserkrankungen fehlen weitgehend. Die einzige hier verwendete Arbeit mit Schweizer Beteiligung untersuchte ausschliesslich Tiere, bei denen bereits ein Verdacht bestand, erlaubt keine Aussage über den Gesamtbestand und wurde unter Mitwirkung eines Tiergesundheitsunternehmens durchgeführt.
  • Die Zeitbudget- und Liegedaten stammen aus Beständen mit sehr unterschiedlicher Haltung, teils aus Erhebungen der Jahre 1979 bis 2020. Sie beschreiben, was möglich ist, nicht was für ein bestimmtes Pferd richtig wäre.
  • Dieser Text vergleicht keine Arten. Alle Angaben betreffen Pferde, Ponys und verwandte Equiden; eine Übertragung auf den Menschen ist weder beabsichtigt noch durch die hier verwendeten Quellen gedeckt.

Offene Fragen

  • Gibt es einen Blutmarker, der PPID im Frühstadium erkennt, bevor Fellwechselstörung, Muskelschwund und Hufrehe auftreten?
  • Verlängert strukturierte Bewegung beim alten Pferd nicht nur messbare Kreislaufgrössen, sondern auch die beschwerdefreie Lebenszeit?
  • Welche Merkmale gehören in ein validiertes Instrument zur Lebensqualität chronisch kranker und alter Pferde, und wer soll es ausfüllen?
  • In welchem Abstand lohnt sich eine tierärztliche Routineuntersuchung beim alten Pferd, gemessen an harten Endpunkten statt an gefundenen Befunden?

Häufige Fragen

Ab wann gilt mein Pferd als altes Pferd?

In der Forschung ab 15 Jahren. Diese Grenze ist eine Übereinkunft, damit Studien vergleichbar bleiben, und kein biologischer Umschaltpunkt. Praktisch hat sie trotzdem Gewicht: Ab diesem Alter steigt die Wahrscheinlichkeit bestimmter Diagnosen so deutlich, dass derselbe Laborwert anders zu deuten ist als bei einem jungen Tier. In einer britischen Erhebung machten Pferde ab 15 Jahren 29 Prozent des Bestands aus, und viele davon standen weiterhin im Einsatz. Alt im Sinne der Definition und alt im Sinne von leistungsunfähig sind zwei verschiedene Dinge.

Mein 22-jähriger Wallach haart spät ab und hat ein dickes Fell. Ist das PPID?

Es ist das häufigste Einzelzeichen, aber kein Beweis. In der systematischen Übersicht zur Häufigkeit von PPID gehören Fellveränderungen und ein verzögerter Fellwechsel zu den am häufigsten berichteten Befunden, zusammen mit Hufrehe und Muskelschwund entlang der Rückenlinie. Die Erhebung an 280 Equiden in der Schweiz und in Österreich fand ebenfalls einen Zusammenhang zwischen Fellveränderungen und hohen Hormonwerten. Gleichzeitig zeigten in einer Reihenuntersuchung 22 Prozent aller Pferde ab 15 Jahren Fellauffälligkeiten, ohne dass damit die Diagnose feststand. Die Abklärung führt die Tierärztin, und der Zeitpunkt im Jahr spielt dabei eine Rolle.

Der ACTH-Wert meines Pferdes war grenzwertig. Was heisst das?

Es heisst, dass der Wert allein die Frage nicht beantwortet. Die britische Leitlinie hält fest, dass sich Grenzwerte nicht so festlegen lassen, dass sie alle Einflussfaktoren abdecken, und befürwortet deshalb ausdrücklich einen ausgewiesenen Graubereich. Jahreszeit, Rasse, Fellfarbe, Standort, Fütterung, Transport und schwere Erkrankung können den Wert verschieben. Ein randomisierter Fütterungsversuch fand im Oktober rund viermal so hohe Ruhewerte wie im März. Entscheidend ist die Kombination aus klinischem Bild, Alter und Wert: Bei geringem klinischem Verdacht ist ein einzelner erhöhter Wert rechnerisch häufiger falsch positiv als richtig positiv.

Mein altes Pferd frisst gut und verliert trotzdem Gewicht. Woran kann das liegen?

Die häufigsten Ursachen sind mechanisch oder hormonell, und sie treten oft gemeinsam auf. Zahnbefunde sind bei über neun von zehn Pferden ab 15 Jahren nachweisbar; bei den ganz alten Tieren steht die Parodontalerkrankung im Vordergrund, die das Kauen schmerzhaft macht, ohne dass am Trog zwingend etwas auffällt. Hinzu kommen hormonelle Störungen wie PPID, die rund jedes fünfte Pferd ab 15 Jahren betrifft. Untergewicht ist kein kosmetisches Problem: In einer Kohorte alter Pferde starben untergewichtige Tiere häufiger als solche in gutem Zustand. Sinnvoll ist eine Maulhöhlenuntersuchung mit Maulspiegel statt einer blossen Sichtkontrolle, weil die entscheidenden Befunde weit hinten liegen.

Soll ich mein altes Pferd noch reiten oder besser in Ruhe lassen?

Ruhigstellen ist keine neutrale Option. In einem kontrollierten Versuch über zwölf Wochen zeigte nur die Gruppe mit festem Bewegungsprogramm eine messbare Verbesserung der Herzfrequenzvariabilität; unstrukturierte Beschäftigung und Nichtstun brachten diese Veränderung nicht. Zeitbudgetdaten aus 14 Studien zeigen ausserdem, dass frei lebende und in Gruppen gehaltene Pferde deutlich mehr fressen und sich mehr bewegen als einzeln aufgestallte. Ob und wie ein bestimmtes altes Pferd geritten werden kann, hängt von Lahmheit, Herz, Atemwegen und Stoffwechsel ab. Diese Abklärung gehört vor die Entscheidung, nicht danach.

Wann ist der richtige Zeitpunkt, ein altes Pferd einschläfern zu lassen?

Darauf gibt die Forschung keine Zahl, und dieser Text gibt sie ebenso wenig. Was die Forschung liefert, ist ein Rahmen. Es existiert bisher kein validiertes Instrument, das die Lebensqualität chronisch kranker oder alter Pferde bewertet; eine systematische Suche fand zehn Instrumente zum Wohlergehen, keines für diesen Zweck. In einer auf Hufrehe ausgerichteten Kohorte waren die häufigsten Gründe Rehefolgen, Kolik, Lahmheit und altersbedingter Verfall, jeweils rund ein Fünftel bis ein Viertel der Fälle; in einer Kohorte alter Pferde standen Lahmheit und Kolik voran. Hilfreich ist, den Verlauf über Wochen festzuhalten und die Frage mit der Tierärztin zu besprechen, bevor ein Notfall die Entscheidung erzwingt.

Quellen

  1. Ireland JL, McGowan CM. Epidemiology of pituitary pars intermedia dysfunction: A systematic literature review of clinical presentation, disease prevalence and risk factors. The Veterinary Journal, 2018 (Systematische Übersichtsarbeit | Pferd)DOI 10.1016/j.tvjl.2018.03.002
    Aus 29 eingeschlossenen Publikationen ergaben sich als belastbarste Schätzungen 21,2 Prozent PPID bei Equiden ab 15 Jahren und 2,9 Prozent im Gesamtbestand; als gesicherter Risikofaktor liess sich einzig steigendes Alter bestätigen, Angaben zu Rasse und Geschlecht blieben widersprüchlich.
  2. Menzies-Gow NJ, Banse HE, Duff A, Hart N, Ireland JL, Knowles EJ, McFarlane D, Rendle D. BEVA primary care clinical guidelines: Diagnosis and management of equine pituitary pars intermedia dysfunction. Equine Veterinary Journal, 2024 (Fachempfehlung | Pferd)DOI 10.1111/evj.14009
    Nach GRADE bewertete Leitlinie: PPID-Prävalenz 21 bis 27 Prozent ab 15 Jahren, Vortestwahrscheinlichkeit unter 10 Jahren niedrig, Grenzwerte lassen sich nicht so festlegen, dass alle Einflussfaktoren abgedeckt sind, weshalb ein Graubereich befürwortet wird; PPID mit Hyperinsulinämie erhöht das Hufreherisiko, ACTH allein ist kein unabhängiger Prädiktor.
  3. Meyer JC, Hunyadi LM, Ordóñez-Mena JM. The accuracy of ACTH as a biomarker for pituitary pars intermedia dysfunction in horses: A systematic review and meta-analysis. Equine Veterinary Journal, 2022 (Meta-Analyse | Pferd)DOI 10.1111/evj.13500
    Gepoolt über elf Studien lag die Sensitivität des Ruhe-ACTH bei 0,72 und die Spezifität bei 0,88; bei tausend Pferden mit seltener Erkrankung entstünden rund 127 falsch positive und 7 falsch negative Ergebnisse, bei hoher Vortestwahrscheinlichkeit rund 13 falsch positive und 306 falsch negative, weshalb der Test nicht als Screening taugt.
  4. Tatum RC, McGowan CM, Ireland JL. Evaluation of the sensitivity and specificity of basal plasma adrenocorticotrophic hormone concentration for diagnosing pituitary pars intermedia dysfunction in horses: A systematic review. The Veterinary Journal, 2021 (Systematische Übersichtsarbeit | Pferd)DOI 10.1016/j.tvjl.2021.105695
    Über elf eingeschlossene Studien betrug die mediane Sensitivität des basalen ACTH 75,5 Prozent und die mediane Spezifität 95,2 Prozent; wegen durchgehender Verzerrungsrisiken wurde auf eine Metaanalyse verzichtet, und der Test eignet sich besser zum Ausschluss als zum Nachweis von PPID.
  5. Tatum RC, McGowan CM, Ireland JL. Efficacy of pergolide for the management of equine pituitary pars intermedia dysfunction: A systematic review. The Veterinary Journal, 2020 (Systematische Übersichtsarbeit | Pferd)DOI 10.1016/j.tvjl.2020.105562
    In der grossen Mehrheit von 28 eingeschlossenen Publikationen führte Pergolide bei über 75 Prozent der Tiere zu einer klinischen Gesamtbesserung, der ACTH-Wert sank bei 44 bis 74 Prozent; die Studien waren fast durchwegs Fallserien oder unkontrollierte Feldversuche, eine Metaanalyse war nicht möglich.
  6. Jacob SI, Geor RJ, Weber PSD, Harris PA, McCue ME. Effect of dietary carbohydrates and time of year on ACTH and cortisol concentrations in adult and aged horses. Domestic Animal Endocrinology, 2018 (Randomisierte Studie | Pferd)DOI 10.1016/j.domaniend.2017.10.005
    In einem randomisierten Fütterungsversuch an 16 gesunden Pferden lag der basale ACTH-Wert im Oktober rund viermal höher als im März und Mai; alte Pferde an stärkereicher Ration erreichten knapp das Vierfache junger erwachsener Tiere an derselben Ration, weshalb die Ration als Störgrösse der PPID-Diagnostik gilt.
  7. Curtis L, Burford JH, England GCW, Freeman SL. Risk factors for acute abdominal pain (colic) in the adult horse: A scoping review of risk factors, and a systematic review of the effect of management-related changes. PLoS ONE, 2019 (Systematische Übersichtsarbeit | Pferd)DOI 10.1371/journal.pone.0219307
    Aus über 3'700 gesichteten Titeln blieben 58 Studien mit 22 Risikofaktorkategorien; im systematischen Teil zu Managementwechseln lieferten Futterwechsel und ein kürzlich erfolgter Haltungswechsel die grösste Evidenzmenge für ein erhöhtes Kolikrisiko, wobei die meisten Studien Störgrössen nicht ausreichend kontrollierten.
  8. Leishman EM, Sahar M, Cieslar S, Darani P, Ellis JL. What the hay: predicting equine voluntary forage intake using a meta-analysis approach. Animal, 2024 (Meta-Analyse | Pferd)DOI 10.1016/j.animal.2024.101266
    Aus 61 Publikationen ergab sich die Raufutterqualität als stärkster Treiber der freiwilligen Aufnahme; Ponys steigerten die Aufnahme je Kilogramm Körpergewicht stärker als Pferde, und Tiere mit Weidezugang nahmen weniger auf als aufgestallte.
  9. Lamanna M, Buonaiuto G, Colleluori R, Raspa F, Valle E, Cavallini D. Time-activity budget in horses and ponies: A systematic review and meta-analysis on feeding dynamics and management implications. Journal of Equine Veterinary Science, 2025 (Meta-Analyse | Pferd)DOI 10.1016/j.jevs.2025.105684
    Aus 14 Studien mit 364 Pferden: Fressen belegte 56 Prozent des Tages bei frei lebenden gegenüber 38 Prozent bei aufgestallten Tieren, 54 gegenüber 39 Prozent bei Gruppen- gegenüber Einzelhaltung; Fortbewegung war bei frei lebenden, in Gruppen gehaltenen und grasenden Tieren höher.
  10. da Silva Xavier AA, da Rosa PP, de Brum Mackmill L, Roll VFB. An assessment of the effectiveness of hyaluronic acid and polyacrylamide hydrogel in horses with osteoarthritis: Systematic review and network meta-analysis. Research in Veterinary Science, 2021 (Meta-Analyse | Pferd)DOI 10.1016/j.rvsc.2020.11.013
    Die Netzwerk-Metaanalyse hält beide Substanzen für lahmheitsmindernd, jedoch zu unterschiedlichen Zeitpunkten: Hyaluronsäure erwies sich langfristig als unwirksam, ob allein oder mit Entzündungshemmern kombiniert, während Polyacrylamid-Hydrogel eine längere Wirkdauer zeigte. Untersucht wurden Pferde mit Arthrose, nicht speziell alte Pferde.
  11. Peng C, Yang L, Labens R, Gao Y, Zhu Y, Li J. A systematic review and meta-analysis of the efficacy of platelet-rich plasma products for treatment of equine joint disease. Equine Veterinary Journal, 2024 (Meta-Analyse | Pferd)DOI 10.1111/evj.14042
    Aus 21 systematisch gesichteten Publikationen liessen sich fünf metaanalytisch auswerten; der gepoolte Effekt sprach deutlich für plättchenreiches Plasma bei Arthrose, doch die meisten Studien wiesen ein hohes Verzerrungsrisiko auf und die Produkttypen waren stark heterogen.
  12. Long M, Dürnberger C, Jenner F, Kelemen Z, Auer U, Grimm H. Quality of Life within Horse Welfare Assessment Tools: Informing Decisions for Chronically Ill and Geriatric Horses. Animals, 2022 (Systematische Übersichtsarbeit | Pferd)DOI 10.3390/ani12141822
    Die systematische Literatursuche fand 14 Arbeiten mit zehn Instrumenten zur Beurteilung des Wohlergehens und einem Praxisansatz; kein Instrument war darauf ausgelegt, die Lebensqualität chronisch kranker oder alter Pferde aus Sicht des Tieres zu bewerten.
  13. Loomes K, de Grauw J, Gozalo-Marcilla M, Redondo JI, Bettschart-Wolfensberger R. A systematic review of the prevalence of post-operative complications after general anaesthesia in adult horses (2000-2023). Equine Veterinary Journal, 2025 (Systematische Übersichtsarbeit | Pferd)DOI 10.1111/evj.14416
    Aus 67 eingeschlossenen Studien betrug der gewichtete Anteil postoperativer Komplikationen 17,5 Prozent nach planbaren beziehungsweise nicht abdominalen Eingriffen und 55,6 Prozent nach Kolikoperationen; die häufigste Einzelkomplikation war eine erneute Kolik.
  14. Sanigavatee K, Poochipakorn C, Huangsaksri O, Vichitkraivin S, Pakdeelikhit S, Chotiyothin W, Wongkosoljit S, Wonghanchao T, Chanda M. A structured exercise regimen enhances autonomic function compared to unstructured physical activities in geriatric horses. Scientific Reports, 2025 (Kontrollierte Studie | Pferd)DOI 10.1038/s41598-025-86679-4
    27 alte Pferde wurden zwölf Wochen lang in drei Gruppen begleitet; nur unter festem Bewegungsprogramm sanken ab Woche 10 die minimale und durchschnittliche Herzfrequenz und die Herzfrequenzvariabilität stieg, während unstrukturierte Aktivität und Bewegungsmangel diese Veränderung nicht bewirkten.
  15. Zaghloul IY, Bedenice D, Ceresia ML, Jones PH, Sanchez-Londono A, Lobo MN, Böhlke M, Paradis MR. Comparative pharmacokinetics of phenylbutazone in healthy young-adult and geriatric horses. American Journal of Veterinary Research, 2024 (Andere | Pferd)DOI 10.2460/ajvr.24.01.0012
    Vergleichende pharmakokinetische Untersuchung: Bei acht Pferden ab 25 Jahren und acht jungen erwachsenen Pferden unterschied sich kein pharmakokinetischer Kennwert des Entzündungshemmers Phenylbutazon oder seines aktiven Abbauprodukts; die Ausgangshypothese einer altersbedingt veränderten Verstoffwechselung wurde verworfen.
  16. Ireland JL, Clegg PD, McGowan CM, McKane SA, Pinchbeck GL. A cross-sectional study of geriatric horses in the United Kingdom. Part 1: Demographics and management practices. Equine Veterinary Journal, 2011 (Querschnittstudie | Pferd)DOI 10.1111/j.2042-3306.2010.00145.x
    Bei einer Rücklaufquote von 80,2 Prozent stellten Pferde ab 15 Jahren 29 Prozent des Bestands im Untersuchungsgebiet; Bewegungsumfang und Fütterungspraxis änderten sich mit steigendem Alter deutlich, die übrige Haltung entsprach jener der Gesamtpopulation.
  17. Ireland JL, Clegg PD, McGowan CM, McKane SA, Chandler KJ, Pinchbeck GL. Disease prevalence in geriatric horses in the United Kingdom: veterinary clinical assessment of 200 cases. Equine Veterinary Journal, 2012 (Querschnittstudie | Pferd)DOI 10.1111/j.2042-3306.2010.00361.x
    Bei 200 klinisch untersuchten Pferden ab 15 Jahren fanden sich Zahnbefunde bei 95,4 Prozent, Hufveränderungen bei 80 Prozent, eingeschränkte Gelenkbeweglichkeit bei 83,5 Prozent, Lahmheit im Trab bei 50,5 Prozent, Glaskörperdegeneration bei 66 Prozent, Katarakt bei 58,5 Prozent, Herzgeräusche bei 20 Prozent und Fellauffälligkeiten bei 22 Prozent.
  18. Ireland JL, Clegg PD, McGowan CM, McKane SA, Chandler KJ, Pinchbeck GL. Comparison of owner-reported health problems with veterinary assessment of geriatric horses in the United Kingdom. Equine Veterinary Journal, 2012 (Querschnittstudie | Pferd)DOI 10.1111/j.2042-3306.2011.00394.x
    Besitzende gaben Zahnbefunde bei 24,5 Prozent an, während die Untersuchung 95,4 Prozent fand; entsprechend 0,5 gegenüber 20 Prozent bei Herzgeräuschen, 23 gegenüber 50 Prozent bei Lahmheit und 27 gegenüber 80 Prozent bei Hufveränderungen, mit durchwegs schwacher Übereinstimmung.
  19. Ireland JL, McGowan CM, Clegg PD, Chandler KJ, Pinchbeck GL. A survey of health care and disease in geriatric horses aged 30 years or older. The Veterinary Journal, 2012 (Querschnittstudie | Pferd)DOI 10.1016/j.tvjl.2011.03.021
    Von 69 untersuchten Pferden und Ponys ab 30 Jahren waren 77 Prozent im Trab lahm, während nur 16 Prozent der Besitzenden im Vorjahr eine Lahmheit bemerkt hatten; jedes untersuchte Tier hatte einen Augenbefund, 16 Prozent waren untergewichtig.
  20. Ireland JL, Clegg PD, McGowan CM, Platt L, Pinchbeck GL. Factors associated with mortality of geriatric horses in the United Kingdom. Preventive Veterinary Medicine, 2011 (Kohortenstudie | Pferd)DOI 10.1016/j.prevetmed.2011.06.002
    In einer Kohorte von 908 Pferden ab 15 Jahren waren 94 Prozent der Todesfälle Euthanasien, am häufigsten wegen Lahmheit (24 Prozent) und Kolik (21 Prozent); die Sterberate lag bei über 30-Jährigen mehr als fünfmal so hoch wie bei 15- bis 19-Jährigen, und Untergewicht erhöhte das Risiko.
  21. Malalana F, McGowan TW, Ireland JL, Pinchbeck GL, McGowan CM. Prevalence of owner-reported ocular problems and veterinary ocular findings in a population of horses aged 15 years or older. Equine Veterinary Journal, 2019 (Querschnittstudie | Pferd)DOI 10.1111/evj.13005
    Bei 287 von 327 vollständig augenärztlich untersuchten Pferden ab 15 Jahren fanden sich krankhafte Befunde, während nur 3,3 Prozent der Besitzenden ein Augenproblem angegeben hatten; steigendes Alter erhöhte die Wahrscheinlichkeit jeder Augenveränderung und speziell der Katarakt.
  22. Fouché N, Doras C, Schüpbach-Regula G, Scherer A, Freudenschuss B, Gerber V. Association Between Adrenocorticotropic Hormone Concentration and Clinical Signs of Pituitary Pars Intermedia Dysfunction in Swiss and Austrian Equids. Journal of Veterinary Internal Medicine, 2025 (Querschnittstudie | Pferd)DOI 10.1111/jvim.70008
    Bei 280 Equiden in der Schweiz und in Österreich mit klinischem PPID-Verdacht hingen Fellveränderungen, Hufrehe und supraorbitale Fettpolster sowie Alter und Untersuchungsmonat mit hohen ACTH-Werten zusammen; auch ein dem metabolischen Syndrom entsprechendes Bild war mit höheren Werten assoziiert, weshalb empfindlichere Frühmarker gefordert werden. Zwei der Mitwirkenden sind bei einem Tiergesundheitsunternehmen angestellt.
  23. de Laat MA, Reiche DB, Sillence MN, McGree JM. Incidence and risk factors for recurrence of endocrinopathic laminitis in horses. Journal of Veterinary Internal Medicine, 2019 (Kohortenstudie | Pferd)DOI 10.1111/jvim.15497
    Von 317 aufgenommenen akuten Hufrehefällen wurden 276 als hormonell bedingt eingestuft; von diesen über zwei Jahre verfolgten Tieren erlitten 34,1 Prozent einen Rückfall; das Risiko stieg mit dem nüchternen Insulinwert deutlich an, sobald dieser den Normbereich überschritt, und eine früher durchgemachte Hufrehe war ein zusätzlicher Risikofaktor.
  24. Barnabé MA, Elliott J, Harris PA, Menzies-Gow NJ. Relationships between total adiponectin concentrations and obesity in native-breed ponies in England. Equine Veterinary Journal, 2024 (Querschnittstudie | Pferd)DOI 10.1111/evj.14013
    Bei bis zu 734 Ponys robuster Rassen korrelierte die Körperkondition nur schwach mit dem Gesamtadiponektin; 38,6 Prozent der normalgewichtigen gegenüber 16,5 Prozent der fettleibigen Ponys zeigten erniedrigtes Adiponektin, weshalb die Autorenschaft empfiehlt, Insulin und Adiponektin unabhängig vom Gewichtsstatus zu bestimmen.
  25. Mair E, Nekouei O, Trummer-Schug P, Haralambus R, Biermann NM. Cheek tooth extraction in geriatric versus non-geriatric horses. Equine Veterinary Journal, 2026 (Kohortenstudie | Pferd)DOI 10.1002/evj.70199
    Unter 442 Pferden mit 710 Backenzahnextraktionen war bei den ab 20-Jährigen in 53,3 Prozent eine Parodontalerkrankung der Grund gegenüber 12,9 Prozent bei jüngeren Tieren, und sie benötigten häufiger mehrere Extraktionen (53,8 gegenüber 28,5 Prozent); die Komplikationsraten unterschieden sich nicht.
  26. Pollard D, Wylie CE, Newton JR, Verheyen KLP. Factors associated with euthanasia in horses and ponies enrolled in a laminitis cohort study in Great Britain. Preventive Veterinary Medicine, 2019 (Kohortenstudie | Pferd)DOI 10.1016/j.prevetmed.2019.104833
    In einer prospektiven Kohorte mit 1'070 selbst angemeldeten Pferden über 29 Monate lag die Euthanasierate bei 7,3 je 100 Pferdejahre; die häufigsten Gründe waren Hufrehefolgen (25 Prozent), Kolik (21,3 Prozent), Lahmheit ohne Rehebezug (20 Prozent) und altersbedingter Verfall einschliesslich wahrgenommener schlechter Lebensqualität (20 Prozent), und PPID war mit einer rund dreifachen Rate assoziiert. Die Kohorte wurde für eine Studie über Hufrehe rekrutiert, was den Rehe-Anteil nach oben verzerrt.
  27. Kelemen Z, Grimm H, Long M, Auer U, Jenner F. Recumbency as an Equine Welfare Indicator in Geriatric Horses and Horses with Chronic Orthopaedic Disease. Animals, 2021 (Querschnittstudie | Pferd)DOI 10.3390/ani11113189
    Bei 83 sensorgestützt beobachteten Pferden betrug die Liegezeit im Mittel 67,4 Minuten pro Tag bei einer Spanne von 0 bis 319 Minuten; weder Alter noch chronische orthopädische Lahmheit beeinflussten sie bedeutsam, doch acht Tiere mit Zeichen eines REM-Schlafdefizits lagen im Schnitt nur rund acht Minuten.

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